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OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY.
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Ausgegeben am 21. J
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änner 1854.
Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe.
Sechster Band.
INHALT. Erste Abtheilung.
Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie,
Reuss: Über Clytia Leachi Rss., einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. PEN se en ee
Heekel: Beschreibung des (ymnarchus nilotieus Cuv. nach zwei aus dem weissen Nile vorliegenden Exemplaren, CHICH Taleliı 02,2. 2 0... 0
Hyrtl: Beiträge zur vergleichenden Angiologie. (Kortsetzung.) V. Das arterielle Gefäss- System der Edentaten. (Mit VIN Tafeln.) . . . 2... a
Kner: Die Panzerwelse des k. k. Hof-Naturalien-Cabinetes zu Wien, I. Abtheilung: Loricarinae. (Mit VII Tafeln.) . Bet ee
Brücke: Über die Chylusgefässe und die Resorption rn Chylus. (ie Il Tafeln.) .
Unger: Ein fossiles Farnkraut aus der Ordnung der Osmundaceen nebst vergleiehenden Skizzen über den Bau des Farnstammes. (Mit IV Tafeln.)
Zweite Abtheilung.
Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern.
Resihuber: Über das magnetische Observatorium in Kremsmünster und die aus den
Beobachtungen bis zum Schlusse des Jahres 1850 gewonnenen Resultate. (Mit VII Taf.) Schabus: Monographie des Euklases. (Mit II Tafeln.) Ce ee. Hochstetter: Das Krystallsystem des rhomboedrischen Kalk -Haloides, seine Deduetion
und Projeetion nebst einer Vergleiehung mit der Entwiekelung des Tesseral-Systems in rhomboedrischer Stellung. (Mit I Tafeln.)
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DENKSCHRIFTEN
DER
KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
SECHSTER BAND.
_ WIEN. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1854.
INHALT.
Erste Abtheilung.
Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie,
Reuss: Über COlytia Leachi Rss., einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. { 8 8 I
(Mit V Tafeln.) En
Heekel: Beschreibung des @ymnarchus niloticus Cuv. nach zwei aus dem weissen Nile ö b
vorliegenden Exemplaren. (Mit II Tafeln.) . © 2 2 nn en nee
Hyrtl: Beiträge zur vergleichenden Angiologie. (Fortsetzung.) V. Das arterielle Gefäss- . fo) ö © oe) jom)
System der Edentaten. (Mit VIII Tafeln.) Re Kner: Die Panzerwelse des k. k. Hof-Naturalien-Cabinetes zu Wien. I. Abtheilung: Loricarinae. (Mit VII Tafeln.) . ;
Brücke: Über die Chylusgefässe und die Resorption jr ER nie f Tafeln. Js Unger: Ein fossiles Farnkraut aus der Ordnung der Osmundaceen nebst vergleichenden Skizzen über den Bau des Farnstammes. (Mit IV Tafeln.)
Zweite Abtheilung.
Abhandlungen von Nieht-Mitgliedern.
Reslhuber: Über das magnetische Observatorium in Kremsmünster und die aus den Beobachtungen bis zum Schlusse des Jahres 1850 gewonnenen Resultate. (Mit VII Taf.)
Schabus: Monographie des Euklases. (Mit II Tafeln.) ‘
Hochstetter: Das Krystallsystem des rhomboedrischen Kalk-Haloides, seine Deduetion und Projeetion nebst einer Vergleichung mit der Entwickelung des Tesseral-Systems in rhomboedrischer Stellung. (Mit II Tafeln.)
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Erste Abtheilung.
Abhandlungen von Mitgliedern der Akademie.
Mit 29 Tafeln.
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ÜBER CLYTIA LEACHT Rss.
EINEN
LANGSCHWÄNZIGEN DEKAPODEN DER KREIDEFORMATION.
VON PROF, Dr, A. EM, REUSS ZU PRAG,
WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. (MIT V TAFELN.)
(VORGELEGT IN DER SITZUNG DER MATHRMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM XXI. MAI MDCCCLIL)
In den Schichten der böhmischen Kreideformation ist nächst Callianassa antiqua Otto, welche in den der oberen Kreide angehörigen Sandsteinen des nordöstlichen Böhmens (Chotzen, Schirmdorf, Tfiebitz u. s. w.) in Menge angetroffen wird, die obengenannte Species die häufigste unter den wenigen in ihnen bisher gefundenen Crustaeeen. Sie scheint den kalkigen Schichten, die unter dem Namen „Plänerd oder Pläner- kalk“ bekannt sind und dem mittleren Quadermergel Geinitz’s (dem terrain turonien Orbigny's) angehören, eigenthümlich zu sein. Wenigstens habe ich sie bisher noch in keinen anderen Schichten zu entdecken vermocht.
Die ersten Reste derselben wurden von Mantell aus der weissen Kreide von Lewes und von Noughton in Western-Sussex beschrieben und abgebildet unter dem Namen von Astacus Leachiüi (Man- tell, The fossils of the South-Downs, 1822, p. 22?1—223; Taf. 29, Fig. 1, 4; Taf. 30, Fig. 1, 2: Tab: 81, Fig. 1—4).
Am deutliehsten und mit den böhmischen Resten ganz übereinstimmend sind die Scheeren (Taf. 29, Fig. 1, 4; Taf. 31, Fig. 4). Taf. 29, Fig. 4, stellt die Scheere eines sehr grossen Individuums dar: Taf. 30, Fig. 2 und Taf. 31, Fig. %, zeigen die beiderseitigen Scheeren neben einander. Von den anderen Gliedern der Scheerenfüsse ist auf den Abbildungen nichts Deutliches zu sehen. Ob die von Mantell hieher gerechnete Fig. 5 der Taf. 29 wirklich hieher gehöre, ist wegen der Krümmung der Scheeren- finger unwahrscheinlich. Taf. 3 1, Fig. 1, 2, 3 und 4 stellen den Cephalothorax dar, der aber sehr unvoll- sländig erhalten zu sein scheint und auch sehr undeutlich abgebildet ist, so dass sich nicht mit Sicherheit bestimmen lässt, ob diese Theile wirklich dem Astacus Leachii angehören. Am wahrscheinliehsten ist dies ge bei Taf. 3 1, Fig. 3, welche die Querfurchen des Cephalothorax am deutlichsten wahrnehmen lässt. Die Längsfurche auf Taf. 31, Fig.2, ist an den viel besser erhaltenen böhmischen Exemplaren nicht vor- handen und scheint, wenn das abgebildete Individuum wirklich unserer Species angehört, bloss zufällig durch Zusammendrückung entstanden zu sein.
Denkschriften der mathem.-naturw. CL VI. Bd.
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2 A. Em. Reuss. Über Olytia Leachi Rss.,
Taf. 31, Fig. 4, stellt einen der äusseren Fühler (ce) und eine sehr undeutliche Scheere eines der vorderen Gangfüsse (e) dar. Aus beiden lässt sich gar nichts Näheres entnehmen.
In Taf. 30, Fig. 1, ist endlich das sehr unvollständige hintere Ende des Hinterleibes dargestellt. Man bemerkt die Umrisse der sehr verdrückten drei vorletzten Hinterleibsringe und die innere paarige Schwanz- Nlosse der rechten Seite. Ob sie wirklich von Astacus Leachüi abstammen, lässt sich bei der gänzlichen Isolirung dieser Theile und dem Vorkommen noch anderer Astaeiden an demselben Fundorte nicht wohl bestimmen. —
Später entdeckte Geinitz diesen Krebs auch im Pläner von Strehlen und Weinböhla in Sachsen und beschrieb unter dem Mantell’schen Namen ein Fragment von ersterem Fundorte (Charakt. d. Sehiehten des sächsisch -böhmischen Kreidegebirges, p. 39, Taf. 9, Fig. 1). Es besteht in einem seitlich zusammenge- drückten, am vorderen Ende unvollständigen Cephalothorax und einer Scheere von grossen Dimensionen. Ich habe auf Fig. 3 nochmals eine treue Abbildung des mir von meinem Freunde, Herrn Prof. Geinitz, zur Untersuchung gütigst anvertrauten Exemplares geliefert.
Römer gibt in seiner Schrift „über die Versteinerungen des norddeutschen Kreidegebirges (p. 105)“, eine kurze Diagnose, ohne neue Details hinzuzufügen und neue Fundorte anzuführen. Seine Beschreibung des mit dem Namen @/yphea Leachüi bezeichneten Thieres beschränkt sich ebenfalls auf den Cephalothorax und die Scheerenfüsse. Er spricht jedoch zugleich die Vermuthung aus, dass wohl auch das zweite Fusspaar mit Schee- ren versehen gewesen sein mochte, die aber den übrigen drei Fusspaaren fehlen dürften. Er hebt übrigens schon die Verwandtschaft mit C/ytia von Meyer (Neue Gattungen fossiler Krebse, 1840, pp. 19,20) hervor.
Diese Verwandtschaft wurde von mir (die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation, 1845, I, p. 16) noch vollkommener anerkannt, so dass ich mich bewogen fand, den in Rede stehenden fossilen Krebs unter dem Namen CO/ytia Leachüi mit der Meyer’schen Gattung zu verbinden. Ich fand ihn im Plä- nerkalk von Kutschlin bei Bilin und von Hundorf bei Teplitz, so wie auch im Plänersandsteine von Hradek und Tribitz. Die von mir beschriebenen und (l. e. Taf. 6, Fig. 1— 6; Taf. 42, Fig. 3) abgebildeten Theile sind: das am vorderen Ende unvollständige Kopfbrustschild, die Scheerenfüsse mit den grossen Scheeren, Bruchstücke von Gangfüssen und eines Kaufusses, ein Theil der Geissel eines äusseren Fühlers, die letzten drei Hinterleibsringe und endlich Fragmente der Schwanzflosse.
Später wurden mir zahlreiche schöne Reste aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag bekannt, deren Beschreibung die hauptsächliehste Veranlassung zur gegenwärtigen Abhandlung bildet.
Geinitz führt in seinem Werke „über das Quadersandsteingebirge in Deutschland (1849, p. 97) * auch den oberen Quadermergel von Quedlinburg als Fundort von C/ytia Leachi an. Da ich jedoch die von dem dortigen Salzberge stammenden Reste nicht aus eigener Anschauung kenne, so bin ich nieht überzeugt, dass dieselben wirklich der genannten Species angehören; um so weniger als die von Quenstedt in seinem neuen Handbuche der Petrefaetenkunde Taf. 20, Fig. 11, unter dem Namen Astacus Leachüi abge- bildete Scheere von dort, nimmermehr zu dieser Speeies gehört, wenn sie überhaupt von einem Astaciden abstammt ').
Dagegen erhielt ich durch die gefällige Mittheilung des Herrn Professors Dr. Geinitz eine wirk-
+ M . .. 7 . h n » Ip .? 17 » liehe Scheere von O/ytia Leachii aus dem Quadermergel von Essen in Westphalen zur Ansicht”). Über
1) Dasselbe spricht Herr Dr. Geinitz in einem an mich gerichteten Briefe neuerdings aus. Auch Herr Dr. Giebel in Halle gab mir auf meine Anfrage die gefällige Auskunft, dass die am Salzberge gefundenen Krebsreste zu Callianassa Faujasi und vielleicht auch zu ©. antigua gehören, dass das von Quenstedt abgebildete Exemplar ihm aber ganz fremd sei,
®2) Herr Dr, F. Römer in Bonn, an welchen ich mich desshalb wandte, theilte mir mit, dass sich auch im Museum von Bonn eine solche, noch von Goldfuss etiquettirte Scheere befinde; dass diese Fossilreste aber keineswegs aus den der Tourtia gleichzustellenden verstei- nerungsreichen Schichten von Essen herstammen, sondern wohl einer höheren, dem eigentlichen Pläner parallelen Schichte angehören
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einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 3
das Vorkommen bei Osterfeld und Dülmen, das Geinitz inseinem Werke „über das Quadersandsteingebirge in Deutschland (1849, p. 93)“ anführt, brachte ich nichts Näheres in Erfahrung.
Endlich M’Coy (On the classification of some british fossil erustacea in Ihe annals and magazine of natural history, 1849, No. 23, p.330—332) erhebt den in Rede stehenden Krebs zum Typus einer selbst- ständigen Gattung, welche sich von Meyer’s Clytia durch die bedeutendere Körpergrösse, den langen seitlich gezähnten Schnabel des Kopfbrustschildes und die dornigen Höcker desselben und der Scheeren- füsse unterscheidet. Er nennt sie nach dieser Bewaffnung der Schale Enoploclytia und erwähnt noch zwei andere ihr zugehörige Arten: E. Imagei M’C. aus der weissen Kreide von Burwell und Maidstone und E. brevimana M’ ©. aus der unteren Kreide von Cherry-Hinton bei Cambridge.
In der kurzen Charakteristik der Gattung Enoploelytia beschreibt er alle Körpertheile mit Ausnahme der Kaufüsse, Fühler und vollständigen Gangfüsse. Von letzteren vermuthet er irrthümlicherweise, dass alle vier Paare ein einfaches klauenförmiges Endglied haben mögen.
Von En. Leachii scheint er jedoch ausser den schon von Mantell beschriebenen Bruchstücken keine anderen Theile zu kennen. Wenigstens führte er Nichts von denselben an und der Gattungscharakter scheint, was den Hinterleib betrifft, nur nach den anderen zwei Arten entworfen zu sein, da derselbe auf unsere Species wenig passt. Wie M’Coy aber Enoploelytia Leachii als der lebenden Gattung Galathea zunächst verwandt ansehen konnte, ist unbegreiflich. Er scheint dazu durch den stark gezähnten Schnabel, den kleinen Hinterleib (was aber von Z. Leachii ganz unrichtig ist) und die ungetheilten äusseren Lappen der Schwanzilosse verleitet worden zu sein, ohne die übrigen, sehr abweichend gebildeten Theile zu berücksichtigen. Unsere Speeies steht vielmehr den Gattungen Homarus und Nephrops nahe, ohne mit einer von beiden ganz überein zu stimmen. Ich werde dies später, nach gegebener Beschreibung der Clytia Leachii, genauer begründen.
Meiner Beschreibung, die mehrere früher nieht bekannte Details umfasst , liegen zahlreiche mehr weniger vollkommen erhaltene Exemplare von drei verschiedenen Fundorten zu Grunde. Die zahlreichsten stammen aus dem Pläner des weissen Berges von Prag und befinden sich theils in der Sammlung des Herrn Hofrathes, Ritters von Sacher (Fig. 4), theils des Herrn J. Barrande (Fig. 5,6,9), theils des k. k. Universitäts-Mineralien-Cabinetes (Fig. 1), theils des böhmischen Museums (Fig. 2, 10). Die (Fig. 3, 8) abgebildeten Exemplare aus dem Pläner von Strehlen in Sachsen wurden mir vom Herrn Professor 7
m n .. . D a . 1. . Veplitz gehört der fürstlich Lobkowitz’schen Sammlung in Bilin an, woher es mir von dem Herrn w 0)
Dr. Geinitz gefälligst mitgetheilt"}. Das Original der Fig. aus dem Pläner von Hundorf bei \ . . mr° “ . Custos Rubesch zu wiederholter Untersuchung freundschaftlichst dargeliehen wurde. Die vollkom-
menen, naturgetreuen Zeichnungen sind von der Hand des Herrn Sax, am hiesigen physiologischen Institute.
ls liegt nur ein einziges Exemplar vor, an welchem man die Länge des ganzen Thieres und das
Längenverhältniss des Kopfbrustschildes zum Hinterleib entnehmen konnte. Das Fig. 4 abgebildete misst 0,163 in die Länge von der Spitze des Stirnschnabels bis zum hinteren Rande der Schwanzflosse. Davon kommen 0,075 auf die Länge des Cephalothorax, und beiläufig 0,088 auf jene des Hinterleibes; mithin verhalten sich Hinterleib und Cephalothorax ohngefähr wie 1,16 : 1, — ein Verhältniss, welches von dem bei Homarus (1,2:1) und Nephrops norvegieus (1,3: 1 im Mittel) nieht wesentlich abweicht.
) Der Fig. 3 dargestellte grosse Cephalothorax nebst einer Scheere wurde schon von meinem Freunde Geinitz früher abgebildet in »Charakt, des böhm, Kreidegeb.“ Taf. 9, Fig. 1.
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A. Em. Reuss. Über Clytia Leachi Rss.,
An dem Exemplare auf Fig. 1, ist der nur in seinen Contouren undeutlich erhaltene Hinterleib nach unten eingeschlagen. Das ohngefähre Verhältniss desselben zum Kopfbrustschild stellt sieh wie 1,2:1 heraus, also beinahe wie oben.
Nimmt man nur auf die absolute Grösse Rücksicht, so würde das auf Fig. 3 dargestellte Exemplar, wenn es nach dem eben angegebenen Verhältnisse ergänzt wird, eine Totallänge des Körpers ohne Scheeren von 0,182 ergeben.
An allen vorliegenden Exemplaren ist das Kopfbrustsehild mehr weniger verdrückt, theils von den Seiten, theils von oben, theils in schräger Richtung. Es ergibt sich jedoch klar, dass dasselbe lang-oval sei, mit geradlinigem gerundeten Rücken und convexen, etwas zusammengedrückten Seiten. Nach vorne verschmälert es sich allmählich bis zur scharfen Spitze des Schnabels , erreicht seine grösste Breite hinter dem letzten Drittheil, wird dann wieder etwas schmäler und endet, rasch abgestutzt, in dem hinteren, zur Aufnahme des Hinterleibes bestimmten , tiefen, halbmondförmigen Ausschnitt. Die Breite verhält sich zur Länge beiläufig wie 7:16. Jedoch wechselt dies Verhältniss bedeutend. (Bei Homarus ist es im Mittel wie 1:2, bei Nephrops norvegieus wie 1: 2,7.)
Die Seitenränder sind, so wie der Hinterrand, zu einem, besonders an letzterem, breiten Saume verdickt, der neben sich nach innen eine schmale, aber sehr deutliche Furche hat. Beide zusammen messen am Hinterrande beiläufig 0,0025 in der Breite. Im vorderen Theile des Seitenrandes verschwinden Leiste und Furche allmählich.
In der Mitte des Vorderrandes verlängert sich das Kopfbrustschild zu einem sehr spitzen , schmal-drei- eckigen Schnabel (Fig. 2), der, von dem Rande des Orbital-Ausschnittes an gemessen, wenig mehr als 0,011 Länge hat. Ausser der sehr scharfen, 0,003 langen Endspitze trägt er auf jeder Seite drei spitze Dornen, von denen der vorderste der längste, der hinterste der kürzeste ist. Die obere Fläche des ganzen Schnabels zeigt, wie bei Homarus, eine tiefe, mittlere Längsfurche, die beiläufig in gleicher Linie mit dem hinteren Seitendorne an einem in der Mittellinie gelegenen kurzen, dornigen Höcker endigt, hinter welchem sich in einiger Entfernung und in gerader Linie noch ein zweiter kleinerer befindet.
Nach aussen neben dem Stirnsehnabel des Cephalothorax liegt beiderseits der ziemlich tiefe Orbital- Ausschnitt (Fig. 2), der über dem äusseren Winkel von einem starken, gerade auswärts gerich- teten, an der Basis dicken, spitzen Dorne von fast 0,0045 Länge begrenzt wird.
Die obere Fläche des ganzen Cephalothorax wird durch zwei über die ganze Breite desselben ver- laufende tiefe Querfurchen in drei deutlich begrenzte Regionen geschieden, von denen die hinterste die grösste, die vorderste die kleinste ist (ig. 1, 2, 3, A, 5).
Die vordere Region endet nach rückwärts in einem in der Mitte mit sehr kurzer und stumpfer Spitze versehenen und mit der Convexität nach hinten gerichteten flachen Bogen und lässt ausser einigen undeut- lichen Erhöhungen und Vertiefungen keine deutlichen Regionen unterscheiden. Nur bemerkt man im hin- teren Theile eine breite aber sehr kurze Furche, die beiläufig in der Mitte jeder Seitenhälfte der vorderen oder Nuchalfurehe entspringt, aber sehr bald nach vorne endigt (Fig. 1, 2). Dieselbe furchen- artige Depression ist auch bei den von Meyer beschriebenen Clytien sichtbar, z. B. bei Olytia ventrosa Myr. (l. e. Taf. 4, Fig. 29, b). Sie deutet gleichsam die Grenze zwischen der vorderen seitlichen Leber- gegend und der Magengegend an.
Die mittlere Region des Cephalothorax wird rückwärts von der, wie es scheint, etwas weniger tiefen hinteren oder Branehialfurche begrenzt, welche mit ihren Seitentheilen schräger nach unten verläuft, so dass die Mittelregion in ihren Seitentheilen schmäler ist als im Rückentheile. Die Branchialfurche ist doppelt und ihre beiden Schenkel schliessen, wie bei O/ytia ventrosa (Meyer, l. e. Taf. 4, Fig. 29, a), eine
schmale, gabelförmige Erhöhung ein, die, sich verschmälernd, nicht ganz den Seitenrand des Kopfbrustschildes
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einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 5
erreicht, indem die Branchialfurehe in die Nuchalfurche noch vor ihrem Ende einmündet. Die beiden Hälften dieser gabelförmigen Region stossen in der Rückenlinie unter einem Winkel zusammen, der 90° wenig übersteigt, in einem Punkte, welcher beiläufig in der Mitte zwischen der Nuchalfurehe und dem Hinterleibs- Ausschnitte gelegen ist (Fig. 1, 2, 3, 5).
An beiden Seiten der Mittelregion des Kopfbrustschildes wird ein kleiner Theil durch eine von hinten nach vorne verlaufende Furche, die, aus der Branchialfurche entspringend, in die Nuchalfurche einmündet, abgegrenzt. Er verlängert sich nach vorwärts unter die vordere Region des Cephalothorax. Unmittelbar über der genannten Verbindungsfurche erhebt sich die Mittelregion zu zwei stumpfen Höckern, von deren vorderem sich eine seichte Furehe nach oben und hinten bis in die Branchialfurche fortzieht CKig, 1,8, 4, 5). Eine ganz ähnliche Bildung nimmt man an Clytia ventrosa von M eyer wahr.
“ grösste Ausdehnung unter den drei Regionen des Kopfbrustschildes besitzt die hintere. Sie ist vorne durch die hintere Spitze der Mittelregion, hinten dureh den Ausschnitt für die Insertion des Hinter- leibes, welcher gegen die Rückenlinie eine fast rechtwinkelige Richtung hat, ausgeschnitten. Man vermag an ihr keine besonderen Erhöhungen oder Vertiefungen zu unterscheiden.
Die ganze Oberfläche des Cephalothorax ist mit zerstreuten, spitzen Knötchen und Höckerehen besetzt, welche in der hinteren Region am kleinsten, aber auch am dichtesten zusammengedrängt sind. In der mittleren, besonders aber in der vorderen Region sind zwischen ihnen vereinzelte, weit grössere, spitzdornige Höcker eingestreut, welche eine ziemlich regelmässige Lage haben. Acht derselben bilden in der Mittellinie des vorderen Abschnittes eine Bllipse, deren längere Axe mit der Längs-Axe des Cephalotho- vax zusammenfällt. Auf jeder Seite dieser Ellipse, steht ein Paar eben soleher Körner hinter einander. Am hinteren Seitentheile bemerkt man eonstant vier dergleichen rautenförmig gestellte. Der die Seiten- 'änder und den Hinterrand einfassende Saum ist, wie die ihn begleitende Furche, ganz glatt.
Nur an zwei der mir jetzt zur Untersuchung zu Gebote stehenden Exemplaren, so wie an dem sehon vor längerer Zeit in meiner Monographie der böhmischen Kreidepetrefaeten (Taf. 42, Fig. 3) abgebildeten, Sr. kaiserlichen Hoheit dem Erzherzoge Stephan angehörenden Exemplare sind Bruchstücke des Hin- terleibes erhalten, und auch da sind sie nur von der Rückenseite sichtbar. Fig. 4 zeigt wohl sämmt- liche 7 Hinterleibsringe in Beziehung auf ihre wechselseitige Abgrenzung ziemlich deutlich erkennbar. Wegen vielfacher Verdrückung und sonstiger sehr unvollkommener Erhaltung ist aber von ihrer übrigen Beschaffenheit, sowie von ihrer seitlichen Begrenzung Nichts wahrzunehmen. Es lässt sich daher auch über die Breite des Hinterleibes nichts Bestimmtes aussprechen, jedoch scheint er bedeutend schmäler zu sein als der Cephalothorax und sich nach hinten nur allmählich und wenig zu verschmälern. Keineswegs dürfte aber die Breitendifferenz so bedeutend sein, als M’C oy in seiner Charakteristik der Gattung Znoploclytia angibt. Noch weniger stimmt die Länge des Hinterleibes mit der Angabe von M’Coy überein. Der Hinter- leib ist nicht nur nicht kürzer als der Kopfbrustschild, sondern, wie schon oben dargethan wurde, noch etwas länger, ganz im Widerspruche mit der von M’Coy abgebildeten Enoploclytia brevimana, welche wohl mit C/ytia Leachi nicht zu einem und demselben Genus gehören dürfte und ohne Zweifel den Gala- theen näher steht.
An dem Fig. 5 abgebildeten Exemplare sieht man die vordersten vier Hinterleibssegmente seitlich zusammengedrückt. Alle sind der Quere nach in zwei Bänder getheilt, ein vorderes schmäleres, mehr deprimirtes und ein hinteres breiteres und höheres. Beide setzen treppenförmig an einander ab und sind durch eine Querfurche geschieden. Das vordere schiebt sich bei der Einlenkung unter das hintere des nächstvorliegenden Ringes.
Das erste Hinterleibssegment unterscheidet sich in seiner Form wesentlich von den übrigen. Es ist, besonders das hintere Querband, viel kürzer; beide Querbänder sind nicht so deutlich von einander
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5 A. Em. Reuss. Über Clytia Leachi Rss.,
abgegrenzt. Zugleich ist der ganze Ring viel schmäler und das hintere Querband verlängert sich nach unten nur in einen kurzen, am freien Ende abgestutzten Fortsatz, der bei gekrümmtem Hinterleibe von dem grossen Fortsatze des zweiten Hinterleibssegmentes fast ganz umfasst werden musste, wie es auch bei Homarus und Astacus der Fall ist.
Das zweite Segment ist viel breiter; der Seitenfortsatz seines hinteren Querbandes sehr gross, am unteren Rande schräg abgestutzt, daher breit dreieckig, der hintere Rand steigt gerade abwärts und fällt mit dem hinteren Rande des ganzen Ringes in eine Linie zusammen.
Die nächstfolgenden zwei Segmente stimmen mit dem vorigen überein; nur ist der seitliche, zapfen- förmige Fortsatz schmäler und bildet ein spitzeres Dreieck, dessen hinterer Rand etwas ausgeschweift ist; — das Taf. 42, Fig. 3, meiner „Monographie der böhmischen Kreideversteinerungen* abgebildete Exemplar bietet die vorletzten zwei Hinterleibssegmente und ein Bruchstück des vierten, sämmtlich von oben niedergedrückt dar. Man entnimmt daraus die beinahe viereckige Form der Hinterleibsringe. Am dritt- letzten (fünften) ist der seitliche Fortsatz noch schmäler dreieckig, mit noch schieferem, mehr ausge- schweiftem hinteren Rande.
Das sechste Segment ist länger als das vorhergehende, in seinem Körper fast ganz vierseitig. Der noch kleinere spitz-dreieckige Seitenfortsatz nimmt nur den vorderen Theil ein, während der hintere den Ausschnitt bildet, an welchem sich die äusseren paarigen Scehwanzilossen ansetzen. Überhaupt stimmt der Bau der Hinterleibsringe, so weit er aus den vorliegenden Bruchstücken ersichtlich ist, ganz mit jenem bei Homarus überein.
Von der Schwanzflosse sind nur unbedeutende Fragmente erhalten. An dem eben beschriebenen lEixemplare bemerkt man einen Theil des ziemlich grossen letzten Hinterleibssegmentes , — der mittleren unpaarigen Schwanzflosse, deren Hinterrand aber abgebrochen ist. Es stellt sich jedoch deutlich heraus, dass dieselbe aus einem einzigen Stücke besteht, wie bei Homarus und nieht durch eine Quernath in zwei Stücke geschieden ist, wie bei Astacus. Zugleich ist an demselben Exemplare ein Theil der linken inneren paarigen Schwanzflosse überliefert, an welchem man die neben dem flachen Längskiel vorlaufende kurze Längsfurche erkennt.
Auch das Fig. 4 dargestellte Individuum zeigt Spuren der mittleren unpaarigen und der linken inneren paarigen Flosse, aber nur in undeutlichem Abdrucke. An ersterer erkennt man ebenfalls einen schwachen Längskiel.
Von der äusseren paarigen Flosse ist nirgends etwas erhalten; es lässt sich daher auch nicht bestim- men, ob dieselbe durch eine Quernath in zwei Stücke getheilt wird, obwohl dies sehr wahrscheinlich ist.
Endlich zeigt auch die Platte auf Fig. 1 die sehr undeutlichen Umrisse des gegen den Unterleib
eingebogenen sehr verdrückten Hinterleibes. Über die Unterseite des Körpers geben die zu Gebote stehenden Exemplare fast keinen Aufschluss, da beinahe überall nur die Rückenseite entblösst ist. Nur das einzige schr fragmentäre Exemplar, Fig. 6, liegt am Rücken und zeigt, dass das Sternum sehr schmal-linear ist und sich nach rückwärts zu keiner Platte ausbreitet, wie man es bei den Galatheiden beobachtet. Auf Fig. 2 sieht man unterhalb des Cephalo- thorax den Abdruck des unteren Bogens eines der Hinterleibssegmente, der, nach diesem Abdrucke zu urtheilen, in der Mittellinie einen eben solchen ziemlich langen, spitzen Dorn getragen haben muss, wie wir ihn bei Homarus vulgaris beobachten.
Unter den Extremitäten sind die Scheerenfüsse am häufigsten, wenn auch gewöhnlich nur in Bruchstücken erhalten. In ihrer Totallänge betrachtet, sind sie beiläufig doppelt so lang als das Kopfbrustschild.
Über die oberen Glieder derselben lassen sieh nur sehr unvollkommene Daten entnehmen. Das sehr
kurze erste Glied — die Hüfte — ist nirgends deutlich genug überliefert worden.
einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 7
Das zweite, — das lange Glied von Meyer’s (Femur) ist an dem Exemplare Fig. 5, 0,030 lang und 0,010 breit (an Fig. 7, 0,03% lang, bei 0,017 breit), mässig gewölbt; verschmälert sich nach unten etwas und endigt mit einer schiefen, nach innen gerichteten grossen Gelenkfläche, die von einer stark erhabenen Leiste eingefasst zu sein scheint.
Das dritte Glied —das kurze Glied von Meyer's (Tibia) — misst an Fig. 6 und 5 beiläufig 0,012 in die Länge sowohl als auch in die Breite, an Fig. 7, 0,017 in die Länge, bei 0,016 Breite. Es ist stark gewölbt, am oberen Ende mit einer sch ‘äg nach aussen stehenden Gelenkfläche versehen. Das untere Ende, dessen Gelenk ausgehöhlt ist, erscheint ebenfalls von einer erhöhten Leiste eingefasst. In der Mitte bemerkt man einen ziemlich tiefen Ausschnitt, so dass das untere Ende einen grossen rundlichen,, stark vorspringen- den Höcker bildet (Fig. 7, und Reuss, Verstein. der böhmischen Kreideformation Taf. 6, Fig. 3).
Die Scheeren endlich zeiehnen sich bei unserem Fossil durch eine sehr bedeutende Grösse aus, scheinen aber, wie auch Quenstedt bemerkt, nieht immer beiderseits gleich zu sein. An dem eben erwähnten (l. c. Taf. 6, Fig. 3, abgebildeten Exemplare aus dem. Plänersandstein von Tfiblie hat die linke Scheere grössere Dimensionen als die rechte. Sie besitzt eine Länge von 0,104, bei 0,028 Breite des Carpus, an einem anderen kleineren Individuum (Fig. 6) 0,066, bei 0,015 Carpusbreite. Eine isolirte Scheere (Fig. 9) misst 0,072 in die Länge, wobei aber noch die Spitze zu fehlen scheint, bei 0,022 Handbreite; eine zweite nicht ganz vollständige Scheere aus dem Plänerkalk von Kutschlin 0,065 in der Länge, 0,021 in der Breite. Die beiden Scheeren aus dem sächsischen Pläner (Fig. 3, 8), sind, trotzdem dass an Spitzen noch ein Stück fehlt, doch beiläufig 0,120 lang, bei 0,030 — 0,036 Breite des Carpus. Bei vollständigen Scheeren scheint sich mithin die Breite zur Länge zu verhalten, ”u”1:8.5—435,
Der Carpus ist ziemlich vierseitig, in der Mitte am breitesten, gegen beide Enden sich etwas verschmälernd, mässig zusammengedrückt, an den Seitenflächen gewölbt, an den Seitenrändern win- kelig (Fig. 10). Er ist verhältnissmässig kurz, denn im Mittel beträgt seine Länge nur ein Drittheil der ganzen Scheerenlänge, so dass mithin die Finger doppelt so lang sind, als die Handwurzel.
Beide Finger, der bewegliche und unbewegliche, sind sehr lang (bis 0,080), dabei dünn und schlank, wenig zusammengedrückt, beinahe ganz gerade. Die einander zugekehrten Ränder sind, gleich einer Säge, mit einer Reihe spitzer, starker Dornen besetzt, die im geschlossenen Zustande der Scheere zwischen einander einzugreifen scheinen (Fig. 3, 9).
Auch die Ränder der übrigen Scheerenfussglieder, mit Ausnahme der Coxa, insbesondere aber der Carpus, sind mit entfernt stehenden dieken Dornen bewaffnet. Die übrige Oberfläche zeigt eine ähnliche Seulptur, wie der ( Cephalothorax; sie ist nämlich mit zahlreichen feinen Höckern besetzt, zwischen welche Srössere kurze Dornen eingestreut sind, die auf der Oberseite in ziemlich regelmässigen Reihen stehen. Auf dem langen Gliede scheinen sie am sparsamsten und am wenigsten entwickelt zu sein; so wie sie auch auf der Unterseite überhaupt weniger hervortreten, als auf der oberen.
An den Fingern bemerkt man statt der Dornhöcker auf jeder Seitenfläche zwei Längsfurchen, in denen kleine ‚ ungleiche Gruben an einander gereiht sind (Fig. 3, 9). Es wird dies schon von Mantell ausdrücklich angeführt (@eol. of the South-Downs, Taf. 29, Fig. 4; Geol. of the South-East of Engl. p- 128, Fig. 1). — Die eigentlichen Gangfüsse sind nirgends vollkommen erhalten. Einzelne aus dem Zusammenhange gerissene Bruchstücke derselben findet man zwar auf mehreren der vorliegenden
Gesteinsplatten; bemerkenswerthere Reste aber bieten nur die Platten Fig. 1 und Fig. 6, besonders erstere,
Die Gangfüsse waren überhaupt dünn und zusammengedrückt, an der Oberfläche nur mit entfernten kleinen, körnigen Höckerchen besetzt.
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8 A. Em. Reuss. Über Clytia Leachi Rss.,
Das Exemplar, Fig. 1, zeigt ausser etwas undeutlichen Resten des ersten, zweiten, dritten und vierten Gliedes der drei hinteren linken Gangfüsse noch die Scheere des ersten und zweiten Gangfusses derselben Seite. Besonders die erste ist gut erhalten, die des zweiten nur im Hohl-Abdrucke vorhanden , lässt sich aber aus der ebenfalls vorliegenden Gegenplatte theilweise ergänzen. Die Scheeren sind schlank, zusam- mengedrückt und messen in der Gesammtlänge 0,028 bei einer Handbreite von 0,0055. Die Hand ist 0,017 lang, während auf die Fingerlänge nur 0,041 kommt. Übrigens sind sie langgezogen und schmal- vierseitig, mit beinahe parallelen Seitenrändern. Die Finger sind dünn, etwas zusammengedrückt und nur gegen die Spitze hin sehr schwach gebogen.
Auch das Fig. 4 abgebildete Exemplar zeigt einen Theil des ersten Gangfusses beider Seiten, aber zerdrückt und inBeziehung auf die Form sehr entstellt. Man nimmt daran die beiläufig 0,024 lange Scheere, das 0,011 lange und 0,005 breite vierte Glied und einen Theil des dritten Gliedes wahr.
Auf der Fig. 2 abgebildeten Platte sind neben dem Cephalothorax Stücke sämmtlicher vier Gang- füsse der linken Seite sichtbar, an welchen man sich überzeugt, dass der letzte Gangfuss ebenso gebildet sei, wie die übrigen, nicht aber rudimentär, wie bei den Galatheiden.
Das in meiner Monographie der böhmischen Kreideformation (Taf. 42, Fig. 3) abgebildete Exemplar zeigt auf der linken Seite die klauenförmigen Endglieder zweier hinterer Gangfüsse (e, e'), welche spitz- konisch und schwach gebogen sind. —
Von den Kauwerkzeugen ist ausser Bruchstücken des hintersten Paares der Kaufüsse nichts bekannt geworden. Nur auf der Platte Fig. 4 sind dieselben beinahe ganz erhalten bis auf das nur mit
einem kleinen Theile sichtbare kurze, erste Glied. Die Länge der Glieder ist folgende, und zwar:
des zweiten. . 0,009 des fünften . . 0,0055 des dritten ... 0,006 des sechsten . 0,006.
des vierten . . 0,006
Die grösste Breite (des zweiten Gliedes) beträgt 0,005. Die äussersten Glieder sind im Querschnitte dreikantig, alle scharfkantig und an den Kanten mit Sägezähnen besetzt. Das letzte Glied ist klauenförmig und sehr schwach gekrümmt.
Aus Fig. 1, wo ein Theil des linken hintersten Kaufusses erhalten ist, geht hervor, dass nebst den tandzähnen sieh am oberen Ende eines jeden Gliedes jederseits ein 0,003 langer, schr spitzer Dorn befindet.
Von den Fühlern ist an beinahe allen Exemplaren fast keine Spur wahrzunehmen. Nur an Fig. 7, aus dem Plänerkalk von Hundorf, sieht man die 0,060 lange, dünne Geissel des linken äusseren Fühlers, die aber an der Spitze noch abgebrochen zu sein scheint. Mantell führt an (Geol. of the South-East of Engl., 1833, p.122), dass sie auf schuppigen Stielen sitzen, ohne etwas zur näheren Beschreibung beizufügen.
Fasst man sämmtliche eben beschriebene Charaktere zusammen, so ergibt es sich unzweifelhaft, dass unser fossiler Krebs zu jener Abtheilung der Langschwänzer gehöre, welche man mit dem Namen der Astacinen belegt und deren Repräsentanten unser gemeiner Flusskrebs (Astacus fluviatilis) und der Hummer (Homarus vulgaris) sind. Der ganze Habitus des Körpers, das Verhältniss des Hinterleibes zum Kopfbrustschilde, die in allen Theilen feste, kalkige Schale , die Beschaffenheit der Scheerenfüsse , das Vor- handensein von Scheeren an den ersten Paaren der eigentlichen Gangfüsse, die Bildung der Schwanzilosse, das linienförmige Brustbein u. s. w. sprechen deutlich genug dafür. Wenn auch mehrere andere der wich- tigsten Familiencharaktere an den nur unvollständig erhaltenen Fossilresten nicht erkannt werden können , so ist man dagegen im Stande auf die Abwesenheit vieler, andere Makrourenfamilien bezeichnenden Charaktere mit Sicherheit zu schliessen, — ein negatives Merkmal, das bei fossilen Resten so oft zu Hülfe
genommen werden muss und immerhin von hohem Werthe ist.
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einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 9
3eht man die lebenden Gattungen der Astacinen durch und vergleicht man sie mit unserem fossilen Thiere, so überzeugt man sich, dass dasselbe dem Homarus am nächsten steht. Vom Astacus entfernt es sich durch den an den Seitenrändern mit mehreren Dornen besetzten Stirnschnabel; durch den nicht in die Quere gegliederten Mittellappen der Schwanzflosse, — Merkmale, die es mit Homarus gemeinschaftlich hat, mit welchem es auch in seinem robusten Bau, der starken Entwickelung und den Randdornen der Scheere, der Form der Hinterleibsringe , der Gegenwart eines Dorns auf der Mitte des unteren Bogens der Hinterleibsringe u. s. w. übereinkommt. Am wenigsten Ähnlichkeit besitzt es mit Nephrops, der sich durch Form und Seulptur des Kopfbrustschildes und der Hinterleibsringe, so wie durch die langen aber dünnen, prismatischen Scheeren leicht unterscheidet.
Stellt man eine genaue Vergleichung mit den ziemlich zahlreichen fossilen Astaeinengattungen an, so fällt sogleich eine beinahe vollkommene Übereinstimmung mit der von Herm. von Meyer errichteten Gat- tung Clytia (Klytia), die ihre ältesten und meisten Repräsentanten in der Oolithenperiode zählt, in die Augen, Wie bei unserem Krebse verlängert sich der lange, seitlich etwas zusammengedrückte, geradrückige Cephalothorax vorne in einen spitzen Stirnsehnabel; auch bei C/ytia wird derselbe durch zwei Quer- furchen in drei hinter einander liegende Regionen abgetheilt, welehe mit Ausnahme der dem Seitenrande zunächst gelegenen Theile keine markirteren Erhabenheiten oder Vertiefungen zeigen. Bei beiden ist die hintere Querfurche doppelt und schliesst eine schmale gabelförmige Partie ein; bei beiden zeigt sich an den Seitentheilen der mittleren Region dieselbe, beide Hauptquerfurchen verbindende kurze Längsfurehe und über derselben zwei kleine Höcker. Bei beiden ist das Kopfbrustschild von einem glatten Saum und einer nebenliegenden Furche eingefasst. Kurz, es lässt sich eine genaue Übereinstimmung beider im Baue des Cephalothorax mit Bestimmtheit nachweisen.
Ich habe daher auch schon 1845 in meiner Monographie der böhmischen Kreideversteinerungen den Astacus Leachii Mant. unbedingt zur Gattung Clytia gezogen und als Clytia Leachüi beschrieben. Auch Jetzt, nach Untersuchung zahlreicherer und theilweise besser erhaltener Exemplare, kann ich von dieser Ansicht nieht abgehen. Der Umstand, dass C/ytia Leachi grösser ist, als die O/ytien der Juraformation, dass die Oberfläche des Kopfbrustschildes und der Scheere mit Höckern und Dornen besetzt, dass der Stirnschnabel grösser und seitlich deutlich gezähnt ist, kann wohl keinen giltigen Grund abgeben, unsern Krebs von C/ytia zu tvennen und, wie M’Coy in der jüngsten Zeit gethan hat, zum Typus einer eigenen Gattung zu erheben.
Solche Differenzen, wie die oben angedeuteten, können wohl die Sonderung in Species rechtfertigen, und finden sich mehrfach , selbst in noch höherem Grade, bei Arten, die doch allgemein in einer und der- selben Gattung vereinigt werden. Ja es weichen die von M’Coy selbst in der Gattung Enoploelytia ver- einigten Species viel mehr und viel wesentlicher von einander ab, so dass ich, so weit es sich aus der ge- gebenen rohen Abbildung von En. brevimana schliessen lässt, meine Zweifel an der Rechtmässigkeit dieser Vereinigung nicht verhehlen kann. Wollte man aber jedes unwesentliche Merkmal für hinreichend zur Auf- stellung selbstständiger Gattungen erachten, so würde man sich bald genöthigt sehen, fast aus jeder einzelnen Species ein Genus zu machen ; es würde dies zu einer höchst bedauerlichen Zersplitterung führen und die ohnehin sehon sehr schwierige Übersicht noch mehr erschweren.
Von der anderen Seite ist es wohl aber auch nicht zu rechtfertigen, wenn man das Zusammen- ziehen der Arten und Gattungen zu weit treibt und, wie es Quenstedt noch in seinem neuen Handbuche der Petrefaetenkunde thut, alle lebende und fossile Astaeidengattungen wieder in das ein- zige Genus Astacus zusammenwirft. Es wird dadurch der Paläontologie kein Dienst erwiesen, da sie weder als ein blosses dienstwilliges Werkzeug der Geognosie, noch als eine blosse Gehülfin der Zoologie angesehen werden kann. Beide haben gleich gewichtige und gleich gegründete Ansprüche an sie zu richten.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. VI. Bd. 2
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10 A. Em. Reuss. Über Clytia Leachi Rss., einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation.
Erklärung der Abbildungen.
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Fig. 1, 2. Aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag. \ % 3. Aus dem Plänerkalk von Strehlen bei Dresden. » 55 pr 7. Aus dem Plänerkalk von Hundorf bei Teplitz. N
8. Aus dem Plänerkalk von Strehlen bei Dresden.
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Aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag.
se 9, 10. Aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag. pr 11. Ideale Zusammenstellung der bisher bekannten Theile des Krebses. » 12. Dieselbe, in der Seitenansicht. a. Stirnstachel des Cephalothorax. b. Orbitaldorn. e. Nuchalfurche. d. Branchialfurche. e. Hintere Gabelfurche. f. Von der Branchialfurche gegen die Seitenhöcker (h) des Mitteltheils des Kopfbrustschildes auslaufende seichte Furche. 9. Kurze von der Nuchalfurehe nach vorne verlaufende Furche. i. Seitentheil des mittleren Abschnittes des Cephalothorax, der sieh nach vorwärts unter den vorderen Abschnitt desselben erstreckt. k. Glatter Saum des Kopfbrustschildes. I. Langes Glied (Femur) der Scheerenfüsse. m. Kurzes Glied (Tibia) der Scheerenfüsse. n. Carpus der Scheere. 0. Unbeweglicher Finger. ı p. Beweglicher Finger der Scheeren. | 1”
r, r'. Scheeren der ersten zwei Gangfusspaare.
Gangfüsse.
s, 8. Klauenförmige Endglieder der hinteren zwei Gangfusspaare.
t. Erster
u. Zweiter
v. Dritter
w. Vierter ) Hinterleibsring.
x. Fünfter
y. Sechster
%. Siebenter /
&. Unzertheilter Mittellappen der Schwanzfüsse. P. Geissel der äusseren Fühler.
y. Hinterster Kaufuss, d. Erstes, &. zweites, & drittes, . viertes, 9. klauenförmiges letztes Glied desselben.
Reuss. Ueber Ulvtia Leachi Rss
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Lithacn Farb ger. in d.K.k Hof.acStaatsdruckere;
Denkschriften der k.Akad.dWissensch mathem. naturw. CI.NT.BAL.1854. !
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Uber Elytia heachi. Rss. 4 Tat.
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) Litharın Parb.gedr. in d.Kk.k.Hofu.Staatsdruckerei
a Denkschriften der k.Akad.lWissensch.mathem. naturw.CI.\1.Bd. 1854.
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11
BESCHREIBUNG DES GYMNARCHUS NILOTICUS CVV. NACH ZWEI AUS DEM WEISSEN NILE VORLIEGENDEN EXEMPLAREN.
VON JAKOB HECKEL,
WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. (MIT II TAFELN).
(VORGELEGT IN DER SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM XV. OCTOBER MDCCCLI.) |
$ 'e erste Kunde dieses merkwürdigen Nilfisches gab uns Rifaud in seinem noch unvollendeten Werke: Oyage en Egypte 1830—1836, woselbst das ganze Thier nebst dessen Skelet auf Tafel 138 bis,
unte 1 ; f i i i nter dem Namen Jerfar dargestellt ist. Nach dieser Abbildung entwarf Cuvier, und zwar wie es
\ scheint ohne den Fisch selbst gesehen zu haben, die Charaktere einer neuen Gattung, und reihte \ dieselbe den amerikanischen Gattungen @ymnotus, Carapus und Sternarchus an. Im Gegensatze zu dieser „Steren Gattung, welehe gleich den beiden letzteren Rifaud’s Nilfische weit ähnlicheren, einen kahlen Rücken und lange Afterflossen besitzt, erhielt der neue, längs dem Unterkörper flossenlose Fisch, den bezeichnenden Namen Gymnarchus und wenige Worte waren hinreichend, um in dem Regne animal die
Ofmisn i $ : R ; 5 : Tundzüge eines so ausgezeichneten Thieres niederzulegen. Ausser dem Maler Rifaud, dem eigentlichen
R Entdecker des Gymnarchus, hatte lange Zeit darauf kein Naturkundiger diesen kahlbauchigen Nilfisch, dessen Dasein selbst allen früheren eifrigen Forschungen eines Geoffroy, Ehrenberg und Rüppell entgangen war, wieder gesehen, bis Professor Erdl in München, der leider für die Wissenschaft viel zu früh dahin geschiedene Anatom, im Jahre 1847 durch Dr. Prunner ein Exemplar aus Cahira erhielt und hierauf seine wohlbekannte Abhandlung: Beschreibung desSkeletesdesGymnarchus nilotieus,
nebst a . RR i i i } i Ist Ver glei ehung mit Skeleten formverwandter Fische, niederschrieb, welche in osteolo-
Sischer Beziehung, als etwas Vollendetes, nichts zu wünschen übrig lässt. Im Verlaufe des Sommers 1852
erhielt nun: f . . TE ’
& elt nun auch die k. Akademie der Wissenschaften dureh die gütige Verwendung ihres hochgeehrten Herrn
v rä an . R % 5 äsidenten ebenfalls ein Exemplar des seltenen @ymnarchus, welches Herr k. k. Consular-Agent Dr. Reitz
aus n . n: en € N 6 ee & Wa H Chartum einsandte. Dieses schöne 32 Zoll lange im Weingeist befindliche Individuum, das den weite- ren an: in ne R f a " x "| anatomischen Untersuchungen des verehrten Mitgliedes Herrn Prof. Hyrtl gewidmet ist, und ein ande- res c x f En eben so wohl erhaltenes, aber ausgestopftes, durch Herrn Custos-Adjunet Kotschy bereits in dem
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12 J. Heckel. Beschreibung des G@ymnarchus nilotieus Cuv.
Jahre 1838 an das k. k. zoologische Cabinet gelangt, bieten mir gegenwärtig die wahrhaft seltene Gele- genheit dar, einen der merkwürdigsten Nilfische, über dessen Äusseres bisher ausser Cuvier’s kurzen Andeutungen nichts Näheres bekannt wurde, sogar nach zwei Exemplaren untersuchen und in zoologi- scher Beziehung ausführlich beschreiben zu können.
Wie Prof. Erdl, werde ich im Verlaufe meiner Beschreibung auf keine Vergleichungen mit den maleri- schen Sünden der oben angeführten einzigen Original-Abbildung , noch deren Copien eingehen, und selbst der dort vorhandenen Schwanzflosse, welche Rifaud’s Pinsel als unentbehrlich sehuf, nieht weiter erwäh- nen. Meine Beschreibung soll, so wie die sie begleitende graphische Darstellung, möglichst treu dem Thiere selbst entnommen sein, in welehem uns die Natur , wie bei manchen anderen Fischen des oberen Niles , so absonderliche Formen darbietet, dass man sich zu dem weithin reichenden Gedanken, als wären die Urah- nen dieser Fische geradezu noch Zeugen einer längst untergegangenen Fauna gewesen, unwiderstehlich hingezogen fühlet.
Die allgemeine Gestalt des @ymnarchus nilotieus ist eine aalartig gedehnte. Hinter einem stumpfen, kegelförmigen, von oben etwas niedergedrückten Kopfe ist der starke, beschuppte Rumpf seitlich zusammen- gedrückt, und läuft rückwärts in eine allmählieh verdünnte,, mehr eylindrische nackte Spitze ohne Flosse aus. Eine lange weiche Flosse zieht sich über den ganzen Rücken hin, und ausser den kurzen Brustflossen ist keine andere vorhanden. Wenn man die lange Afterflosse eines brasilianischen Carapus macrourus sich als Rückenflosse denkt und seinen Kopf mit dem eines Mormyrus anguilloides vertauscht, so erhält man das ähnlichste Bild des Gymnarchus.
Der Kopf nimmt etwas weniger als '/, der ganzen Fischlänge ein, und übertrifft ein wenig die grösste Höhe des Rumpfes, er ist mit einer nackten, glatten, dieken Haut überzogen, die kaum eine Andeutung der grösseren darunter liegenden Kopfknochen wahrnehmen lässt, und beson- ders auf der Nase, den Lippen und dem Hinterhaupte von zahlreichen Poren durehbohrt ist. Kurz vor dem Hinterhaupte, dessen Entfernung von der stumpfen fleischigen Nasenspitze etwas über °/, der Kopflänge beträgt, ist die Breite des Kopfes seiner Höhe gleich; von da aus nach vorwärts aber übertrifft erstere die letztere so sehr, dass dies unter den Augen '/, der Kopfhöhe, unter den Nasenlöchern wieder etwas weniger ausmacht; unter dem Hinterhaupte selbst oder zwischen den Vor- deekeln tritt das Gegentheil ein, hier ist die Höhe um '/, beträchtlicher als die Dicke, der Kopf ist also nach vorne zu in demselben Verhältnisse deprimirt, als er rückwärts eomprimirt erscheint. Die Augen sind sehr klein und wie bei Mormyrus- und Aal-Arten von einer diekeren, trüben, allgemeinen Haut über- zogen, sie liegen etwas über der Längenaxe des Kopfes und ein wenig vor dem ersten Drittheile der Kopflänge, ihre Entfernung von einander, oder die Stirnbreite zwischen beiden Augen ist A”/,mal in der Kopflänge, ein Augendiameter aber eilfmal in dieser Stirnbreite enthalten. Die Nasenlöcher sind einfach und weichen dadurch von den doppelten der Mormyren und Anguilloiden ab; sie öffnen sich wie die vorderen Nasenlöcher des Aales am Ende eines kurzen fleischigen Röhrehens, das hier aber nicht an dem Oberlippenrande, sondern in der Höhe des Auges senkrecht über der halben Länge der Mundspalte, oder in dem zweiten Drittheile der zwischen Auge und Nasenspitze liegenden Entfernung sitzt. Von dem rechten zu dem linken Nasenloche zieht sich ein Raum .der ?/, jener zwischen beiden Augen enthaltenen Stirnbreite gleieht. (Fig. 3 und % stellen den Kopf von oben und von unten in natür- licher Grösse dar.)
Unter der fleischigen stumpf vorragenden Nase und auch noch unter einer durch die Brust- flossen-Basis gedachten Horizontal-Linie, öffnet sich der ziemlich grosse Mund, dessen wagrechte Spalte
%/, des Kopfes vor den Augen, oder nieht völlig das erste Viertheil der ganzen Kopflänge ein-
nimmt. Die Breite des Mundes, zwischen den beiden Mundwinkeln, übertrifft seine Länge bedeutend,
nach zwei aus dem weissen Nile vorliegenden Exemplaren. 13
denn sie gleicht der vollen Entfernung der Augen von der Nasenspitze. Keiner der Kieferknochen ist äusserlich bemerkbar, eine dieke Lippe umgibt den oberen Mundrand, ist vorne wulstig abge- rundet, an den Seiten flach zusammengedrückt, nach unten zugeschärft und herabhängend. Die Unter- lippe ist ebenfalls sehr diek, nach vorne zu aber wagreeht zugeschärft, und an den Seiten seitlich zusammengedrückt, mit einem schneidigen nach aufwärts gerichteten Rande. Bei geschlossenem Munde überragt der wulstige Theil der oberen Lippe den wagrecht zugeschärften der unteren nach vorne, an den Seiten stehen die breiteren verticalen Lippen schief abgeflacht, wie die Klingen einer Scheere neben einander, die obere verbirgt die untere nach aussen, so dass die Seiten des Mund- randes nur wie ein feiner Sehnitt bemerklich sind. Bei geöffnetem Munde (Fig. 5) wendet sich der Oberlippenrand, besonders an den Seiten, etwas auswärts in die Höhe, wodurch die dieke Nase ein wenig dünner und der Vorderkopf breiter und niederer, wie ein breiter Entenschnabel erscheint. Sowohl die Ober- als die Unterlippe sind nach vorne zu, auf ihrer Innenseite gleichsam mit einem dichten kurzen Filze bedeckt. Unter der Loupe zeigen sich an dieser Stelle kurze fadenförmige Wärzehen, die gleich Kardenzähnehen rückwärts gekrümmt dicht an einander stehen, und in der Nähe der wirkliehen Zähne etwas länger werden.
Die Zähne stehen sowohl in dem Ober- als in dem Unterkiefer in einer einfachen Reihe, aber in klei- nen Zwischenräumen und von diekem Zahnfleisch umgeben. Oben befinden sich bloss 14 Zähne, welche den Zwischenkieferknochen allein angehören, während die beiden, die Seiten des oberen Mundrandes bildenden eigentlichen Kieferknochen ganz zahnlos sind. Auf dem Unterkiefer steht eine Reihe von 24 Zähnen (Prof. Erdl zählt deren 28), die an beiden Seiten bis hinter den Mundwinkel reicht; dagegen bemerkt man in der etwas lederartigen Bedeckung der zahnlosen Stellen des Oberkiefers jederseits fünf Grübchen, die den fünf hintersten Zähnen jedes Unterkieferastes entsprechen. Sämmtliche Zähne sind kleine, flache Schneidezähne , die nach hinten zu noch mehr an Grösse verlieren, und in der oberen Reihe mehr, in der unteren weniger nach rückwärts geneigt sind. Dabei ist ihre Gestalt noch ganz besonders ausgezeichnet. Die sten etwas schief abgestutzten ausgenommen, gleichen sie rechtwinkeligen Vierecken, nur die Kauseite ist etwas eingebuchtet; was hier aber vielleicht einzig dasteht unter den Teleostiern ist der merk- würdige Umstand, dass die drei freien Seiten jedes Zahnes gleieh den Facetten eines Spiegels ver- dünnt zugeschliffen, und an allen drei scharfen Rändern wie Squalidenzähne fein gesägt sind (Fig. 6, vergrössert). Dazu kommt noch eine andere nicht minder interessante Eigenschaft, die zwar nicht mehr neu ist, und in welcher sie von den Zähnchen eines anderen sehr kleinen Fisches aus einem Persischen Salzsee, den ich in Russegger’s Reisen unter dem Namen Lebias erystallodon beschrieben habe, noch übertroffen werden, sie sind durchsichtig, so dass sich selbst Farben durch sie noch unter- scheiden lassen. Das Gelb und Schwarz eines hinter ihnen durchgezogenen zusammengedrehten Sei- denfadens zeigte sich ungefähr wie durch ein etwas getrübtes Glas, an den verdünnten Rändern jedoch ganz hell,
Die Zunge ist fleischig und sehr breit, sie füllt den ganzen Raum des Unterkiefers zwischen beiden
Zahnreihen aus, ihr Rand ist abgerundet, faltig und gleich dem inneren Lippen rande mit zarten fadenför- migen Wärzchen besetzt.
Die dieke, lederartige Haut, welehe den ganzen Kopf, wie bei Mormyrus und den Anguilloiden über- zieht, verhindert, wie gesagt, einzelne Kopfknochen äusserlich wahrzunehmen, selbst Kiefer und Zwischen- kiefer sind unkenntlich darunter verhüllt, nur unter den Augen zieht sich, im stumpfen Winkel abwärts ge- bogen, ein kaum erhabener Wulst als schwache Andeutung der schmalen Jochbeinkette hin; noch weniger sind hinter derselben die Umrisse des Vordeckels angezeigt. Oben erhebt sich die mittere Nath der Stirn-
beine wie eine abgeflachte Längsfalte (Fig. 3). Unten ist der Kopf ganz eben und flach, von den vier in
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14 J. Heckel. Beschreibung des Gymnarchus nilotieus Ouv. I
der Haut versteckten Kiemenstrahlen ist gar nichts zu merken, dagegen ist die Kiemenstrahlenhaut sehr breit, sie umfasst den ganzen Unterkopf als eine transversale Verbindung der häutigen Kiemendeckelränder und überdeckt ohne Einschnitt sowohl den unteren Theil des Schultergürtels als den ganzen Isthmus (Fig. #), wie dies auch an Lepidosteus, Saccobranchus, Trichomycetrus und einigen anderen dem Gymnar- ehus ebenfalls sehr entfernt stehenden Gattungen vorkommt. Die Kiemenspalte selbst ist klein, sie öffnet sich erst wie an Carapus-Arten unter dem Winkel des Kiemendeckels und beträgt kaum '/, der Kopflänge.
Hinter dem stumpfen Kopfe nimmt der lange Rumpf, wie schon gesagt, sogleich eine viel höhere und sehr eomprimirte Gestalt an. Das Profil des Vorderrückens folget und zwar ohne plötzliche Erhebung, der sanft ansteigenden Stirne und bildet einen flachen Bogen, der nach zwei Kopflängen in eine gerade Linie übergeht. Das Profil der Bauchseite dagegen senkt sich bedeutend mehr, als das des Rückens sich erhebt, dabei erreicht es bereits nach einer Kopflänge seine grösste Tiefe, wodurch die grösste Körper- höhe des Thieres bald nach dem ersten Drittheile seiner Länge sich ergibt, sie gleicht nicht ganz einer Kopflänge. An derselben Stelle liegt auch die grösste Dieke des Rumpfes unter dem zweiten Drittheile seiner Höhe , woselbst sie '/, der Kopflänge enthält. Nach oben nimmt die Körperdicke mehr, nach unten weniger ab, so dass der Bauchkiel dieker ist als die Rückenfirste und ein vertiealer Rumpfdurehschnitt (Fig. 2) hier als ein umgekehrtes oben spitzes Oval erscheinen würde. Nach anderthalb Kopflängen hin- ter dem Schultergürtel erhebt sich die untere Profillinie ganz allmählich bis sie unter dem Ende der Rückenflosse, oder nach weiteren drei Kopflängen dem Rücken so weit genähert ist, dass die Körperhöhe daselbst nur noch '/, oder '/,; der Kopflänge beträgt, und die Körperdieke ebenda kaum weniger ausmacht.
Hinter der langen Rückentlosse läuft nun der Schwanz in ein noch mehr verdünntes, °”/, der Kopf- länge langes Ende aus, das vollkommen nackt ist, und keine Spur einer Schwanzflosse trägt. Die After- öffnung liegt nicht mitten im Bauehkiele, sondern etwas mehr an der rechten Seite (Fig. 1) um 1°/, Kopflängen hinter dem Kopfe; sie ist länglich und von einer nackten, mit feinen Querfalten versehenen Haut umgeben.
Hinter dem äusserlich nieht siehtbaren Schultergürtel sitzen die kurzen stumpfen Brustilossen über dem unteren Drittheile der Körperhöhe, kaum unter dem Niveau der Augen, sie sind nur ”/, der Kopflänge lang und bestehen aus 10 kurzgegliederten Strahlen. Der erste davon ist ungetheilt, der vierte und zu- gleich auch längste, vollständig zweimal gespalten, an den letzten sehr kurzen ist kaum noch eine Theilung bemerkbar; die Spannhaut der Strahlen ist etwas diek. Senkrecht über der Anlenkung der Brustflossen beginnt die Rückenflosse, so dass nur ein sehr kleiner Theil des Vorderrückens, etwas über '/s der Kopf- länge betragend, flossenlos bleibt. Die Basis der langen Rückenflosse , welehe beinahe den ganzen Rücken des Thieres einnimmt, beträgt etwas über 4'/, Kopflängen und enthält 205 Strahlen, die sämmtlich in gleicher Entfernung von einander abstehen, und derart mit einer dieken Haut überzogen sind, dass ihre zweimalige Zerspaltung erst nach dem Vertrocknen derselben wahrgenommen werden kann. Nur die 4 ersten Strahlen sind einfach und verlängern sich stufenweise; nach ihnen nimmt das erste Hundert sehr all- mählieh bis auf '/, der Kopflänge zu, und ebenso nimmt das nun nachfolgende Hundert der Flossenstrahlen wieder ab, bis die letzten nur noch '/, der längsten an Höhe erreichen.
Das ganze Thier ist mit einer dieken, beinahe lede 'artigen glatten Haut überzogen, die auf dem Rumpfe kleine sternförmige Pigmentzellen, wie feine Punkte enthält: Fig. 21 stellt ein Stückchen dieser Haut unter starker Vergrösserung dar. Mit Ausnahme des nackten Kopfes, einer schmalen Stelle um die Anheftung der Brustflossen und einer ringförmigen um den After ist der Rumpf mit Schuppen bedeckt, die
zwar wie gewöhnlich in Täschchen stecken, deren sonst freier Hinterrand hier aber unter der gemeinsamen
nach zwei aus dem weissen Nie vorliegenden Exemplaren. 15
Decke, wie bei dem Aale verborgen liegt. Die Richtung der Schuppen ist von der gewöhnlichen sehr abweichend , und wurde in diesem Grade bisher noch an keinem anderen Fische beobachtet; ihre Reihen- folge bietet sogar eine überraschende Erscheinung dar, welche, als eben dureh diese abweichende Rich- tung hervorgebracht, bei näherer Untersuchung sich nur durch die Gesetze der Schuppenverschiebung vollkommen erklären lässt.
Wenn gewöhnliche Schuppen sich überdeeken, so wird man bemerken, dass jedesmal der untere Seitenrand einer höher, das heisst dem Rücken näher liegenden Schuppe a (Fig. 7-14) den oberen Seitenrand der unter ihr nachfolgenden db bedeckt. Es ist dieses ein unveränderliches Gesetz , wenn die Längenaxe der Schuppen eine wagrechte Riehtung einnimmt, und eben so auch, wenn man diese Axe, sie mag von der Schuppenbasis aus nach aufwärts oder abwärts gerichtet sein, sich als eine hori- zontale, nach rückwärts gewendete denkt. In den einzigen Gattungen Anguilla und Ophidium findet eine bekannte, aber merkwürdige Ausnahme dadureh Statt, dass ihre nach auf- und abwärts sich kreuzenden Schuppenreihen nieht selten auch kreuzend sich überdecken. Fig. 11.
Ein zweites unveränderliches Gesetz betrifft die wirkliehe Richtung der Schuppenaxe ß bei natürlicher Stellung des Fisches. Diese Axe ist ohne Ausnahme von der Schuppenbasis aus nach rückwärts gerichtet, sie mag sich dabei auf- oder abwärts wenden, niemals gelangt sie bis zu einer senkrechten Linie, und noch weniger nimmt sie eine gegen den Kopf zu gerichtete Lage an. Selbst bei der wegen ihrer vermeinten Fischnatur berüchtigten Lepidosiren, beruht die Angabe vorwärts gewendeter Schuppen auf blosser Täuschung.
Innerhalb dieser beiden Grundgesetze der Überdeckung und Richtung der Schuppen, herrscht in der weiteren Anordnung derselben noch eine bedeutende Verschiedenheit, die theils aus der Stellung, welehe die Schuppen bei Bildung von Reihen einnehmen , theils aus der Wendung dieser Schuppenreihen selbst hervorgeht.
Unter Schuppenreihen verstehe ich hier nicht jene gewöhnlichen Horizontalreihen, deren Anzahl bei Charakterisirung regelmässig beschuppter Arten berücksichtigt wird, sondern die, dureh die Überdeekung des oberen Seitenrandes der Schuppen von dem unteren Seitenrande höher liegender , mehr oder weniger abwärts entstehende wirkliche Reihenfolge der Schuppen.
Erstere, die Stellung der Schuppen in den Reihen , zeigt sich entweder als eine rechtwinkelige oder als eine stufenweise, Reehtwinkelig ist die Stellung, wenn, wie bei Fig. 12, 13, 14 die Längen- axen der Schuppen im rechten Winkel auf die durch die Schuppenreihe entstehende gerade Linie fällt, und stufenweise, wenn dieselben Axen einen spitzen Winkel gegen die Linie der Schuppenreihe bilden, Fig. 7—10. An jetzt lebenden Fischen nehmen beide Arten von Schuppenreihen, sowohl die rechtwinke- lige stets nur wenig sich überdeekende, als die stufenweise, eine nach rückwärts schief abfallende Riehtung an; nur an fossilen Ganoiden kann die erstere Art auch eine senkrechte Richtung einnehmen, Fig. 12. Niemals aber senkt sich eine dieser beiden Arten von Schuppenreihen in der entgegengesetzten Rich- tung von oben schief nach vorwärts.
Es würde hier zu weit von dem Ziele führen, die rechtwinkelige Reihenfolge der Schuppen, wozu jene unseres Gymnarchus nicht gehört , sowohl an Fischen der Vor- als Jetztwelt weiter zu verfolgen, ich will daher nur bemerken, dass diese Beschuppungsweise selbst dann, wenn sie ohne die den Ganoiden eigene Nagelverbindung,, wie an Trachinus (Fig. 13) oder an den getrennten Rei- hen des Uranoseopus (Fig. 14) auftritt, dennoch von der gewöhnlichen stufenweisen Reihenfolge weit verschieden ist. en sieh die hinter einander folgenden Schuppen
Bei den stufenweisen Schuppenreihen überdeck in verschiedener Art, welche jedesmal aus der Drehung der einzelnen Reihen um einen bestimmten
16 J. Heckel. Beschreibung des Gymnarchus nilotieus Cuv.
Wendepunkt, nach dem Gesetze der Verschiebung hervorgeht. Wenden sich aber die Schuppen in Masse, so bleibt die Überdeekung der auf einander folgenden Reihen unverändert.
Nehmen wir die unter Fig. 7 dargestellte regelmässige Überdeckungsweise, wie selbe bei den aller- meisten Fischen vorkommt, als die normale an, so zeiget es sich, dass jedesmal die Axen der Schup- pen a, e, 9, h eine ununterbrochene wagrechte Linie bilden; ferner, dass nebst der tiefer liegenden Sehuppe b, auch die Schuppen d und e der nachfolgenden Reihe, von der Schuppe a überdeekt werden. Wenden sich nun alle Schuppen einer normalen Überdeekungsweise in Masse nach aufwärts, wie es Fig. 8, zum Beispiel bei Aspro- und Chaetodon-Arten über der Seitenlinie der Fall ist, oder auch nach abwärts, so wird zwar die Richtung der Schuppenaxen eine andere sein, allein, da sich die Schuppenreihen bei dieser Wendung in Masse nicht verschoben haben, so bleiben auch die Längenaxen der Schuppen a, e, g, h in einer ununterbrochenen geraden Linie. Bemerkt man dagegen, dass die Schuppenaxen eine stufen- weise abgesetzte Linie darstellen, so rührt dies immer von einer Verschiebung der Schuppenreihen durch ihre einzelne Wendung her. Denn setzen wir bei einer normalen Schuppenlage (Fig. 7) die Dreh- punkte der einzelnen Schuppenreihen, zum Beispiel, in die Mitte der Schuppenbasis nach 2, i, i und bewegen diese Reihen, wie eben so viele Radien, mit ihrem unteren Ende gleichzeitig nach aufwärts in der Riehtung A, %, k so werden dadurch in allmähliehen Übergängen beinahe alle Verschiedenheiten entstehen, welche sich an den Fischen selbst, bei stufenweiser Schuppenbedeckung wahrnehmen lassen.
Fig. 9 zeigt den Anfang einer solchen Verschiebung, welche bei den Schuppenreihen der Triglen vor- kommt, hier berührt die Axe der Sehuppe a, anstatt wie vorhin bei normaler Schuppenlage (Fig. 7) sich in die Axe der Schuppe e geradlinig fortzusetzen, den unteren Rand der Schuppe d und stellt mit den nachfolgenden Axen der Schuppen e, 9; h unterbrochene Linien dar. Erreichen endlich diese Rei- hen eine wagrechte Richtung (Fig. 10) so erhalten zugleich die Schuppenaxen eine mehr senkrechte Stellung; die Axen von a, e, g, h sind noch mehr unterbrochen, denn nun wird die Schuppe e nicht mehr von 4, sondern von c überdeckt, der eigentlich hintere freie Rand der Schuppen bildet hier den oberen Rand; der untere Seitenrand wird mehr entblösst als der obere Seitenrand, und tritt an die Stelle des Hinterrandes.
Die so bis zur wagrechten Linie gesteigerte Wendung gewöhnlicher stufenweiser Schuppenreihen gibt uns nun ein getreues Bild der eigenthümlichen Schuppenlagerung des Gymnarchus, die um so auffallender erscheinen muss, da in der lebenden Natur, ausser einigen schwachen dahin zielenden Übergängen, bedeutendere noch unbekannt sind.
Die Schuppen des Gymnarchus nüloticus bilden also wenn man sie ihrer Längenaxe nach verfolgt, beinahe senkrechte, ein wenig nach hinten zu aufsteigende Reihen, und da sie sich in einer Weise über- decken, wodurch ihr freier Hinterrand parallele wagreehte Linien darstellt, so entstehen zugleich auch eben so viele wagrechte Reihen als einzelne Schuppen in den aufwärts steigenden eigentlichen Schup- penreihen enthalten sind. Diese wagrechten Reihen sind von den gewöhnlichen ganz verschieden, und erscheinen um so auffallender, da die hier rückwärts gewendeten unteren Schuppenränder bis auf ihre halbe Länge unbedeckt bleiben. Jede einzelne Schuppe ist also aufwärts gerichtet (Fig. 15), mit ihrer Basis dem Bauche und mit dem gegenüber befindlichen freien Rande dem Rücken zugewendet. Die Schuppe 5b überdeckt die Basishälfte ihrer nachfolgenden Schuppe d und nur einen kleinen Theil der Sehuppe e'), wäh-
rend ihr unterer Seitenrand, wie immer den oberen Seitenrand der Schuppe e bedeckt, hier aber, bei seiner
1) Die Bezeichnung der Schuppen ist durchgehends dieselbe und lässt sie in jeder, durch Verschiebung der Reihen, veränderten Stellung leicht wieder erkennen.
nach zwei aus dem weissen Nie vorliegenden Exemplaren. 17
nahezu senkrechten Richtung und bei der in wagrechter Linie nachfolgenden Schuppe c, den auf- wärtsstehenden freien Hinterrand vertritt.
Die Seitenlinie, nicht aber die Schuppe, worauf sie liegt, verläuft wie gewöhnlich, wagrecht. Sie befindet sich anfangs etwas mehr in der oberen Körperhälfte, senkt sich aber noch vor dem After in die untere hinab, und da die untere Seite des Schwanzes nach rückwärts allmählich mehr aufwärts steigt, so erreicht die Seitenlinie unter dem Ende der Rückenflosse, wo sie erlöschend, nur mit Mühe noch kennbar wird, das untere Drittheil der Körperhöhe. Sie besteht vom Schultergürtel an bis dahin aus 220, Röhrchen tragenden Schuppen. Die grössten Schuppen liegen an den Seiten des Rumpfes, und zwar in Mehrzahl über der Seitenlinie; in der Gegend, wo der Rumpf am höchsten ist, erreichen sie eine sehr auffallende Ausdehnung.
Gegen die Rückenfirste hinauf werden die Schuppen nach und nach so klein, dass sie kaum mehr zählbar sind; an dem Bauchkiele ist dies weniger der Fall, nur unter der Brust und gegen das Schwanz-Ende nähern sie sich an Kleinheit den Rückenschuppen wieder. Die Anzahl der sowohl über als unter der Seitenlinie befindlichen horizontalen Schuppenreihen, welche nach der verschiedenen Höhe des Rumpfes sehr abwei-
chend ist, ergibt sich wie folgt: 2, 35 24 30 26 0 ou ee 10. 30. 50. 70. 90. 110. 130. 150. 170. 19. 35... 88.. BE 22 32. 38 34 u 8. 6.
Die jedesmal in der Mitte stehende Zahl zeigt die Stelle des Rumpfes, durch die vom Schultergürtel aus gezählten Schuppen der Seitenlinie ; die darüber befindliche gibt die Anzahl der wagrechten Schuppen- reihen über, und die darunter stehende jene unter der Seitenlinie an. Man ersieht also, dass im ersten Drittheile des Rumpfes, welches die Seitenlinie etwas über seiner halben Höhe durchzieht, auch die grössere Anzahl horizontaler Schuppenreihen unter dieser Linie liegen. Mit der 70°" Schuppe der Seitenlinie stellt Sich die Anzahl der wagrechten Schuppenreihen über und unter derselben gleich, nämlich auf 32. Von da aus aber vermindert sich jene der unteren Schuppenreihen allmählich, so weit bis sie unter der 190°“ Sehuppe nur mehr ein Drittheil der darüber liegenden ausmacht. Noch weiter gegen die Schwanzspitze zu lassen sich die wagrechten Reihen nicht deutlich genug unterscheiden.
Die Gestalt der grösseren Schuppen aus den Seiten des Rumpfes (Fig. 19) gleicht einer gedehnten Ellipse, je näher sie aber dem Rücken liegen und dabei an Grösse abnehmen , je mehr geht ihr elliptischer Umriss in einen keilförmigen über, indem die Basis, mit welcher sie ansitzen , allmählich sich verschmälert, bis sie nur noch eine Spitze bildet, Fig. 20. Der, der Basis entgegenstehende, hintere Schuppenrand ist überall abgerundet, nur an den obigen der Seitenlinie näher liegenden grösseren Schuppen bricht sich liese Rundung mitten in einem kaum bemerkbaren stumpfen Winkel, so dass man den Umriss einiger dieser Schuppen mit einem an seinen Eeken abgerundeten länglichen Sechsecke vergleichen könnte. Ein eigent- licher Strahlenpunkt ist hier nieht vorhanden, und noch weniger fächerförmige Radien, wie auf den Flä- chen gewöhnlicher Schuppen. An die Stelle des ersteren tritt der etwas erhöhte Theilungspunkt eines die Schuppe durchziehenden Rückens. Es erhebt sich nämlich die Oberfläche jeder Schuppe längs ihrer Mitte, und bildet ein nach beiden Seitenrändern hin, sehr sanft abfallendes Dach, dessen Rücken von der Schup- Penbasis aus unmerklich bis zum letzten Fünftheile ansteigt, von wo aus der hintere Theil der Schuppe sich rückwärts gegen ihren Rand zu kurz abflacht, hierauf entstehen nach hinten durch die Vereinigung der drei schiefen Schuppenflächen, zwei seitwärts divergirende kurze Kanten, die, auf dem Höhenpunkte des Mittelrüekens zusammenstossend , gleichsam einen dreitheiligen Rücken bilden. Die fächerförmigen Radien werden wie an den Schuppen von Mormyrus-Arten, durch eine netzförmige, von feinen concentrischen Ringen 3
Denkschriften d. mathem.-naturw. Cl. VL. Bd.
18 J. Heckel. Beschreibung des Gymnarchus nilotieus Cuv.
durchzogene Textur ersetzt, die aus vielen länglichen schmalen, beinahe sechseckigen Maschen besteht und die ganze Oberfläche der Schuppe, besonders an ihrem seitwärts und gegen die Basis abgedachten Theile, einnimmt. Fig. 22 stellt eine vergrösserte Schuppe von Mormyrus anguilloides dar. Eine netzför- mige Textur findet sich, wie bekannt auch an Schuppen weiter entfernt stehender Arten, wie von Osteoglossum, Coilia ete.; allein diese sind stets an ihrer Oberfläche mehr oder weniger gekörnt. Die Schup- pen näher verwandter Fische, wie Carapus, Fig. 23, Siernarchus, Fig. 2%, sind dagegen von den gegen- wärtigen netzartigen sehr weit verschieden.
Ganz ausgezeichnet und von der Gestalt der übrigen Körperschuppen abweichend sind die Schuppen aus der Seitenlinie. Noch unberührt an ihrer Stelle, unter der dieken Oberhaut haftend , bemerkt man von den eigentlichen Schuppen der Seitenlinie, ausser den Röhrchen gar niehts. Diese scheinen auf dem oberen Rande einer Schuppenreihe zu sitzen, welche in der That die untere Hälfte der wirklichen Seiten- linienschuppen bis zu den Röhrehen bedeckt und sich nur dicht an die Reihe der Röhrchen anfügt, während die obere Hälfte der Seitenlinienschuppen, vermöge ihrer durchsichtigen Struetup, dem Auge ganz entgeht.
Erst nach Entfernung der dieken Oberhaut werden die eigentlichen röhrchentragenden Schuppen sichtbar
und eine ganz abnorme Lage dieser Röhrchen auf denselben tritt hervor.
Der allgemeine Umriss der Röhrehenschuppen beschreibt eine stumpfe Ellipse. Ihre der Basis zugewendete Seite ist einfach abgerundet, allein die entgegengesetzte über dem Röhrchen liegende unbedeekte Fläche der Schuppe ist in lange, flache, aufwärts und rückwärts gekrümmte Zähne aufgelöst. Diese Zähne sind durchsichtig und liegen auf einer sehr dünnen glashellen Schichte , die nicht ganz bis zu ihren Spitzen reicht, gleichsam als wären seitwärts gekrümmte Zähne eines Kammes mittels einer zar- ten Membrane verbunden, Fig. 16—18. Zuweilen ist auch ein Theil der unter dem Röhrchen liegen- den bedeekten Schuppenfläche nach rückwärts ebenfalls kammartig zerschlissen, Fig. 17, doch fehlt hier die zarte membranähnliche Verbindung zwischen den sämmtlich abwärts gerichteten langen Zähnen. Der übrige jedenfalls aber bedeckte Theil der Sehuppenfläche enthält, wie an den früheren gewöhnlichen Schuppen, eine netzförmige Textur, deren Maschen weniger in die Länge gezogen sind, wie an jenen.
Die Schleimröhrchen liegen nicht, wie bei allen Fischen, die eine Seitenlinie haben, mit der Längen- axe der Schuppen parallel, sondern sie durchkreuzen sie, da letztere schief aufwärts gerichtet ist, in einem etwas spitzen Winkel. Die Gestalt jedes einzelnen Schleimröhrehens gleicht einer liegenden, nach rückwärts verdiekten etwas eonvex gebogenen Keule, aus deren Ende ein kurzer Ast aufwärts entspringt. Die ganze Kette der abwärts winkelig zusammenstossenden kleinen Bögen der Schleimröhrehen verleiht der Seitenlinie ein einigermassen sägeartiges Aussehen.
Die Farbe des Gymnarchus niloticus ist an unserem in Weingeist eonservirten Exemplare eintönig. blassbraun, nach Rifaud’s Abbildung wäre der Fisch im Leben über der Seitenlinie braun, mit röthlichem Violet überflogen , unter derselben nebst der unteren Hälfte des Kopfes und den Brustflossen röthlichgelb, Oberkopf und Rückenflosse aber schön grün.
Die Länge des von Dr. Reitz im weissen Nil bei Chartum erbeuteten und im Juli 1852 hier ange- langten Thieres beträgt 32 Wiener Zoll, und jene des bereits früher durch Herrn Kotse hy von eben daher erhaltenen ausgestopften Exemplares 39 Wiener Zoll.
Gymnarchus niloticus Cuv. wurde in den natürliehen Systemen bisher den Anguiloiden beigezählt, wohin er, die fehlenden Bauchflossen abgerechnet, nach meiner Ansicht nieht gehört. Die Ähnlichkeit seiner äusserliehen Gestalt und nach Prof. Erdl’s Untersuchungen, auch seines Knochengerüstes mit Mormyrus-Arten, besonders aber seines Kopfes, weleher jenem des Mormyrus anguilloides täuschend ähnlich sieht, ist so gross, dass die nahe Beziehung, in welcher beide Nilfisch-Gattungen zu einander stehen,
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nach zwei aus dem weissen Nie vorliegenden Exemplaren. 19
unverkennbar wird. Das Vorhandensein oder Fehlen von Bauehflossen ist bereits bei Aufstellung mehrerer anderer Familien, wie der Scombriden, Siluriden, Paeciliden für keinen so wesentlichen Grund anerkannt worden, um bloss darauf hin, sich übrigens ähnliche Fische so weit von einander abzusondern, und es bedarf sicherlich auch hier dieser Berücksichtigung nicht, um zwei, ihrem ganzen Habitus nach sonst so sehr sich gleiehende Gattungen unter ein und dieselbe Familie zu vereinigen. Ich betrachte daher den Gymnarchus und die Mormyri als nur zu einer Familie gehörig, und glaube nicht zu irren, wenn ich die amerikanischen Gattungen Carapus und Sternarchus ebenfalls noch dazu zähle, wodurch in der Familie der Muraeniden,
gleich jener der Siluriden, entweder ganz nackte, oder in eigener sehr unvollständiger Weise beschuppte
Arten verblieben.
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20
Fig.
12. 13.
16. 17, 20. 21. 22. 23. 24.
25.
J. Heckel. Beschreibung des Gymnarchus nilotieus Cuv. ete.
Erklärung der Tafeln.
Tafel I.
P}
Gymnarchus nilotieus Cuv., ?/, natürlicher Grösse.
. Dessen Rumpfdurehsehnitt an der höchsten Stelle.
Schwanzdurchsehnitt hinter der Rückenflosse. Der Kopf von oben in natürlicher Grösse.
. Derselbe von unten. - Kopf von der Seite mit halb geöffnetem Munde.
Zähne, vergrössert.
Tafel TI.
. Stufenweise Schuppenlage, in gewöhnlicher Richtung nach rückwärts; die Schuppenaxen ßß bilden eine ununterbro-
chene wagrechte Linie. (Wie an Cyprinus.)
. Stufenweise Schuppenlage, in Masse schief aufwärts gewendet; die Schuppenaxen P ß bilden eine ununterbrochene
schiefe Linie. (Wie an Aspro.)
Stufenweise Schuppenlage. Die Schuppenreihen schwenken sich einzeln nach aufwärts, wodurch die Schuppenaxen BP eine unterbrochene schiefe Linie darstellen. (Wie an Triglen.)
Stufenweise Schuppenlage, die Schuppenreihen schwenken sieh einzeln bis zu einer wagreehten Richtung nach auf. wärts; die Schuppenaxen bilden eine stark unterbrochene, beinahe senkrechte Linie.
Kreuzende Schuppenlage. (Wie an Anguilla, Ophidium.)
Geradlinige Schuppenlage mit senkreehter Basis der Reihen. (Wie an Tetragonolapis.)
Geradlinige Schuppenlage mit schief gestellter Basis der Reihen. (Wie an Trachinus.)
. Geradlinige Schuppenlage mit schief gestellten getrennten Reihen. (Wie an Uranoscopus.)
Umriss einer vergrösserten Schuppenpartie mit einem Theile der Seitenlinie des Gymnarehus nilotieus. 18, 19. Einzelne Schuppen derselben Seitenlinie, vergrössert,
Eine gewöhnliche über der Seitenlinie befindliche Schuppe, vergrössert, . Einzelne Schuppe aus der Nähe des Rückens, vergrössert, UUERIRP TORE HÄR, Ein Stückehen der die Schuppen deckenden Epidermis, vergrössert,
Schuppe von Mormyrus anguiloides, vergrössert.
Schuppe von Carapus brachiurus, vergrössert.
Schuppe von Sternarchus albifrons, vergrössert.
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21
BEITRÄGE ZUR VERGLEICHENDEN ANGIOLOGIE.
(FORTSETZUNG.)
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DAS ARTERIELLE GEFÄSS-SYSTEM DER EDENTATEN.
VON PROF. Dr. JOSEPIH HYRTL,
WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. (MIT VII TAFELN.)
(GELESEN IN DER SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM IL. JULI MDECCELI.)
Vorerinnerung.
Un genauere Anhaltspunkte zur Beurtheilung der physiologischen Bedeutung der Wundernetze zu geben, habe ich es unternommen, die arteriellen Gefässverhältnisse bei jener Säugethierordnung einer genaueren anatomischen Untersuchung zu unterziehen, bei welcher die Ausbildung dieser Netze einen sehr bedeutenden Entwickelungsgrad erreicht. Diese Ordnung ist jene der Edentaten. Ich habe alle Gattungen dieser Ordnung, mit Ausnahme des Chlamydophorus, zur Disposition gehabt, und nach glücklich gelungenen Injeetionen ihrer Gefäss-Systeme, die anatomische Bearbei- tung derselben mit möglichster Genauigkeit vorgenommen, um eine Regel aufzufinden, an welche die Existenz der Wundernetze gebunden ist. Eine im vorigen Jahre der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften vorgelegte Arbeit über das Gefäss-System der Monotremen, kann als eine Ergän- zung der vorliegenden Abhandlung betrachtet werden. Die bekannte Lebensweise der in beiden untersuchten Thiere, zusammengehalten mit der Form der Gefässramifieationen, führt zur Aufstel- lung der Regel, dass strahlig diffuse Wundernetze bei solchen Thieren und an solchen Körperthei- len derselben vorkommen, welche eine anhaltende und zugleich lebhafte Muskelbewegung auszufüh- Ss pflegen. Die aus den strahligen Gefässwedeln herausfahrenden Schlagadern sind immer und einzig nur für Muskeln bestimmt. Die Eingeweide-Arterien zeigen niemals eine vom Gewöhnlichen abweichende Anordnung. Thiere dagegen, welche eine träge, langsam wechselnde, oder lange Zeit dieselbe Form beibehaltende Bewegung zeigen, bieten in den Hauptschlagadern ihrer muskulösen
Körpertheile die massigen Netzgeflechte dar, welche als eine dieke Scheide den Gefässhauptstamm
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22 J. Hyrtl.
umschliessen. Ist eine Schlagader bestimmt, muskulöse Organe und andere häutige oder drüsige Werkzeuge zu versorgen, so wird ihr Muskelast die eine oder andere Form der Netzbildung , der Eingeweideast dagegen schlichte Ramifieationsverhältnisse darbieten.
Die Beckenschlagadern aller Edentaten befinden sich in diesem Falle, deren ischiadische und obturatorische Äste niemals einfach, deren Scham-, Scheiden-, Gebärmutter-, Harnblasen- und Mast- darmäste niemals zu Netzen zerfallen sind. Da eine angestrengte, rasch wechselnde Muskelbewegung, wenn sie längere Zeit fortdauert, eine entsprechende Steigerung des Athmens nothwendig herbei- führt, und ohne sie nicht bestehen kann, so wird sich die strahlige Form auch auf jene Schlagadern erstreeken müssen, welche die respiratorischen Muskeln versorgen. Die Gürtelthiere bilden den Beleg dafür, indem die Muskeln der Bauchpresse eine weitverzweigte strahlige Ramification der Arteria epigastrica aufweisen.
Bekanntlich sind ja die Armadille unverdrossene und hurtige Erdwühler, während die Faul- thiere, welehe durch Energie, aber langsamen Wechsel ihrer Bewegungen sich auszeichnen, keine andere Form als die massigen Plexus, sowohl an den Hauptschlagadern ihrer Gliedmassen, als an den untergeordneten Zweigen derselben darbieten können. Die Arm- und Fuss-Arterien dieser scheinbar so verwahrlosten und stiefmütterlieh behandelten Thiere geben durch die genaue Abgren- zung ihrer Muskelzweige, von den Ernährungsgefässen der Knochen, der Hautbedeckungen, und der
fibrösen Gebilde, den besten Beweis dafür. Letztere sind durchaus Aste der einfach bleibenden
Cruralis oder Brachialis, erstere durehgehends Erzeugnisse des betreffenden Plexus. Ebenso klar
ist diese Regel bei den Ameisenbären ausgesprochen. Während ihre gewandten Grab- und Scharr- füsse mit strahligen Gefässwedeln ausgestattet sind, besitzt ihr langer und muskelstarker Schweit, mit welehem sie sich lange Zeit an den Ästen der Bäume aufhängen, um auf Termiten Jagd zu machen, einen mächtigen Plexus, der besonders an seinem Beckentheile, wo die Masse des Coceygeus am dieksten ist, ganz an die Geflechte der Faulthierarme erinnert, und ebenso, wie diese den Stamm der Arteria brachialis, so den Stamm der Aorten-Fortsetzung umgürtet. Das Schnabelthier und die Echidna, von denen das erste ein gewandter Schwimmer, das zweite ein geschickter Graber ist, werden, dureh die Form ihrer Gefässverästlung an den Gliedmassen, den Gürtelthieren sich nähern, während das Schuppenthier in dieser Hinsicht sich den Ameisenbären beigesellt. — Die Netzge- flechte haben offenbar die Bestimmung, als Sicherheitsröhren zu functioniren, um die wegen Compres- sion von den Muskeln her unter einem hohen Druck strömende Blutsäule der Hauptstämme, durch zahl- reiche Nebenwege abzuleiten, und den aufgestauten Massen gleichförmigere Vertheilung durch reichlich geöffnete Abzugswege zu sichern. Die strahligen Wedel dagegen werden den Eintritt des Blutes in die Muskeln, die Zufuhr desselben erleichtern, indem die ganz geradelinige Richtung ihrer einzelnen Stämmehen, und die oft gänzlich fehlenden, niemals zahlreich werdenden Anastomosen derselben unter einander, ein unaufgehaltenes, durch keine Krümmungen absorbirtes Vordringen der Blutwellen erlaubt. Nur ist zu bemerken, dass durch die aus der vielfältigen Spaltung des Gefässes folgende Vergrösserung der Flächen, und durch die Vermehrung der Reibung des Blutes, Bewegungshinder-
nisse gegeben werden, welche jedoch gegen den mechanischen Vortheil dieser Einrichtung in den
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Beiträge zur vergleichenden Angiologie. =
Hintergrund treten. Einen weiteren Beleg für diese meine Ansicht liefern die durch Carlisle, Vrolik und Burmeister untersuchten Gefässverhältnisse der Halbaffen, deren als Netzgeflechte baschrieheuen-. Wundernötze der Extremitäten, mit den trägen und langsamen Bewegungen dieser Thiere nach dem eben Gesagten in den besten Zusammenhang zu bringen sind.
Bei Stenops gracilis erreichen, wie ich an einem wohlinjieirten Exemplare vor mir sehe, die Wundernetze einen viel höheren Entwiekelungsgrad, als die Vrolik’sche Abbildung darstellt. Die Plexus brachiales und femorales bestehen aus nahe 50 feinen Stämmehen, und die Arteriae lum- bales, sacrales, selbst die für die Rückenmuskeln bestimmten Zweige der Arteriae intercostales, bilden Geflechte.
Ich habe nur den Lemur fuscus und den Tarsius speetrum in meiner Sammlung auf das Vor- kommen von Arm- und Schenkelplexus untersucht, und meine Ansicht bestätigt gefunden. Es wäre jeicht, dieselbe auch durch die enrotischen Gelschte der Widerköuer And Dräliäuter zu erhärten, wenn man bedenkt wie gross der Druck, unter welehem das Blut zum Gehirn strömt, bei Thieren werden muss, welche mit ihren Rüsseln Bäume zu entwurzeln, und durch Gehörn oder Geweih L Mlissten. mechanischen Shnlonaiee zu bewältigen vermögen. Nur ein Faetum passt nicht zu dieser Lehre. Es ist das vor wenig Tagen von mir aufgefundene Vorkommen von strahligen Wun- ander Carotis der Rochen, über deren Lebensverhältnisse jedoch zu meinem Troste za wenig bekannt ist, um in dem Vorkommen eines earotischen Wedels einen unüberwindlichen Ein- wurf gegen meine Auffassungsweise zu erblieken. Das earotische Wundernetz der Rochen wurde von mir bei Raja clavata, R. batis, R. miraletus, Rhinobatis Horkelii und Squatina angelus auf- Sefunden. Es liegt in der Schädelhöhle zu beiden Seiten des Gehirnstammes, und bildet eine ansehn- liche Quaste von Ästen, welche, ohne wechselweise zu anastomosiren, divergirend zur unteren, und zu den seitlichen Flächen der einzelnen Gehirnabtheilungen verlaufen.
Ich muss bekennen, dass die eben aufgestellte Theorie auch noch eine andere angreifbare, schwache Seite hat. Diese liegt in dem nur auf so wenig Thiergattungen beschränkten Vorkommen der Gefässgeflechte, während doch energische Muskelwirkungen durch die Lebensweise so vieler anderer Thiere , die der Geflechte entbehren, gleichfalls bedungen werden.
So kommt an den Schaufelpfoten des Maulwurfs kein Wundernetz vor. Eben so wenig bei Spalaz (yphlus, Arctomys mormotta, und anderen einheimischen, grabenden oder kletternden Thie- ren. Eine Annäherung zu strahligen Wedeln finde ich in den Arm-Arterien der Chiropteren, indem die hohe Theilung der Arteria brachialis mit einer wiederholten Bifureation ihrer Äste sich combinirt. Man kann N diese, allerdings sehr auffallende Form der Verästlung , nicht in die Kategorie der strahligen Wundernetze einreihen, da der langgestreckte und astlose Verlauf der Armschlagader- Zweige, nur durch die bedeutende Verlängerung der einzelnen Bestandtheile der Extremität und durch die geringe Menge von Weichtheilen (namentlich Muskeln) bedingt zu sein scheint.
Wenn dieses wirklich zugestanden werden muss, so ist doch gegentheilig nicht zu verkennen,
D . . 1 n "% thier "KOI dass Bewegungen von solcher Ausdauer und Kraft, wie sie namentlich bei den Faulthieren vorkom-
men, bei keiner anderen Säugethier-Familie zu beobachten sind.
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2A J. Hyrtl.
Wenn nun auch diese physiologische Deutung möglicherweise irrig sein sollte, so wird doch die genaue anatomische Darstellung der betreffenden Gefässgebilde immer ihren Werth haben, sei es auch nur um bessere Theorien darauf zu basiren als die von mir gegebene, oder überhaupt um eine so lange offen gebliebene Lücke in der vergleichenden Anatomie nunmehr ausgefüllt zu sehen. Ich bedenke mich desshalb nicht, diesen Aufsatz hiemit der kaiserlichen Akademie zur Aufnahme in ihre Verhandlungen vorzulegen.
Der Aufwand der beigegebenen acht Tafeln war nicht zu umgehen, um der Darstellung Klar- heit und Verständlichkeit zu sichern. Es wurde nur das Nothwendigste oder Auffallendste bildlich gegeben, und will die kaiserliche Akademie von ihnen Einsicht nehmen, so wird sie sich überzeugen,
dass sie von einer Meisterhand gearbeitet wurden. Ich schliesse mit der Bitte, auch den Stich der-
selben in gleicher Art — vielleicht von derselben Hand — ausführen zu lassen.
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Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 2
I. MANIS MACRURA.
Über das Gefäss-System von Manis macrura sind keine Untersuchungen bekannt. Nur die Ursprungs- weise der aus dem Aortenbogen stammenden zwei Arterien ist von Stannius angegeben. — In der zwei- ten Auflage von W. v. Ra p p’s anatomischen Untersuchungen über die Edentaten, pag. 72, wird bei Manis iridentata eines Wundernetzes erwähnt, welches in den dureh die unteren Dornfortsätze der Caudalwirbel gebildeten Canal eingeschlossen ist, und der Arteria caudalis angehört, durch deren Seitenäste es gebildet wird. — Die Wundernetze der Extremitäten kannte Rapp nicht, da er an demselben Orte sagt: „Ich fand weder an der Arm-Arterie, noch an der Schenkel-Arterie ein solches Netz.” Auch nach Vrolik fehlen die Wundernetze bei Manis.
Aortenbogen. .
Der kurze, stark gekrümmte Aortenbogen (Taf. I, lit. «) erzeugt für den Kopf und die vorderen Extremitäten nur zwei Gefäss-Stämme : Die Innominata (Taf. I, lit. d) und Subelavia sinistra (Taf. I, lit. ec). Erstere entspringt aus dem Bogen, erst nachdem dieser schon über die Luftröhre weggegangen, und liegt Somit an dem linken Rande derselben. Letztere entsteht aus dem absteigenden Stücke des Aortenbogens.
Die Innominata gibt, wie bei einigen Fleischfressern und Nagern '), zuerst die Carotis communis sini- sira ab, lit. d, geht dann noch eine Strecke weiter nach rechts, und zerfällt hierauf in die Carotis communis. lit. e, und Subelavia dextra, lit. f. (Vor dem Abgange der Carotis communis sinistra erzeugt sie noch eine schr feine Arteria thymica, und dicht an der Wurzel der Carotis communis sinistra einen eben so feinen Ramus trachealis, der sich in die Arteria bronchialis dextra fortsetzt.)
Die Carotis communis schiekt, während ihres Laufes zur Theilungsstelle hin, zwei grössere und zwei kleinere Äste nach einwärts zur Zungenscheide, den auf dieser liegenden Muskeln, zur Luft- und Speise- Töhre, und zum Kehlkopf, und theilt sich noch unterhalb des Schildknorpels in die Carotis externa und
®nterna, welche, wie beim Menschen — die innere nach aussen, die äussere nach innen — gelagert sind.
Carotis externa , lit. h.
Die Carotis externa bietet nachstehende Astfolge dar: I. Zwei kleine, nach einwärts zum Kehlkopf und dessen Muskeln gehende Zweige.
?) Nach Cuvier beim Magot, Königstiger, Dachs , Meerschwein und Murmelthier. Cuvier (Legons d’analomie comparde, tom. VI, P. 110) unterscheidet zwei Typen in der Verästlung der auch die Carotis sinistra erzeugenden Innominata, Bei dem ersten zerfällt die Innominata in zwei Zweige, deren erster kleinerer die Carotis sinistra, deren zweiter grösserer ein Truneus communis für die Caro- Üs und Subelavia dewtra ist. Zu diesem Typus gehören die obgenannten Thiere. Bei dem zweiten zerfällt die Innominata in einen sehr kurzen Trumeus eommunis für beide Carotiden, und in die Subelavia dewtra. Hieher gehören der Bär, der Löwe, der Hund, die Katze,
die Fischotter etc,
Denkschriften der mathem.,-naturw. Cl. VI. Bd. 4
26 J. Hyril.
2. Die ungemein stark entwickelte Arteria lingualis , lit. öi. Dieselbe entsendet zwei feine und lange Äste zum Boden der Mundhöhle und zur Zungenscheide , lit. kA, krümmt sich, an der Seite der letzteren angelangt, nach rückwärts um, und verlauft dicht an ihr in den Thorax zurück, an dessen vorderer Apertur sie sich in zwei Zweige theilt. Der stärkere davon durehbohrt die Zungen- scheide, gelangt an die Zurückzieher der Zunge, die den eigentlichen walzenförmigen Körper der Zunge bilden. An diesem beugt er wieder nach vorne um, und verlauft geradelinig, und, mit dem gleichen Aste der anderen Seite parallel, durch die ganze Länge der pfriemenförmigen Zunge bis zu deren Spitze hin. Der schwächere (aber immer noch ansehnlich dieke) lagert sich in die Medianlinie der unteren Fläche des Zungenkörpers, und folgt diesem durch die ganze Länge des Sternum, um in den merkwürdigen, einer Schnellfeder zu vergleichenden Apparat überzugehen, der durch die beiden Hörner des Schwertknorpels, und die dazwischen eingeschlossenen Zurückzieher der Zunge gebildet wird, und sich an der unteren Bauehwand bis zum Becken, und von da an umgebogen bis zum Zwerchfell erstreekt. Da dieser schwächere Ast der Arteria lingualis dextra in der Mittellinie des eben erwähnten Apparates verlauft, und beide Seiten desselben mit Blut versieht, so wird die Arteria lin- qualis sinistra, welche gleichfalls an der Scheide der Zunge nach hinten bis in die vordere Brustapertur verlauft, dureh einfache Umbiegung ohne Spaltung, bloss den vorderen, vorstreckbaren Theil der Zunge ernähren helfen.
3. Drei kleine, lange, ungespaltene Zweigehen für die @landula submazilaris, lit I.
4. Die Arteria oceipito-temporalis, lit. m. Sie geht hinter dem Pauckenknochen zum Schädel hinauf, und theilt sich hinter dem äusseren Gehörgange in einen Aamus oceipitalis für Hinterhaupt- und Nacken- Muskeln, und in einen Ramus temporalis „ weleher, obwohl hinter dem Ohre aufsteigend, dennoch diesen Namen anspricht, indem er seine Zweige an der Seitenwand des Schädels bis zur Stirn hin ausstreut. Büschelförmige Anordnung der, obgleich nieht zahlreichen Zweige, eben so ihr langer und ungespaltener Verlauf, deuten auf den ersten Schritt zur Anbringung eines strahligen Wundernetzes am Ramus temporalis hin.
Nach Abgabe einiger unbedeutender, geradeliniger und unverästelter Gefässe für die Parotis, den Biventer,, und die tiefen Halsmuskeln des Kopfes, zerfällt die Carotis externa hinter dem Kiefergelenk in die Arteria mazxilaris externa und interna.
Die Maxillaris externa, lit. n, sendet einen langen und dünnen Zweig zum Boden der Mundhöhle, feine und unverästelte Zweige in geringer Anzahl zum äusseren Gehörgang, zum Kaumuskel und zur Parotis, und theilt sich, bevor sie noch den Unterkiefer erreicht, in zwei Äste. Der obere, schwächere, lit. o, entspricht dureh Richtung und Verzweigung der Arteria transversa faciei, geht unter dem Auge quer über den Masseter und die Backe gegen den Mund, und anastomosirt im schmalen Bogen mit dem unteren Aste, der drei Linien unterhalb und parallel mit ihm denselben Weg einschlägt, und bald nach seinem Ursprunge mit dem früher erwähnten, zum Boden der Mundhöhle gehenden Aste der Mawillaris externa, eine Anastomose eingeht.
Aus dem vorderen Ende der durch die Anastomose des oberen und unteren Astes des Maxillaris externa gebildeten Insel, geht ein Büschel geradegestreckter , feiner Arterien in die Schnauze fort, als unvollkommene Andeutung des bei den Gürtelthieren so reich entwickelten Rete mirabile faciale.
. Die Mawillaris interna krümmt sich vor dem Pauckenknochen nach ein- und aufwärts zur Schädel- basis; gibt eine Alveolaris inferior, eine Pterygoidea für den starken Flügelmuskel, einen Ramus orbitalis für den Sehapparat, einen an der Choana herabsteigenden Aamus pharyngeus ab, und verliert sich in der Tiefe der Augengrube in zwei Zweige, deren einer als Arteria palatina, der andere als Ethmoidalis inferior
endet. Keiner dieser Zweige bildet Wundernetze.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. D) I I gr0r0,
Carotis interna, Taf. 1, lit. r.
Die Carotis interna versorgt nur mit einem kleinen Nebenaste das Gehirn. Unmittelbar an ihrem Ursprunge gibt sie einen Muskelzweig zu den tiefen Halsmuskeln, krümmt sich hierauf nach innen und oben zu der hinter dem Pauekenknochen befindlichen unteren Öffnung des Canalis caroticus, schiekt in die Pauckenhöhle einen nicht unbeträchtlichen Ramus (ympanicus , der über das Promontorium aufsteigt und an dem starken Nervus feeialis sich anlegt, und betritt hierauf die Schädelhöhle. Hier gibt sie einen Ast ab, Taf. II, Fig. 3, lit. aa, der in die beiden starken Spaltungsäste lit. 4b der Arteria basilaris einmündet, und die Betheiligung der Carotis interna an der Ernährung des Gehirns ausdrückt. Die Fortsetzung der Carotis interna geht an der äusseren Seite des Nervus optieus in den Grund der Augenhöhle , gibt die Ciliararterien und zwei sehr feine Aami frontales ab, geht sodann dureh ein in der Nath zwisehen Seiten- wandbein und grossen Keilbeinflügel befindliches Loch in die Schädelhöhle zurück, wo sie eine Meningea absendet, und sich auf die Zamina eribrosa des Siebbeins lagert, deren äusseren Rand sie umkreist,, und zahlreiche, starke, netzförmig verstriekte Äste mit den Filamenten des Geruchnerven in die Nasenhöhle abschiekt. Einer davon, dureh Stärke ausgezeichnet, löst sich in langgestreckte, gerade und nicht ver- ästelte Zweige auf, welehe an der Concha superior hinziehen, und mit den Zweigen der früher angeführten
Arteria ethmoidalis inferior in spitzigen Bogen zusammenmünden.
“
NSubclavia.
Bevor die Subelavia über die erste Rippe weggeht, gibt sie nur zwei Zweige ab: «a, die Vertebralis und b, die Mammaria interna.
a) Die Vertebralis, lit. £, theilt sich bald nach ihrem Ursprunge in zwei Zweige. Der eine davon, der schwächere, geht, nachdem er zarte Strahlenbüschel in die tiefen Nackenmuskeln abgegeben hat, durch das Foramen intervertebrale, durch welches der letzte Nervus cervicalis herausging, in die Rückgratshöhle zur Medulla spinalis; der zweite, stärkere, nimmt den gewöhnlichen Verlauf dureh die Löcher der Querfortsätze der Halswirbel. Im ersten Halswirbel sendet er einen starken Muskelzweig durch einen kurzen Canal des Querfortsatzes nach aufwärts zu den tiefliegenden Nackenmuskeln. In der Sehädel- höhle vereinigt sich die Vertebralis erst in der Mitte der Varolsbrücke mit der entgegengesetzten, und theilt sich an ihrem vorderen Rande in die beiden Profundae cerebri, deren lange, diehotomisch gespaltene Äste die Schenkel des grossen Gehirns nach aussen und oben umgreifen, während der Hauptstamm gerade nach vorne zum Hirntrichter verlauft, auf diesem Wege mit dem Hirnaste der Carotis interna unter rech- tem Winkel anastomosirt, und endlich vor dem Abgange der Nervi optiei an der unteren Fläche des Vorderlappens des Gehirns in zwei Zweige zerfällt, von denen der eine sich an der ganzen Ausdehnung des Grosshirns oberflächlieh verästelt, der andere an dem Rande der Theilungsfurche der rechten und linken Hemisphäre nach vorn zu den Riechkolben zieht. Dieser letztere Zweig anastomosirt durch eine bogenförmige Verbindungsbrücke mit dem gegenseitigen , wodurch der vordere Abschluss des
N
Cireulus Willisii entsteht, dessen hinterer an der Theilungsstelle der Arteria basilaris in die bei- den Profundae zu suchen ist. Der Cireulus Willisii stellt dem zufolge keinen Kreis, sondern eine
langgestreckte elliptische Insel dar, deren Seitenränder vorne näher an einander liegen als hinten.
b) Die Mammaria interna, lit. s, ist rechterseits stärker als links. Sie verlauft nieht am Rande des Brust- beines, sondern in einiger Entfernung von ihm. Die rechte zerfällt schon am dritten Rippenknorpel In zwei Zweige, von welchen der stärkere sich zum Bruststück der Zunge begibt, um dieses und seine Fortsetzung zu dem langen und merkwürdigen Bauchstück zu versorgen, der schwächere aber auf gewöhnliche Weise als eigentliche Mammaria interna verlauft und endet. In jedem
n . „ Zwischenrippenraume der Costae verae entspringen aus beiden Mammariae dünne Ästehen , welche
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nach einwärts zum Brustbeinrande gehen, und daselbst dureh auf- und absteigende Anastomo- sen zu einem schwachen, dem Brustbeine an Länge gleichen Gefäss-Stämmehen verschmelzen , wel- ches als Mammaria interna accessoria bezeiehnet werden kann.
Auf der ersten Rippe entspringt aus der Subelavia ein starker, der vereinigten Cervicalis ascendens
und fransversa, so wie der Acromialis und Transversa scapulae vergleichbarer Stamm, der durch die
büschelförmige Anordnung seiner strahlig zerfahrenden Aste den ersten Schritt zu der, an der Arteria bra- chialis so ausgezeichneten Wundernetzbildung darstellt. Diese Schlagader, welche bei allen grabenden und
wühlenden Thieren ausgezeichnet stark angetroffen wird, zerfällt zunächst in zwei Zweige; der obere
davon versorgt die bis zur oberen Brustapertur herabreichende Glandula submawillaris, — der untere
sendet seine zahlreichen, langen, dünnen, nicht gewundenen Äste nach allen Richtungen über das Schulter-
gelenk aus, um sie den dieses Gelenk umlagerndern Muskeln zuzuführen. Einer davon begleitet den
3 Nervus eutaneus brachii externus bis zum Ellbogen, wo er in die Haut übergeht.
Jenseits der ersten Rippe schickt die Subelavia ab:
| a) Eine Arteria thoracica externa anterior, welche zwischen dem grossen und kleinen Brustmuskel sich verästelt (mit Andeutuug von Büscheln).
b) Die Arteria thoracica ext. posterior s. longa, welehe die Circeumfleva scapulae und drei Subscapu- lares erzeugt, und auf dem Serratus anticus major und Latissimus dorsi sich strahlig verbreitet. An der Circumflewa scapulae tritt das erste reguläre, anfangs bandartige, büschelförmige Wundernetz (sub forma eines Wedels) durch fortgesetzte dichotomische Theilung der Zweige, aber ohne Zwischen- anastomosen oder förmliche Wiedervereinigung zu Einem Stamme auf. Ein Ableger dieses Wunder- netzes dringt in die Rückenhaut ein. — Den für das Wundernetz der Circumflexa scapulae ange- gebenen Charakter tragen alle, von nun an, an der Arteria brachialis vorkommenden Netzbildungen, nur mit dem Unterschiede, dass an gewissen Stellen die Gefässwedel durch Auftreten zahlreicher Anastomosen ihrer einzelnen Elemente mehr die Form eines Netzes erlangen.
Arteria brachialis und deren Wundernetze, Taf. I, Fig. 2.
Die Wundernetzbildung beginnt schon an der Arteria awillaris, lit. @, indem diese eine dichte Reihe kleiner Zweige erzeugt, welche sich um den Stamm der Axillaris herum zu einem Geflechte verketten, in dessen Axe der verjüngte Hauptstamm weiterzieht. Aus diesem Geflechte gehen nach vorne und nach rück- wärts kleinere Detachements als glatte Bündel paralleler Zweige ab, und zwar:
a) nach vorne:
0) eines für den Biceps und Deldoides, lit. 5;
j ß) eines für den Biceps allein, lit. e;
I! y) ein drittes, breites Bündel, lit. d, geht unter dem unteren Ende des Biceps zur Radialseite des Vor- | derarmes, und verbindet sich hier mit
i ö) einem vierten, lit. e, welches weiter abwärts von dem Hauptnetze sich loslöst, und vor der Sehne | des Bieeps zur Speichenseite des Vorderarmes gelangt. -— Dort angelangt, verschmelzen beide zu einem der Arteria radialis entsprechenden Netze, welches sich aber bald wieder in zwei Züge theilt, die fast parallel an der Aussenseite des Vorderarmes bis zum Handrücken herabstreichen, und deren
einzelne Stämmehen in grösseren Entfernungen anastomosiren, wodurch langgezogene Inseln entste-
hen, die sich in grosser Menge bis zu den Rücken der Fingerglieder erstrecken. b) nach rückwärts: Die nach rückwärts abgehenden Strahlen des Rete brachiale , lit. ff, sind durchaus für die Vorder-
armstrecker bestimmt. Nur einer derselben hält sich an den Nervus radialis, umgreift mit ihm den
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 29
Oberarmknochen, und gelangt mit ihm als Repräsentant der Arteria collateralis radialis zum Ellbogen- gelenk, und über dieses hinaus zu den Muskeln an der Streckseite des Vorderarmes. Die übrigen stellen die mehrfach gewordenen Arteriae collaterales ulnares dar, und verhalten sich wie diese es sonst zu thun pflegen.
Was nach Abgabe dieser Strahlen von dem Wundernetze der Brachialis noch übrig ist, geht zugleich mit dem Stamme der Arteria brachialis und mit dem Nervus medianus durch den weiten Canalis supracondy- loödeus hindurch, unterhalb welchem die Arteria brachialis einen neuen Nachschub kleiner Seitenzweige zur Verstärkung des sie umstriekenden Netzes abgibt, und durch deren Abgabe sie selbst so geschwächt wird, dass von nun an kein Hauptstamm mehr im Innern des Netzes unterschieden werden kann.
Die Verästlungen des durch den Canalis supracondyloideus gegangenen Netzes, welches der Arteria ulnaris analog ist, sind folgende:
a) Ein breites und flaches Bündel von 11 Stämmchen, welehe in den dieken Ursprungsbauch der Flexo- ren eindringen.
b) Ein die Ulna nach innen und hinten umgreifendes Bündel für die Zehenstreeker. Ein Zweig dieses Bündels trennt sich von den übrigen, und zieht mit dem Ulnaris internus zur Hohlhand herab, wo er in den Arcus volaris sublimis übergeht.
c) Der starke Plexus interosseus internus, welcher eine Folge vereinzelter Zweigchen durch das Zwi- schenknochenband zu den Streekmuskeln absendet, und am Carpus sich in zwei Flammen theilt, deren eine in die Tiefe der Hohlhand fortgeht, und den Arcus volaris profundus supplirt, während der andere fast im rechten Winkel nach innen ablenkt, das Köpfehen der Ulna umgreift, und an der Ver- sorgung der an der Aussenseite des Vorderarmes gelegenen Muskelpartien Antheil nimmt.
Die Fortsetzung des Ulnarnetzes schwächt sich während ihres Verlaufes auf den Muskeln des Vor- derarmes durch Entsendung zahlreicher, aber einfacher Seitenäste so sehr, dass am Carpus nur ein Stamm (vielleicht die Fortsetzung der Arteria brachialis) von ihm erübrigt, der in der Vola manus mit dem frü- her erwähnten Hohlhandaste der Interossea den Arcus volaris sublimis eonstruirt.
Aorta thoracica und abdominalis.
Die Äste der Aorta ihoracica sind die gewöhnlich vorkommenden. Alle Intereostalräume erhalten von ihr einfache Zwischenrippenschlagadern. Nur der erste Intereostalraum linkerseits bekommt seine Arterie aus der Vertebralis sinistra.
Die fünfte Arteria intercostalis rechterseits schickt eine starke Arteria oesophagea ab, welche eine für beide Lungen bestimmte Arteria bronchialis abgibt. Die Brust-Aorta liegt zwischen zwei vollkommen symmetrischen Venis axygis. Während des Durchganges dureh den Aortenschlitz des Zwerchfelles gehen von der Aorta zwei Arteriae phrenicae ab, welehe, wie die zwei letzten Arteriae intercostales, auch Zweige zu den Lendenmuskeln geben.
In der Bauchhöhle gibt die Aorta ab:
a) Die zu einem kurzen gemeinschaftlichen Stamm vereinigte Coeliaca und Mesenterica superior. Der gemeinschaftliche Stamm ist nur eine Linie lang. — Die Coeliaca zerfällt in die drei bekannten Zweige. Die Hepatiea, durch ihre Länge ausgezeichnet, entsendet einen Zweig zum Zwerchfell, und theilt sieh in den eigentlichen Ramus hepatieus und in die G@astro-epiploica dextra, welche letztere durch einen zur kleinen Curvatur des Magens zurücklaufenden Zweig mit der Coronaria ventrieuli sup. sinistra anastomosirt. Die Lienalis versorgt die Milz, das lange Pancreas, und den Magengrund, und
schiekt zum Netz die sehr feine Gastro-epiploica sinistra. Die Mesenterica superior bildet einen nach
rechts convexen Bogen, aus welchem sieben Aste für den Dünndarm, zwei (aus der eoncaven
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Bogenseite) für den Diekdarm entspringen. Jede Dünndarm-Arterie spaltet sich zwei- bis dreimal
gabelförmig. Die primären Gabeläste bilden im Mesenterium keine Anastomosen. Die secundären
(oder tertiären) dagegen erzeugen am Gekrösrande des Darmrohres (oder nm der Wand des Darmes
selbst) lange und flache Bogen. Die zwei Diekdarmzweige spalten sich erst am Gekrösrande des
Darmes zum ersten Male, und die primären Spaltungszweige bilden unter sich mit der letzten Dünn-
darm-Arterie und mit dem oberen Zweige der Mesenterica inferior die bekannten Gefässbogen.
b) Die beiden Renales, von welchen die rechte drei Linien vor der linken entspringt, und wegen der unsymmetrischen, weiter nach vorne gerückten Lage der rechten Niere, eine zurücklaufende ist. Die linke Spermatica interna ist ein Zweig der linken Renalis, die rechte ein Zweig der Aorta.
c) Die Mesenterica inferior entspringt noch weit von der Theilungsstelle der Aorta, und versorgt nur ein kleines Stück des Diekdarmes. Für den Mastdarm gibt sie keinen Zweig ab. Vor der Abgangsstelle der Mesenterica inferior vereinigen sich die beiden Venae üiacae communes zur Cava posterior, und die Mesenterica inferior tritt somit zwischen den beiden Venis iliacis hervor.
d) Die vier Lendenarterien zeigen nichts Abweichendes.
Die Theilungsstelle der Aorta liegt am Eingange des kleinen Beckens. Die beiden Miacae communes sind im Verhältnisse zur Sacralis media schwach. Jede Hiaca communis sendet eine schwache Pudenda communis in die kleine Beckenhöhle hinab, welche wohl allein die Hypogastrica repräsentirt, da die übri- gen sonst aus der Hypogastriea entspringenden Äste von der Saeralis media abgegeben werden. Die Miaca communis theilt sich hierauf in die Arteria uterina, umbilicalis '), und eruralis. Die Arteria uterina ver- sorgt den ganzen Uterus und einen Theil der Harnblase, deren Rest (vordere untere Fläche) von der Arteria umbilicalis ihr Blut erhält. Die Hypogastriea verästelt sich bis auf einen sehr unbedeutenden, durch das grosse Hüftloch zum Gesäss tretenden Zweig, ausschliesslich in der Vagina, den äusseren Genitalien und dem Mastdarme, und stellt somit eigentlich eine Pudenda communis dar. — Die Sacralis media besitzt ein breites mächtiges Wundernetz, dessen Maschen durch ein ähnliches Netz der Venae sacrales ausgefüllt werden, Taf. II, Fig. 2. Das doppelte Netz nimmt die ganze Breite des Beekens ein, sendet Ausläufer, welche den Arterüs glutaeis entsprechen, zum Gesäss, und verschmächtigtsich nach hinten, um in den Canal
der unteren Schwanzdornen einzutreten, in welehem es bis gegen die Schwanzspitze ausläuft. Es gibt an
jedem Wirbel seitliche Ableger in die starken Caudalmuskeln ab. Der venöse Antheil des Netzes stammt
aus zwei paarigen, aus den Venae iliacae communes entsprungenen, ungleich starken Gefässen,, von wel- chen das rechte dem linken weit überlegen ist. Das Wundernetz der Sacralis media entsteht nicht dureh Zerfallen des Stammes in kleinere Zweige, sondern durch Zusammenfluss kleinerer, paariger Netze, die den symmetrisch entspringenden Seitenästen der Sacralis media angehören. Das Wundernetz ist somit
ein rechtes und linkes — zwischen welehen der Stamm der Saeralis ungespalten fortlauft.
ein doppeltes Arteria eruralis, Taf. IL, Fig. 1.
Die Arteria eruralis gibt innerhalb des Beckens die Cireumflexa Wei und Epigastrica interna ab, welche beide ohne Netzbildung ramifieiren. Ausserhalb des Beekens erzeugt sie eine Epigastrica super- fieialis mit Netzbildung. Diese und die Epigastrica interna geben Zweige zur Schamfuge, welehe die daselbst entspringenden Muskeln versorgen, und die fehlende Arteria obturatoria ersetzen.
Unter der Arteria epigastrica superficialis folgt ein subeutan zum Knie herablaufender, und als Arteria eireumflewa genu interna superior endender Zweig von unerheblieher Stärke. Hierauf zwei kurze sich in ein Netz auflösende Stämmehen. Das Netz spaltet sich in zwei Züge; der eine dringt in die Museulatur
1) Das Thier war noch jung.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 31
an der inneren und hinteren Seite des Oberschenkels ein, lit. 5, und entspricht der Profunda femoris. Der andere begleitet die Vena saphena, lit. c, und steigt an der inneren Seite des Kniegelenkes (wo die Netzmaschen in eine breite Fläche aus einander weichen) zum Unterschenkel herab, hält sich an den inneren Rand des Tibialis anticus, und löst sich am inneren Knöchel in dorsale und plantare Zweige auf, welche theils hochliegend,, theils tiefliegend, mit den hier anlangenden Ästen der Tibialis antica und postica anastomosiren. Am Kniegelenke erzeugt dieser Zug des Netzes eine Reihe paralleler, den Condylus tibiae internus umgreifender Zweige , analog der Circumflexa interna inferior.
Unterhalb diesen eben angeführten Ästen geht von der äusseren Seite der Cruralis eine ziemlich starke, in ein strahliges Wundernetz zerfahrende Arterie ab, welche die Extensores eruris und die Haut an der äusseren Schenkelseite versorgt, lit. d.
Nun wird die Arteria eruralis selbst in der Mitte des Oberschenkels in ein dickes, eylindrisches Wundernetz eingehüllt, in dessen Axe ein grösseres Gefäss als Fortsetzung der Cruralis angetroffen wird. Das Wundernetz begleitet die Cruralis in die Kniekehle, gibt auf diesem Wege drei stärkere und mehrere schwache Nebengefleehte in die benachbarte Muskulatur ab, lit. eee (von welchen eines sich an den Nervus peroneus anlegt, ihn zum Wadenbeinkopf begleitet, und theils in die Wadenmuskeln eindringt,, theils mit dem Nerv das Wadenbein umgreift, und seine Stämmehen den Netzen der Arteria tibialis antica beige- sellt), und löst sich in der Kniekehle in drei Netze auf, welche der Tibialis antica, postica, und peronea entsprechen.
1. Das Rete tibiale anticum passirt das Zwischenknochenband, und löst sich in drei grössere und ein kleineres Bündel auf, von welchen das letztere zum Kniegelenk aufsteigt, um seine spärlichen Elemente zur Bildung des Rete artieulare genu herzugeben. Von den drei übrigen Bündeln geht das eine um das Waden- bein herum zu den Museulis peroneis, die anderen beiden laufen auf dem Musculus extensor digitorum longus zum Fussrücken herab, wo sich das äussere hochliegend, das innere tiefliegend (zwischen Eixtensor digitorum brevis und Metatarsus) verästelt.
2. Das Rete tibiale posticum enthält die Fortsetzung der Arteria eruralis, welehe durch suecessives Ablenken der ‚zahlreichen Stämmehen des Wundernetzes in der Nähe des Sprunggelenkes frei zu Tage tritt, und in dem Plattfusse den Arcus plantaris sublimis bildet, aus welchem die Arteriae digitales der Zehen, mit Ausnahme der kleinen Zehe, hervortreten.
3. Das Rete peroneum spaltet sich ebenfalls in zwei Zungen, deren eine mit den ablenkenden Ästen des Rete tibiale posticum , namentlich in der Fersengegend vielfältige Anastomosen eingeht, während die andere am äusseren Knöchel ihre Zweige aus einander schickt, um sie theils in den Plattfuss (zur äusseren Zehe), theils zum Fussrücken gelangen zu lassen, wo sie mit den tiefliegenden Ver ästlungen des Rete lbiale an ticum anastomosiren. Alle Wundernetze der Manis sind zugleich arteriell und venös.
Communication des Pfortadersystems mit der unteren Hohlader bei Manis macrura.
Eine zwei Zoll vom Pylorus beginnende, und ungefähr dritthalb Zoll lange Partie Dünndarm lässt ihre Venen nicht in die Pfortader, sondern in das System der unteren Hohlader übergehen. Es tritt näm- lich am eonvexen Rande dieser Darmportion eine ansehnliche Vene hervor, welche alle ihre kleineren Venen durch sternförmiges Zusammenlaufen noch innerhalb der Darmwand aufnimmt, und an der rechten Seite der hinteren Unterleibswand gegen den Eingang der kleinen Beekenhöhle herablauft. Hier theilt sie sich in zwei Zweige. Der grössere davon mündet in die Vena uterina dextra ein, der kleinere beugt sich nach vorne um, lauft auf dem Psoas major zur rechten Niere zurück, anastomosirt auf diesem Wege mit
einer der beiden Venae spermaticae internae, und mündet zuletzt in den Stamm der Hohlvene, drei Linien
unter der Vena renalis dextra ein.
——
m
Dee
32 J. Hyrtl. II. MYRMECOPHAGA TAMANDUA,
Geschichtliches.
Über das arterielle Gefäss-System von Myrmeecophaga liegen schon einige ältere Beobachtungen, namentlich über das Vorkommen von Wundernetzen an den Arterien der Extremitäten vor.
Der erste, der diese sonderbaren Netze bei Myrmecophaga didactyla kannte, war J. F. Meckel'). Die Aufmerksamkeit, welche er der Zergliederung der Muskeln der vorderen und hinteren Extremitäten die- ses Thieres widmete, konnte ihn unmöglich die zwischen und auf den Muskeln hinziehenden, so eigenthüm-
j liehen Gefässnetze übersehen lassen. Er kannte nun freilich nieht mehr von ihnen, als eben die Thatsache 4 ihrer Existenz, und irrte auch in soferne, als er der Meinung war, dass die Stämme der Arm- und Schen- kelpulsader gänzlich in diese Netze zerfallen, was jedoch Entschuldigung verdient, da man bei einem so kleinen Thiere wie M. didactyla, ohne Injeetion der Gefässe, nicht leicht mehr erfahren kann. Er kannte
auch das Wundernetz am Schwanze dieses Thieres, meinte aber, dass die Vena caudalis an der Bildung desselben den Hauptantheil habe. 4 Nach Meckel erwähnt W. Vrolik in seiner Disquisitio anatomico-physiologica de peculiari arte- . | riarum extremitatum dispositione , Amstelodami, 1826, pag. 6, der Wundernetze des zweizehigen Amei- senfressers. Er kannte kaum mehr von ihnen als Meckel, indem er sie mit Quecksilber injieirte ”) und eine Strecke weit präparirte. Allein nach den Abbildungen Fig. 2 und 3 der ersten Tafel zu urtheilen, und nach den auf diese sich beziehenden Worten des Textes, war ihm das eigentliche Verhalten dieser Netze ebenso unbekannt wie Meckel, mit welchem er sie als aus gänzlichem Zerfallen der betreffenden Hauptstämme hervorgegangen ansieht: „omnino est notandum, tam in extremitate superiore quam inferiore hujus animalis, ramum majorem in centro plexus non eontinuari, sed arterias ipsas in multos quasi ramos, plexus formantes, dissolvi’" — und später (pag. 15): „in medio plexu ramus major non eontinuatur.’ Nicht ergiebiger waren ©. Ma yer’s Untersuchungen (Analekten für vergleichende Anatomie, 2. Samm-
lung, Seite 51). Er scheint der Ansicht zu sein, dass die Faulthiere und Ameisenfresser sich in Hinsicht
dieser Gefässnetze ganz gleich verhalten, da er sie von beiden Thieren unter Einem mit kurzen Worten mehr andeutet als beschreibt, und man nieht entnehmen kann, ob er den Bradypus oder die Myrmecophaga
meint. Er vindieirt sich, die Theilnahme des Venenstammes an der Bildung dieser Netze zuerst gefunden zu
haben, was doch Meekel und Vrolik schon angeben. Hierauf folgen die von G. L. Duvernoy im 6. Bande der neuen Auflage von Cuvier’s Lecons
d’ anatomie comparee, p. 132, eingeschalteten Bemerkungen über diesen Gegenstand, welehe nieht mehr als Meekel’s kurze Angabe enthalten, und, wo sie weiter gehen, unriehtig sind: „dans le didaetyle P’artöre brachiale se divise vers le milieu du bras en profonde et superfieielle (richtiger radialis und
ulnaris). La premiere se detache ä angle droit du trone prineipal. Peu apres V’artere brachiale est enve-
loppee d’un plexus analogue ä celui des Paresseux et des Loris, et se divise en radiale et en eubitale. Ces deux branches sont de m&me entourds, dans une partie de leur trajet, par un plexus distinet, qui est la eontinuation du preeedent.” Für die Wundernetze der Arteria eruralis heisst es pag. 166: „Les fourmi-
liers ont la m&me strueture vaseulaire, qui a &tE aussi decouverte pour les arteres femorales dans le tarsier” (worunter der Stenops gemeint ist, nicht der von Burm eister untersuchte Tarsius, der
gleichfalls sehr entwiekelte Wundernetze an der Cruralis besitzt).
1) Deutsches Archiv für Phys. 5. Bd., S. 65 und 66. 2) Wie wenig das Quecksilber zu solchen Untersuchungen sich empfiehlt, ersieht man aus der von Vrolik bei Lemur speetrum angeb-
lich gemachten Beobachtung der unmittelbaren, durch zwei Canäle unterhaltenen Communication des arteriösen mit dem venösen
Theile der Wundernetze.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 33
Während im folgenden Absatze für die Faulthiere das Unversehrtbleiben des Hauptstammes in der Axe des Wundernetzes anerkannt wird, wird es den Ameisenfressern abgesprochen. Man scheint also gleich- falls nicht selbst nachgesehen, sondern fremde Angaben einfach benützt, und sie hin und wieder unrichtig verstanden zu haben.
Die jüngsten Nachrichten über die Wundernetze der Extremitäten von Myrmecophaga finden sich in W.v. Rapp’s anatomischen Untersuchungen über die Edentaten, Tübing. 1843, pag. 67. Rapp lässt diese Netze bei Myrmecophaga jubata und tamandua „vielkleiner” sein als bei den Faulthieren, — die Arm- und Schenkelschlagader sollen sogar nichts von Wundernetzen aufweisen, — die Armschlagader erst nach ihrem Durchgange durch den Canalis supracondyloideus ein Büschel von Zweigen abgeben, — und an den hinteren Extremitäten erst an der Kniekehlenarterie ein Wundernetz auftreten. (Letzteres ist allein richtig.)
Es ergibt sich aus dieser kurzen Durchsicht älterer Schriften, dass ihren Verfassern nur das nackte Faetum des Daseins von Netzen an den Hauptschlagadern der Extremitäten und des Schwanzes bekannt war, alle weiteren anatomischen Charaktere der Verbreitung, Zusammensetzung, der Beziehung zum unter- gehenden oder sich erhaltenden Hauptstamm, so wie die an den übrigen Körperarterien vorkommenden strahligen Auflösungen gänzlich unbekannt geblieben sind. — Die Dissertationen de retibus mirabilibus von Adolph Barth, Berol. 1837, und von A. Gottfried Fröling, Berol. 1842, sind bloss Compilationen.
Äste des Aortenbogens.
Die Äste des Aortenbogens verhalten sich wie bei Manis macrura. Es findet sich eine Arteria innominata (von 2'/, Lin. Länge), Taf. II, Fig. 1, lit. a, welche sich in die beiden Carotiden ce, d und die Subelavia dextra b theilt, und eine Subelavia sinistra b’. Die Subelavia geht von der Innominata ein klein wenig früher ab, als die beiden Carotiden, welehe fast den Anschein haben, als wären sie an ihrem Ur- Sprunge zu einem sehr kurzen gemeinschaftlichen Stämmehen verschmolzen. Es ist dieses Vorkommen in soferne nicht ohne Interesse, als es den Übergang zu jenem Ursprungsverhältnisse der grossen Gefässe aus dem Aortenbogen vorbereitet, wo die beiden Subelaviae selbstständig, beide Carotiden aber aus einem medianen Truncus communis hervorgehen, wie es bei Elephas angegeben wurde. — Bei Myrmecophaga didactyla sollen nach Daubenton drei Aortenbogenäste, wie beim Menschen, vorkommen, welche Angabe Meckel bestätiget (Anatomie des zweizehigen Ameisenfressers, im deutschen Archiv für Physiologie 1819,
Pag. 59).
Verästelung der Caroltis.
Während die beiden Carotiden aus einander weichen , um zu ihren betreffenden Halsseiten zu gehen, bilden sie einen nach hinten spitzigen Winkel, in welchem die @landula thyreoidea liegt. Diese Drüse wird aus dem Grunde so weit nach hinten zu liegen kommen , weil der stark und eomplieirte Bewegungs-Apparat der Zunge den grösseren Theil des Halses für sich in Anspruch nimmt. — Jede Carotis geht geradelinig bis Zur unteren Peripherie des Pauckenknochens hinauf, kreuzt sich während dieses Weges mit dem grossen und langen Zungenbeinshorn, über welches sie weggeht (lit. C), und gibt bei ihrem Austritte aus dem Brustkorbe eine T’hyreoidea superior , lit. e (die inferior kommt wie gewöhnlich aus der Subelavia), und nen starken Ramus museularis für die vom Brustkorbe heraufkommenden Zungenbeinsmuskeln ab , lit. 7 und sendet ferner, bevor sie sieh mit dem Zungenbeinshorn kreuzt, die Carotis interna , lit. g g ab, wozu, kurz vor ihrer Theilung, noch ein kleinerer Muskelzweig für dieselben Bewegungs-Organe kommt.
An der erwähnten Stelle zerfällt die Carotis externa in drei Zweiee. le}
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. VI. Bd. 5
H 7 1
34 J. Hyrtl.
I. Arteria oceipitalis, Taf. II, Fig. 1, lit. A. Sie liegt hinter der Ohrmuschel, und sendet folgende Zweige ab:
a) eine sehr starke Nackenmuskelarterie, lit. 7;
b) mehrere kleine Auriculares posteriores;
c) eine subeutan bis zum Vertex ziehende, feine, und wenig ramifieirte Arterie, lit. %; worauf ihr Stamm mit der Arteria temporalis über dem Ohre zusammenfliesst, woraus ein kurzes, dickes, durch seinen ferneren Verlauf ausgezeichnetes Gefäss entsteht, welches ich Arteria diploetica magna aus gleich zu entwiekelnden Gründen nenne. Es dringt dasselbe nämlich in einen Canal ein, der in der Sutura squamosa beginnt, lit. //, und sich hierauf in zwei Zweige theilt, deren einer in die Schädelhöhle einmün- det, während der andere in der Dieke der Schädelwand nach vorne lauft, um in derselben Sutur wieder nach aussen zu münden, lit. /. Das fragliche Gefäss wird sich dem gemäss ebenfalls in zwei Zweige thei- len, deren einer als Arteria meningea posterior zur harten Hirnhaut der hinteren Schädelgrube geht, wäh- rend der andere hinter und über dem Auge wieder an die Oberfläche des Schädels gelangt, sich über dem Auge bogenförmig nach vorne krümmt, auf diesem Wege mehrere zum Scheitel aufsteigende Äste erzeugt. lit. 77, dem oberen Augenliede Zweige gibt, und endlich mit einem ihm entgegen kommenden Zweige der Art. maxillaris externa anastomosirt, bei lit. m. Aus dieser Anastomose entspringt ein neuerdings durch einen Canal im Stirnbein, lit. %, in die Schädelhöhle eingehender Ast, welcher als Arteria meningea ante-
rior den vorderen Abschnitt der harten Hirnhaut mit strahlig divergirenden langen Zweigen versorgt. II. Arteria masxillaris externa, Taf. I, Fig. 1, lit. n,
Sie versorgt mit kleinen, aber zahlreichen Ästen, lit. o, die Museulatur der Zunge (eine eigene Arteria lingualis fehlt), schiekt, bevor sie über den Unterkiefer zum Gesichte aufsteigt, die Arteria sub- mentalis , lit. p, und einen tiefer zwischen die Muskeln des M undbodens eindringenden Ramus sublingualis ab, und spaltet sich hierauf in zwei Zweige:
a) geht über die seitlichen Muskeln der Schnauze zum vorderen Augenwinkel,, It. q, und krümmt sich über das Auge und seine Umgebungen bogenförmig nach rückwärts, um mit jenem Aste von I. zu anastomosiren, welcher sich von hintenher bogenförmig über das Auge krümmt ;
ß) dringt unter die seitlichen Muskeln der Schnauze ein, lit. r, und zerfährt in ein reiches, feinstämmi- ges und strahlenförmiges Wundernetz , welches sämmtlichen Weichtheilen der Schnauze angehört
(Rete supramazxillare). II. Arteria temporo-maxillaris, Taf. II, Fig. 1, lit. s.
Sie ist die eigentliche Fortsetzung der Carotis, obwohl nicht stärker als I und Il. Sie theilt sich am Unterkiefergelenk in zwei Äste. Der eine steigt vor dem Ohre hinauf, lit. s, um auf die früher erwähnte Weise mit der Oceipitalis zu anastomosiren, und den in die Schädelknochen eindringenden kurzen Stamm zu bilden (lit. H). Der andere, lit. «, theilt sich in die starke Arteria transversa faciei, und die noch stärkere Arteria mazxillaris interna.
Die Arteria transversa faciei bildet auf dem Masseter ein kleines Geflecht, lit. w, und versorgt die Muskeln, das untere Augenlied, und die hinter dem Augapfel gelegene Drüse.
Die Maxillaris interna geht an der inneren Seite des Kinnbackengelenkes nach vorne, schickt einige Palatinae zum Gaumen und eine Alveolaris inferior zum Canal des Unterkiefers, schliesst sich an den Nervus infraorbitalis an, sendet zwei Zweige zur Museulatur des Augapfels, eine Eihmoidalis anterior et posterior
zur Nasenhöhle, und anastomosirt zuletzt am Gesichte mit dem tiefliegenden Aste der Mawillaris externa,
welcher das Rüsselwundernetz bildete.
beiträge zur vergleichenden Angiologie. 35
Die Carotis interna, sendet unmittelbar nach ihrem Ursprunge eine starke Nackenmuskelarterie ab, geht sodann unter dem grossen Zungenbeinshorn zur knöchernen Paukenblase, tritt in die Höhle derselben dureh ein Loch ein, welehes in der Nath zwischen der Bulla und dem Hinterhauptsbein angebracht ist, lauft auf einer Furche des Promontorium frei dureh die Paukenhöhle zur Schädelhöhle hinauf, gibt in der Schädelhöhle die Arteria ophthalmica ab (welehe aber nur den Bulbus oculi, nicht seine Umgebungen versorgt), und mündet an der Gehirnbasis in die Profunda cerebri ein (Taf. IV, Fig. 3, lit. fN-
Arteria subelavia, Taf. II, Fig. 2.
Die Astfolge der Arteria subelavia, lit. a, stimmt gleichfalls mit jener der Quadrumana in der Haupt- sache überein.
Es findet sich:
4) Eine Mammaria interna ‚lit. b, welche aus ihrer Wurzel eine kleine, in zwei Äste getheilte Thyre- oidea inferior absendet, und, wie gewöhnlich, als Epigastriea superior und Museulo-phrenica endigt.
b) Eine Vertebralis, Taf. II, Fig. 2, lit. ce, welche den Truncus costocerviealis erzeugt (welcher lin- kerseits ein selbstständiger Ast der Subelavia ist), und während ihres Laufes durch die Löcher der Processus transversi der Halswirbel mit später zu erwähnenden Zweigen der Nackenarterien anasto- mosirt. Sie gibt an jedem Wirbel die gewöhnlichen Arteriae spinales laterales in die betreffenden Zwischenwirbellöcher ab, welche sich durch Stärke auszeichnen, und im Rückgratseanal in eine gleich- falls sehr starke, unpaare, der ganzen Länge des Rückenmarkes folgende Arteria spinalis media s. impar (Taf. IV, Fig. 3, lit. a) einmünden. Diese Spinalis impar geht nach vorne in die Arteria basilaris über, welehe somit nicht durch die Anastomose beider Wirbelarterien gebildet wird. Nachdem die Arteria vertebralis zum Foramen intervertebrale zwischen den zweiten und dritten Hals- wirbel gelangte, geht siedurch dieses in den Rückgratscanal, und mündet, wie eine Spinalis, in die Spi- nalis media ein (Taf. IV, Fig. 3, lit. 55). Nur ein sehr feines Zweigehen (lit. ec) der Wirbelarterie nimmt den gewöhnlichen Verlauf durch die Querfortsätze des Epistropheus und Atlas, um durch das Hinterhauptloch in die Schädelhöhle zu gelangen, wo sie gleichfalls in die Spinalis media (hier schon Basilaris zu nennen) einmündet.
Die Basilaris geht nun ungetheilt bis zum Gehirntrichter, wo sie sich in die zwei Profundae cerebri theilt (Taf. IV, Fig. 3, lit. ee), deren jede, wie oben bemerkt, mit einer Carotis interna , lit. hf: anastomosirt. Die Seitenäste der Basilaris und beider Profundae, welehe den Pons und die Peduneuli umgreifen, sind sehr zahlreich, aber unsymmetrisch, d, d. In der Nähe des Sehnerven-Ursprunges sen- det jede Profunda zwei starke Äste ab: den einen nach aussen für die vordere Hälfte der Hirnhemi- sphäre, den anderen (Communicans anterior) nach innen, weleher mit demselben Aste der anderen Seite eonfluirt, und die unpaare Arteria corporis callosi, lit. h, bildet. Der Cireulus Willisii wird so- nach bloss durch die Gabel der beiden Profundae und der beiden Communicantes anteriores gebildet. Die Fortsetzung jeder Profunda gibt Zweige an die Riechkolben, lit. 9, 9, und endigt auf der breiten und vielgelöcherten Lamina cribrosa als Rete ethmoidale, wie es bei Bradypus torquatus im I. Bande dieser Denkschriften beschrieben und abgebildet wurde.
c) Eine Arterie, eben so stark wie die Vertebralis, welche die Cervieales der höheren Säugethiere, so wie theilweise die Thoraeica externa und die Aeromialis ersetzt, lit. d. Sie erzeugt folgende Zweige: 7) einen Ramus cervicalis ascendens, weleher an den Querfortsätzen der Halswirbel aufsteigt, zu den tiefen Nackenmuskeln, und zu der Arteria vertebralis anastomosirende Äste schickt;
P) einen langen und dünnen Ast, weleher unter dem Cuecullaris zu den Muskeln des Rückens geht;
7) einen stärkeren Zweig für den Peetoralis major;
36 J. Hyrtl.
0) einen Ast für das Drüsenconvolut in der Jugulargegend ;
&) endlich einen langen Ast, der in der Furche zwischen Peetoralis und Deltoides in Begleitung der Vena cephalica bis zum Ellbogen herabgelangt, und sich in den Supinatoren der Hand ver- liert. Keiner dieser Äste erzeugt Wundernetze.
d) Zwei Arteriae thoracicae externae für die tiefe Museulatur der seitlichen Brustwand, lit. 9, g.
e) Eine starke, kurze, alsbald in mehrere Zweige zerfallende Arterie, welehe ein Äquivalent für die Arteriae subscapulares, eircumflevae humeri und scapularis superior ist, lit. h. Die Zweige selbst divergiren mässig, spalten sich nur ein- oder zweimal, und verlaufen , ohne Äste abzugeben, bis zu jenen Muskeln, für welche sie bestimmt sind.
Theilung und Verästelung der Arteria brachialis.
Nachdem die Arteria brachialis den benachbarten Muskeln unbedeutende Zweige zuschickte, gibt sie in der Mitte des Oberarmes zwei kurze Seitenzweige ab, lit. ö,@, welche sich gleich in ein reiches Gefäss- büschel auflösen, welches die Arteria radialis als Rete mirabile radiale repräsentirt. Das Gefässbüschel lauft unmittelbar unter der Faseie des Oberarmes am inneren Rande des Biceps zur Plica cubiti herab, und theilt sich hier in zwei divergente Züge, von welchen der eine über das untere Einde des Biceps nach aussen geht, während der andere an der inneren Seite des Vorderarmes weiter zieht.
Der erste Zug (Dorsalzug), lit. %, sendet, nachdem er sieh mit dem Biceps kreuzte, ein starkes Büschel ab, lit 4, welcher sich theils im Supinator longus und den äusseren Armspindelmuskeln auflöst, theils mit zurücklaufenden Zweigen (analog der Arteria reeurrens radialis) in den Biceps und Deltoides eindringt. — Ein Detachement dieses Zuges, lit. /, senkt sich in die Tiefe der Plica cubiti ein, versorgt die Ursprünge der Fingerbeuger , und mündet mit dem Stamme der Arteria ulnaris zusammen, nachdem die- ser das Foramen supracondyloideum passirte.
Der zweite Zug (Volarzug, lit. m), geht über den Pronator teres weg, und beugt sich zwischen dem Pronator teres und Radialis internus in die Tiefe hinab, um sich an den Stamm der Arteria ulnaris anzu- legen, mit welehem er theils Anastomosen eingeht, theils die ferneren Verästelungen desselben begleitet.
Eine Linie unter der Abgangsstelle des Rete mirabile radiale entspringt mit zwei Wurzeln ein etwas schwächeres Wundernetz,, lit. », welches sich an den Nervus ulnaris anlegt, dem breiten Rückenmuskel und dem Triceps kleinere Gefässwedel zuschickt, und sieh über dem Ellbogengelenk in zwei Zungen theilt. Die kleinere begleitet den Nervus ulnaris auf seinem Wege zwischen Condylus internus und Oleeranon zum Vorderarm, und verliert sich daselbst in den vom Condylus internus entspringenden Muskeln. Die zweite, etwas grössere Zunge verlässt den Nervus ulnaris, lauft zwischen den Köpfen des Trieeps zum äusseren Condylus, um sich theils in den von ihm entspringenden Muskeln aufzulösen, theils mit einem vom Bete mirabile interosseum abgegebenen, zurücklaufenden Netze zu anastomosiren. Es ergibt sich aus dem Gesagten, dass das beschriebene Wundernetz die Arteria profunda brachii und die Collateralis ulnaris substituirt. Die Stämmehen dieses Netzes liegen mehr in einer Fläche neben einander, erscheinen somit mehr als breite platte Bänder, denn als Gefässbüschel. Nun legt sich die Arteria brachialis (welehe durch Verlaufsweise und Verästelung von nun an als Arteria ulnaris erscheint) in die zum Foramen condyloi- deum führende Furche, in weleher sie einen ziemlich mächtigen Ast abgibt, welcher, in der Furche zurück- laufend, das Foramen nutritium humeri begegnet, in welches er eindringt. Der Nervus medianus beglei- tet die Arteria ulnaris während der Passage durch das Foramen supracondyloideum, auf welchem die Arteria ulnaris ein schmales, feingenetztes Rete mirabile entsendet, lit. p, welches dem Stamme der Arterie durch das Loch hindurch folgt, sieh aber dann von ihr isolirt, und zu den Muskeln ablenkt, welche vom
Condylus internus entspringen, zwischen welchen eine unbedeutende Fortsetzung des Netzes als
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 37
Repräsentant der Recurrens ulnaris mit dem Netze der Collateralis ulnaris zusammenmündet. — Hat die Arteria ulnaris das Foramen supracondyloideum durchsetzt, so liegt sie auf den Beugern der Finger, und sendet ein durch Zahl und Feinheit seiner constituirenden Stämmehen ausgezeichnetes Rete mirabile interosseum, lit. 9, durch den Zwischenknochenraum auf die Aussenseite des Vorderarmes.
Das Rete interosseum, lit. q, lässt einen Theil seiner Gefässe in die tiefen Muskeln der Beugeseite des Vorderarmes eingehen, anastomosirt mit dem in die Tiefe gelangten Detachement des Rete mirabile radiale, und löst sich jenseits des Zwischenknochenbandes in zwei Netze auf, von welchen das schwächere der Membrana interossea folgt, und über den Carpus bis auf das Dorsum manus herab gelangt, wo es seine haarfeinen Reiser nach allen Seiten divergiren lässt, während das stärkere in kleinere Strahlen zer- fährt, welche die ganze Summe der Streeker mit Blut versorgen.
Nun geht die Arteria ulnaris ungetheilt bis in die Mitte des Vorderarmes, nimmt daselbst einen Theil des Volarzuges des Rete mirabile radiale auf, und theilt sich hierauf in zwei Zweige, deren jeder von einer Schwachen Fortsetzung des Volarzuges des Rete mirabile brachiale begleitet wird, welehe Fortsetzungen, nachdem sie sich dureh Abgabe seitlicher Ästehen hinlänglich geschwächt haben, in die von ihnen begleite- ten Aste der Arteria ulnaris einmünden.
Die beiden in der Mitte des Vorderarmes auftretenden Theilungsäste der Arteria ulnaris sind:
a) Ein Ramus radialis s. dorsalis, lit. r, welcher, nachdem er den Überrest des ihn begleitenden Anthei- les des Volarzuges des Rete mirabile radiale aufgenommen, zwischen Radialis internus und Pronator teres emporsteigt, über den Radialrand des Vorderarmes zur Aussenseite desselben zieht, sich wäh- rend dieses Weges in einen Gefässwedel auflöst, welcher sich theils mit dem Dorsalzuge des Rete mirabile radiale verbindet, theils mit den von dem tiefen Plexus interosseus externus ausgehenden, sehr dünnstämmigen Dorsalramifieationen so zahlreiche Anastomosen eingeht, dass ihre specielle Beschreibung sich kaum bei der übersichtlichen Behandlung der Aufgabe des vorliegenden Aufsatzes mit einigem Anspruche auf Verständlichkeit geben lässt.
b) Ein Ramus ulnaris s. volaris, lit. s. Er ist stärker als a, und zugleich die eigentliche Fortsetzung der Ulnararterie, wird vom Nervus ulnaris begleitet, und anastomosirt, bevor er in die Hohlhand eingeht, mit dem ihm zukommenden Antheile des Volarzuges des Aete radiale, ohne ihn jedoch ganz aufzu- nehmen, indem der Rest desselben mit den Fingerbeugern noch weiter gegen die Palma fortlauft (um ein Analogon eines tiefen Arcus volaris zu bilden). In der Hohlhand spaltet er sich in zwei Zweige, welche sich mit ihren Ramis digitalibus so in die vier Finger theilen, dass der innere Zweig den vierten und dritten Finger ganz und den zweiten nur an der Ulnarseite, der äussere Zweig aber
den Daumen ganz und nur die Radialseite des zweiten Fingers mit Blut versieht.
Brust- und Bauchoorta.
Die Brustaorta erzeugt die gewöhnliche Folge paariger kr NE SSLOEE Bee Dina a nal ie kan entspringen, dass ihre Ursprünge an der oberen Wand der Aorta fast zusammenfliessen.
Die Äste der Bauchaorta bieten einige Variationen ihres Ursprunges, aber nirgends Wundernetz- bildungen dar.
a) Die Arteria coeliaca theilt sieh nur in die Coronaria ventrieuli superior und die Lienalis. Erstere versorgt mit strahlenförmig aus einander laufenden Zweigen beide er ee a FE
gibt fünf Vasa brevia und eine starke Gastro-epiploica sinistra zum Magen, und dringt mit 1% Asten,
welche am Hilus der langen und voluminösen Milz durch einfache Bogen anastomosiren, in das
38
d)
2]
dieh Fig. und
J. Hyrtl.
Milzparenchym ein. -—— Die Arteria hepatica ist ein selbstständiger Ast der Bauchaorta, und verhält sich wie beim Menschen.
Die Mesenterica superior und die beiden sehr starken Arteriae suprarenales entspringen in gleicher Höhe — eine Linie unter der Hepatiea. Die Mesenterica superior versorgt nur den Dünndarm mit 32 Zweigen, welehe nur am Mesenterialrande des Darmes durch einfache Bogen anastomosiren.
Die Arteriae suprarenales, drei auf jeder Seite (zu welchen noch eine vierte, aus der Renalis ent- springende kommt), zeichnen sich durch Stärke aus. Die erste linke Arteria suprarenalis gibt die Diaphragmatica inferior sinistra ab, welche ungleich stärker als die rechte ist, indem sie durch einen hinter dem Hohlvenenloch vorbeigehenden Ast auch den grössten Theil der rechten Zwerchfells- seite versieht, während die Diaphragmatica dextra nur dem rechten Lendentheile des Zwerchfelles
ihre spärlichen Astehen zusendet.
Die beiden Arteriae renales erzeugen zugleich die Arteriae spermaticae internae, deren zwei auf der linken, eine auf der rechten Seite existiren. Sie bieten, wie die vier Paare Lendenarterien ') keine Abweichungen dar.
Theilung der Bauchaorta.
Die Hiaca communis dextra fehlt, indem die Oruralis und Hypogastrica dextra selbstständig (und t an einander liegend) aus dem Aorten-Ende hervorgehen. — Die Jliaca communis sinistra, Taf. IV, 1, lit. d, ist sehr kurz, nur 2 Linien lang, und zerfällt in die Cruralis und Hypogastrica sinistra in die Saralis media.
Verästelung der Arteria cruralis.
Die Arteria eruralis bildet an keiner Stelle ihres Verlaufes Wundernetze durch Zerfallen ihres allen ihres
Stammes; wohl aber kommen an gewissen Zweigen derselben sehr mächtige Wundernetzbildungen vor,
welche durchgehends den Typus von Wedeln oder Quasten darbieten.
a) b) c)
d) e)
f)
')
Die Reihenfolge ihrer Äste ist:
Arteria iliolumbalis , lit. h, gleich nach ihrem Ursprunge abgehend ;
Arteria epigastrica, hit. d;
Arteria eircumflewa dei, lit. k. Alle drei innerhalb des Beckens, an Stärke gleich, und durchaus ohne Wundernetze.
Ausserhalb des Beckens:
eine am Nervus eruralis in das Becken zurücklaufende Arterie für den lliopsoas (lit. /);
ein unter dem Sartorius quer nach aussen laufendes Wundernetz, lit. m, m, aus diehotomisch verästel- ten Zweigen bestehend, welches die Profunda femoris und beide Cireumflexae repräsentirt. Die aus ihm einzeln abtretenden Arterienbüschel versorgen Muskeln und Haut des Unterleibes und Oberschenkels ;
ein mit dem dicken Nervus saphenus laufendes und ihn umstrickendes Geflecht, lit. », aus langen Zweigen mit kurzen Queranastomosen gebildet. Es liegt anfangs in der Furche zwischen den Addue- toren des Schenkels und den Streckern des Unterschenkels (sendet von hier aus eine kleine Abtheilung zur Bauchwand als Zpigastrica superficialis hinauf), liegt später an der inneren Seite des Schien-
beines, wo seine Zweige zu divergiren beginnen, und theils unter den Tibialis antieus eindringen,
Ich nenne sie Lendenarterien, weil sie aus dem Bauchstücke der Aorta entspringen. Ihres Verlaufes wegen sollten die drei vorderen der-
selben Intereostal-Arterien genannt werden, da nur zwei rippenlose Wirbel vorhanden sind.
ne en
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 39
theils zum Fussrücken fortlaufen, und bogenförmig mit den Ästen der Arteria tibialis antica
anastomosiren.
Unterhalb dem Abgange dieses Wundernetzes dringt der Stamm der Arteria eruralis dieht am Kno- chen in die Kniekehle ein, und wird dort von einem dieken, breiten und feingenetzten Wundernetze umhüllt — Rete mirabile popliteum , Taf. IV, Fig. 2, lit. a. Dieses Netz gibt viele seitliche, grössere und kleinere Büschel ab, lit. 555, erstreekt sich aber selbst nieht über die Kniekehle hinaus, und lässt dadurch den Stamm der Arteria poplitea, welcher nun zur Tibialis postica wird, bald wieder frei werden.
Die drei wiehtigeren Büschel des Rete mirabile popliteum haben folgende Verbreitung:
a) Das erste geht nach aufwärts, und versorgt die Beuger des Knies.
b) Das zweite hält sich an den Nervus peronaeus, und löst sich in Zweige auf, welche theils zwischen Gastroenemius und Soleus eindringen, theils an der äusseren Seite des Unterschenkels weite Bogen bildend herablaufen. — Die Circumflexae genu externae entspringen aus ihm.
c) Das dritte lässt einen Theil seiner Zweige in die Muskeln der Kniekehle eintreten, und sendet die Circumflexae genu internae ab, während seine Fortsetzung die Membrana interossea durchbricht, und an der vorderen Seite derselben sich in zwei Plexus auflöst, von welchen der eine sich in den Ursprüngen des ungemein starken Tibialis anticus und der Zehenstrecker verliert, während der andere die Arteria tibialis antica repräsentirt. Am Rücken des Fusses, so wie im Plattfusse, hören alle Wundernetzbildungen auf, und die Arcus plantares werden bloss von einfachen Stämmehen gebildet.
Nachdem die Arteria poplitea aus dem Rete mirabile popliteum herausgetreten, verlauft sie als Arteria tibialis postica,, lit. e,c, auf gewöhnliche Weise, erzeugt keine Wundernetze mehr, und theilt sich im Plattfusse in zwei Zweige, lit. d,d, von welchen der eine sich um den inneren Rand des Sprungbeines zum Fussrücken hinaufbegibt, um mit der Tibialis antica zu anastomosiren, der andere in zwei Äste zer- fällt, deren jeder zwei Zehen mit zwei Ästehen, und den zugehörigen Rand der mittleren mit einem
Astehen versorgt. Verästelung der Hypogastrica, Taf. IV, Fig. 1.
Sie steigt gar nicht in die kleine Beekenhöhle hinab, sondern biegt sich als Umbiliealis zur Bauch- wand um, und sendet aus der eonvexen Seite dieses Bogens folgende Äste ab:
a) Ein kurzes, sich alsogleieh in ein stattliches Wundernetz auflösendes Gefäss, welches die Sacralis lateralis, Glutaea und Ischiadica vertritt, lit. 0,0, und sich sonach theils innerhalb des Beckens, theils in den Muskeln des Gesässes (zu welehen es durch das Hüftloch gelangt) ausbreitet;
b) zwei knapp neben einander entspringende Stämmehen, welche die Arteria pudenda communis und Haemorhoidalis inferior vorstellen, und geradelinig, ohne Umwege zu den Beckeneingeweiden gehen, lit. p;
c) die Obturatoria, lit. q, welche vor ihrem Ausgange aus dem Becken ein langes, aber mageres
Geflecht der Seitenwand des Beckens entlang, zu den seitlichen Muskeln des Schwanzes schickt.
Fortsetzung der Aorta als Sacralis media, Taf. IV, Fig. 1.
Die reichste Wundernetzbildung bietet die Arteria sacralis media dar , lit. vr. Drei Linien nach ihrem Abtritte aus der Hypogastrica sinistra beginnt sie von Stelle zu Stelle seitliche Aste zu treiben, welche sich plötzlich in lange Sehweife von Wundernetzen auflösen, welehe unter einander zusammenfliessen,
und dadurch zwei dieke, aus unzähligen Elementen bestehende Gefässwülste bilden, die an den Seiten der
Y . N . ne . . “>. AFEr 1 . . Sacralis media anliegen, vorwaltende Längenrichtung ihrer eonstituirenden Stämmehen zeigen, mit der
40 J. Hyrtl.
Sacralis media in den unteren Canal der Schwanzwirbel eingehen, und mit gradueller Abnahme ihrer Breite und Dicke dieselbe bis gegen das Ende der Cauda begleiten, ohne sie je gänzlich zu umschliessen. Sie legen sich nicht bloss an die Seiten der Sacralis media an, sondern verschmelzen auch über derselben, so dass die Saeralis in einer mittleren Furche der unteren Fläche der verschmolzenen Geflechte zu liegen kommt. Im Canale der Schwanzwirbel wird das Geflecht zu einem dreikantig prismatischen Strange zusammengedrängt, an dessen unterer Kante die Saeralis verlauft. — Das Geflecht sendet so viele paarige Seitenäste ab, als Wirbel gezählt werden (44).
II. DASYPUS NOVEMEINCTUS.
Geschichtliches.
Vor Allmann (1843) hat kein Anatom der Wundernetze des Dasypus erwähnt. Allmann erwähnte nur im Allgemeinen ihres Vorkommens an den Arterien der hinteren Extremitäten , an der Zpigastrica und Caudalis bei Dasypus se.weinetus. — Seine Mittheilung hierüber war ein mündlieher Vortrag, in der Versammlung ler British Assoeiation zu Cork, 1843, über welchen nur ein kurzer Bericht in dem Report of the thir- teenth Meeting of the B. A. ete., London, 184%, und zwar in den diesem Berichte hinten angehängten Notices, pag. 68, gegeben wurde. Der Bericht lautet: „The peeuliarities noticed in this communication, eonsist in the arrangement of vessels, analogous to what has been already observed in the Sloth, in the two-toed Anteater and in the Lorises, and is characterised by the arteries having a tendeney to divide rather , than to ramify, from which it results, that instead of a dilfusely branehed arterial distribution , the larger branches suddenly break themselves up into a number of small vessels, which anastomosing but sparingly, give rise to a series of vaseular peneils, from which the ultimate supply of blood to the organs is derived.”
Da ich bei der Versammlung der British Assoeiation zu Edinburg 1850 Herrn Dr. Allard über weitere Ergebnisse seiner Untersuchungen befragte, konnte ich nicht mehr, als hier gesagt, von ihm erfah- ren. Er hatte keine Injeetion angewendet.
In der herrlichen Sammlung für vergleichende Anatomie, welche das englische College of Surgeons in London besitzt, fand ich ein injieirtes Präparat der Arterien vom Armadill (Species nicht bestimmt), welehes ein Herr Williams im Jahre 1844 ausarbeitete. Die Injeetion glückte nicht so, dass es sich gelohnt hätte, eine Beschreibung dieses Präparates zu veröffentlichen und mit Abbildungen zu versehen.
In der zweiten Auflage der Edentaten von Rapp, 1852, pag. 92 und 93 heisst es ferner: „Ich fand Wundernetze an den vorderen und hinteren Extremitäten von Dasypus longicaudatus. An den hinteren Extremitäten ist dieses Wundernetz schwach, und hat Ähnliehkeit mit dem Wundernetze des grossen Amei- senfressers. Die Kniekehlenschlagader ist noch einfach, geht aber in zwei Netze über. Das eine steigt an der hinteren Seite des Schienbeines herunter, schlägt sich dann an der'inneren Seite dieses Knochens herum; das andere Netz entspricht der Wadenbeinarterie. Die Zweige sind nicht zahlreich, und haben einen gestreckten Verlauf, Auch die Saeralis media , obturatoria, ischiadica bilden Netze. Die Axillaris und Brachialis bildet kein Netz, aber Zweige derselben, wie die Circumfleva humeri posterior , Circumflexa scapulae mit der Angularis scapulae, bilden gestreckte Netze. An der Theilungsstelle der Armarterien sind wieder Wunder- netze. Eines geht durch das Loch im Condylus des Oberarmes mit dem Ulnarnerv. Bin oberflächliehes
Netz schlägt sich gegen das Oleeranon , ein anderes Netz entspricht der Radialarterie.”
beiträge zur vergleichenden Angiologie. 4
Man sieht es dieser Beschreibung an, dass sie aus der Ansicht von nicht injieirten (oder vielleicht mit Quecksilber injieirten) Gefässen, welche keine sorgfältige und weitgehende Präparation zulassen, ent- worfen wurde. Denn der zarteren Netze der Extremitäten, und jener die am Kopfe vorkommen, ist nicht gedacht worden. Ich halte es desshalb bei diesem Zustande der betreffenden Vorarbeiten nieht für über- flüssig, eine Beschreibung der wahren Verbreitung der Wundernetze des Gürtelthieres, nach den im Jahre 1849 von mir angefertigten, und dem Museum für vergleichende Anatomie einverleibten P 'äparaten zu geben, und der Kürze der Beschreibung durch mögliehst naturgetreu gearbeitete Abbildungen nachzuhelfen.
Aste des Aortenbogens.
Bei Dasypus novemeinctus Linn. , sowie bei Dasypus hybridus und sexeinetus ist der Ursprung der grossen Aortenäste wie beim Menschen angeordnet. Es findet sich eine kurze Innominata, die sich in eine Carotis communis dextra und Subelavia dextra theilt, und eine selbstständige Carotis und Subelavia sini- stra. Bei Dasypus gymnurus, von welchem ich jedoch nur einen 3 Zoll langen Embryo zu untersuchen Gelegenheit hatte, war die Innominata so kurz, und mit der linken Carotis communis so zusammengerückt, dass es den Anschein hatte, es entstünden die beiden Carotiden und die Subelamia dextra auf Einer Stelle aus dem Aortenbogen. An dem Herzen eines Embryo von Dasypus giganteus war das Ursprungsver-
hältniss wie bei Dasypus novemeinetus. Carotis communis, Taf. V, Fig. 1.
Die Carotis communis weicht insoferne von dem für die höheren Säugethiere geltenden Gesetze ab, als sie die beiden Sehilddrüsen-Arterien und ein Büschel feiner Muskelarterien erzeugt:
a) Die Art. thyreoidea inferior entspringt etwa 4 Linien über dem Ursprunge der Carotis communis. Sie ist von sehr kleinem Caliber, geht anfangs zum Seitenrande der Luftröhre, sehiekt in das fünfte bis achte Spatium intereartilagineum derselben feine Ästehen, welche mit den entgegenkommenden der anderen Seite und mit einem von der Thyreoidea superior herabkommenden Zweige anastomosiren, sendet einen Ramus oesophageus zur Speiseröhre , erreicht das untere Ende der Schilddrüse „wo sie in den Hauptzweig der T’hyreoidea superior einmündet.
b) Die Art. thyreoidea superior entspringt in der Mitte des Halses, und ist merkwürdiger Weise fast ebenso stark, wie die Fortsetzung der Carotis communis, obwohl die Schilddrüse die Grösse einer kleinen Bohne nicht erreicht. Ihre Zweige für die äusseren Kehlkopf- und Zungenbeinmuskeln sind sehr unbedeutend.
c) Kin schwaches Bündel feiner Muskeläste für den Kopfnieker und die vom Zungenbeine kommenden Rachenmuskeln. Dicht über diesen Bündel und nahe am Winkel des Unterkiefers theilt sich die Caro-
tis communis in die ewterna, lit. e, und interna, lit. d.
Carotis externa.
Die Verästelungen dieses Gefässes stimmen auf beiden Seiten nieht mit einander überein. Häufig über- nimmt der Schlagaderstamm Einer Seite die Versorgung einer Gegend, welche, bei symmetrischer Anord- Nung der beiderseitigen Äste, von der anderen Seite her ihre Blutzufuhr erhalten sollte. Ich schildere dess- halb nur die Verzweigung der rechten Carotis externa, und bemerke die Abweichungen der linken am betreffenden Orte.
Sie erzeugt ausser unbedeutenden Ramis museularibus, einer mit dem Vagus in die Sehädelhöhle gehenden Meningea lateralis posterior , und einer schwachen Pharyngea folgende, erheblichere Zweige:
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl. VI, Bd. 6
42
a)
)
J. Hyrtl.
Die Art. oceipitalis, lit. e, welche an der äusseren Seite des Nervus hypoglossus zum Hinterhaupte
aufsteigt, und nachdem sie mehrere Muskelzweige und einen Verbindungszweig zur Arteria verte-
bralis (der durch einen eigenen Canal im ersten Halswirbel eindringt), abgegeben, in ein Büschel von 8 Arterien zerfällt, deren eine durch Grösse vor den übrigen ausgezeichnet, in die Diplo& des
Os temporale eindringt. Ich nenne sie desshalb Arteria diploötica magna. Diese nur bei den Eden-
taten vorkommende Arterie verlauft durch die schwammige Substanz der Sehläfenschuppe nach
vorne, schiekt längs einer Linie, welche mit der Anheftung des Tentorium übereinstimmt, einen stärkeren Zweig nach aufwärts, sendet viele, aber sehr feine Zweigehen in die Schädelhöhle zur Dura mater, und anastomosirt bogenförmig mit anderen Arterüis diploötieis , welehe am geeigneten Orte namhaft gemacht werden. An der Schläfe-Stirnbeinnath geht der Stamm dieser Arterie aus der
Diploö in die Schädelhöhle ein, lagert sich in einer nach oben eonvexen Furche an der inneren
Fläche des Stirnbeins, anastomosirt einigemale mit Zweigen der aus der inneren Kiefer-Arterie ent-
sprungenen Meningea media, dringt sodann wieder in die Diplo& des Stirnbeins ein, wo sie sich in
zwei Zweige theilt, deren einer an die äussere Oberfläche des Schädels geht und sich in den Tempo-
:alis einsenkt, während der andere in der Diplo& des Stirnbeins verbleibt, eine Richtung nach aufwärts
einschlägt, und seine Endäste durch Löcher der äusseren Tafel in die weichen Bedeekungen des Schä-
dels abschiekt. — Wo immer die Arteria diploetica magna oder ihre grösseren Zweige verlaufen mögen, so sendet sie zahlreiche feinere Zweige in die die Aussenlläche des Schädels einnehmenden Mus- keln, besonders in den Temporalis ab, und es lässt sich hieraus die Bedeutung jener zahlreichen, an der
Schläfensehuppe, am Stirn- und Scheitelbein bei allen Dasypus-Arten vorkommenden Löcher entnehmen.
Einen 4 Linien langen gemeinschaftlichen Stamm für die Art. lingualis und maxillaris externa, lit. 9.
a) Die Art. lingualis, lit. h, von gleicher Stärke mit der Maxillaris externa, versorgt mit langgestreck- ten und wenig verästelten Zweigen die Muskeln der Zunge. Sie verästelt sieh nieht bloss in den Muskeln der rechten, sondern sendet lange und während ihres Laufes wenig oder gar keine Sei- tenäste abgebende Zweige zu den Muskeln der linken Halsseite. Die rechte ist schwächer als die linke, und die eigentlichen Zungenzweige beider entspringen zu beiden Seiten des Hauptstam- mes unter rechten Winkeln. Die rechte Lingualis verliert sich schon in der Mitte der Zungenlänge, während die linke sich genau an die Mittellinie der Zunge hält und bis in ihre Spitze fortlauft.
p) Die Maxillaris externa, lit. i, entsendet zuerst ein Gefässbündel, lit. k, für die sehr umfangs- reiche Unterkieferdrüse und ihren Speichelbehälter, tritt über den Unterkiefer an das Antlitz, und schiekt die starke Art. submentalis, welche von einigen untergeordneten feinen und unverästelten Arterienzweigehen begleitet wird, zu den Muskeln des Mundhöhlenbodens herab. Da diese Äste wie jene der Lingualis dextra in die linke Seite übergreifen,, so ist die Submentalis sinistra bei- läufig viermal schwächer als die rechte, und hat sich schon in der Hälfte der Kieferlänge bis zum Verschwinden erschöpft, während die rechte für beide Seiten der Regio submentalis sorgt, und bis zur Symphysis menti gelangt.
Die Maxillaris externa wird nun von der flachen Parotis bedeckt, und löst sich dureh dischoto- misches Zerfallen in ein Büschel von ungefähr 20 langgestreckten , feineren und gröberen Ästen auf, unter denen nur Einer, durch seinen grösseren Umfang bemerkbar, die Fortsetzung des
° ursprünglichen Hauptstammes andeutet. Die gröberen Stämmehen des Büschels theilen sich fort- während, fliessen bogenförmig zusammen, oder anastomosiren spitzwinkelig, um sich neuerdings zu spalten, und auf diese Weise ein Strahlen-Wundernetz von der schönsten Art zu bilden, in wel- chem ein durch seine Grösse den übrigen überlegener Stamm unterhalb des Nervus infraorbitalis
verlauft, bis zur Sehnauzenspitze gelangt, und dort einfach umbeugt, um mit einem ähnlichen,
beiträge zur vergleichenden Angiologie. 43
aber schwächeren eine Schlinge zu bilden. Das ganze Ansehen des Netzes, welches ich Rete mirabiüle faciale nennen will, lit. 277, stimmt mit der Form eines menschlichen Pes anserinus major überein. Die einzelnen feineren Zweige dieses Netzes steigen theils über den dieken Fleisch- bauch des von der Jochbrücke entspringenden Hebers der Schnauze auf den Rücken der letzte- ren empor, theils dringen sie zwischen ihn und den tiefliegenden Muskel derselben Wirkungsart ein, oder dehnen sich in den Muskeln der Ober- und Unterlippe bis zum Kinne hin, theils begleiten sie die Fortsetzung des Hauptstammes, bis in die Spitze der Schnauze.
Es ist kaum möglich eine genaue Beschreibung der zahlreichen Strahlungen des Gesichts- Wundernetzes zu geben, ebenso als ich an der Möglichkeit einer vollständigen Präparation dessel- ben verzweifelte, da die häufig haarfeinen, zahllosen Elemente einzelner Strahlungen des Netzes die Muskeln der Schnauze und der Backen in den mannigfaltigsten Richtungen durchdringen, so dass einem selbst das Zählen, geschweige denn das Verfolgen derselben verdriesst.
Die Fortsetzung des Carotis externa steigt nun hinter dem Aste des Unterkiefers bis zum Halse dieses Knochens hinauf und schickt daselbst
ce) eine kurze, alsbald in zwei Zweige gespaltene Arterie ab, welche als Auricularis posterior auftritt, lit. m.
Ihre beiden Zweige entfalten sich zu schönen, strahligen Wundernetzfächern, deren einer dem Mea-
tus auditorius (welcher ganz von ihm bedeckt wird) allein angehört, während der andere sich nicht
bloss in diesem, sondern auch in der Parotis und dem Sehläfemuskel verbreitet.
Nun geht die Carotis externa mit scharfer Krümmung an die innere Seite des Halses des Unterkiefers, lit. », und muss ihres ferneren Verlaufes, und ihrer mit Maxillaris interna des Menschen übereinstim- menden Verästelung wegen , als Mawxillaris interna genommen werden.
Sie erzeugt, während sie an der inneren Seite des Unterkieferhalses vorbeistreicht, folgende, häufig
in kleine Bündel zerfallende Zweige:
a) Eine fast haarfene Transversa faciei, welehe um den Kieferhals herum nach aus- und vorwärts auf den Masseter tritt, aber schon in der Hälfte des Jochbogens ihr Ende erreicht.
9) Einen Ramus anastomoticus zur Arteria auricularis posterior.
y) Die sehr ansehnliche Alveolaris inferior , welche viele, aber zarte Zweige in die Muskeln des Mundhöhlenbodens. und einen starken Ast für die Pterygoidei abgibt, in ihrem Verlaufe dureh den Canalis alveolaris einfach bleibt, und beim Austritte aus demselben mit dem vom Rete mirabile faciale zum Kinn abgesendeten Gefässwedel nur durch einen feinen Commuwnicationszweig sich verbindet.
0) Zwei Temporales profundae , welche sich in einen kleinen, fünfstämmigen Gefässwedel auflösen, und von diesen eine Meningea media, welche durch dasselbe Loch, durch welches der dritte Ast des fünften Nervenpaares aus dem Schädel austritt, in diesen hineingeht, und sich in einen vorde- ren schwächeren, und hinteren stärkeren Ast spaltet, von welchen besonders der letztere öfters mit penetrirenden Zweigehen der Arteria diploötica magna (Ast der Oeceipitalis) anastomosirt.
&) Eine ansehnliche Arterie, welche ich Orbito-ethmoidalis nennen will, da sie durch die Augenhöhle und über den Nervus opticus weg zu einem Loche des Stirnbeins zieht, in welchem sie eine starke Arteria diploötica absendet, und durch welches sie selbst in die Schädelhöhle gelangt, um an der Bildung jenes Netzes Antheil zu nehmen, welches auf der Lamina eribrosa des Siebbeins aufliegt, und bei der Betrachtung der Carotis interna ausführlicher zur Sprache kommen wird.
%) Zwei Zweige, welche sich in einen für die Harder’sche Drüse bestimmten Gefässfächer auflösen.
7) Ein einfacher und unansehnlicher Ramus massetericus, der vor dem Unterkieferaste zu dem gleichnamigen Muskel geht.
9) Ein schwacher Gefässwedel für den inneren Flügelmuskel.
AA m Hyrtl.
Von nun an legt sich die Maxillaris interna an den Nervus infraorbitalis an, geht jedoch nicht mit ihm durch den kurzen Canalis infraorbitalis, sondern gibt) ihm bloss kleine, sehr unbedeutende Ernäh- rungszweige, und löst sich in eine Partie von Zweigen auf, deren einige in die Nasenhöhle eindringen, während die übrigen an der Aussenfläche des Oberkiefers weiter nach vorne verlaufen, um mit den tieflie- genden Gefässzügen des Aete mirabile faciale zu verschmelzen. — Von den in die Nasenhöhle eintreten- den Endzweigen der Mawillaris interna ist der durch das Foramen sphenopalatinum gehende besonders stark. Er löst sich in ein, die Concha narium inferior deckendes, langmaschiges und spitzwinkeliges Netz auf, welches mit den in der Nase der Wiederkäuer und des Schweins von mir beschriebenen Wundernetzen einige Ähnlichkeit hat '), aber bei weitem nicht jene Fülle von Gefässen darbietet, wie diese.
Carotis interna, Taf. V, Fig. 1, lit. ce und Fig. 2, lit. za.
Die Carotis interna bietet dieselben Krümmungen wie beim Menschen dar, und geht durch einen anfangs im inneren Winkel des Pauckenknochens und dann zur Seite des hinteren Keilbeinkörpers befindli- chen Canalis caroticus in die Schädelhöhle. Hier gibt sie nach einwärts an die Hypophysis, und nach aus- wärts an den ungemein kraftvollen zweiten Ast des fünften Paares Nebenäste, dann erzeugt sie eine sehr schwache Ophthalmiea, welche mit langgestreekten und äusserst feinstämmigen Netzen den Nervus optieus umspinnt, und ausser dem Bulbus und den Muskeln desselben kein anderes nachbarliches Organ versorgt, und erhebt sich hierauf zur Gehirnbasis, wo sie sich folgendermassen verhält. Sie nimmt zuerst die sehr feine Communicans von der Profunda cerebri auf, Taf. V, Fig. 2, lit. 55, und sendet dann nach aussen eine zarte und eine viel stärkere Arteria Fossae Sylvii ab, lit. ce. (Letztere versorgt ausschliesslich die ganze vordere Masse der Hirnhemisphäre, indem sie dieselbe umgreift, und ihre Endzweige bis zum ‚Pro- cessus faleiformis hinaufreichen). Hierauf theilt sich die rechte Carotis interna in zwei Zweige. Der erste ist für den Riechkolben bestimmt, und geht mit diesem auf die obere Fläche der Lamina eribrosa des Sieb- beins, lit. d (er kann Arteria bulbi olfactorii heissen). Der zweite, lit. e, krümmt sich nach einwärts, und steigt in der Mittellinie der Basis cerebri als einfache, unpaarige Arteria corporis callosi zu seinem Bestimmungsorte empor. Die linke Carotis theilt sich nieht in zwei Äste, erzeugt keine Arteria corporis callosi, sondern geht, ohne mit der rechten irgendwie zu anastomosiren, als Arteria bulbi olfactorii sinistri zur Siebplatte des Riechbeins. (Der Circulus Wülisii ist somit vorne nicht geschlossen.)
Beide Arteriae bulbi olfactorii lösen sich auf der Siebplatte in ein diekes, starkes Netz auf, welches dureh die früher erwähnte Intervention der Arteria orbito-ethmoidalis bedeutende Verstärkung erhält. Ich nenne dieses Netz Rete mirabile olfactorium. Das rechte und linke communieiren nieht mit einander, da die lange und hohe Crista galli sieh zwischen beide einschiebt. Das Netz hat so viele Maschen , als die Lamina eribrosa Öffnungen besitzt. Durch jede Öffnung geht ein Zweig aus dem Netze in die Nasenhöhle hinunter (mit dem betreffenden Zweige des Riechkolbens). In der Nasenhöhle verbreiten sich einige dieser Zweige baumförmig auf den Blättern des Siebbeinlabyrinthes, während andere, 18 an Zahl, an der Nasen- scheidewand schräg nach vor- und abwärts ziehen, sich diehotomisch theilen und unter einander anastomo- siren, wodurch ein sehr langgedehntes und weitmaschiges Netz entsteht, welches an das Nasenscheidewand- Wundernetz der Wiederkäuer erinnert. — Das Fete olfactorium schickt auch eine feine Arteria diploetica in das Stirnbein.
Subelavia.
Die Subelavia ist um ein gutes Drittel stärker als dis Carotis communis, und erzeugt, bevor sie zwi- schen der ersten Rippe und dem Schlüsselbein durchgeht, folgende Aste:
1) Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, I. Band.
4)
2)
beiträge zur vergleichenden Angiologie. 45
Mammaria interna. Sie ist von erheblicher Stärke, aber weder durch Verlaufsweise, noch durch Vor- kommen von Wundernetzen ausgezeichnet. Ihre Rami perforantes sind, der Mächtigkeit der Brust- muskeln entsprechend, stark entwickelt. Ihr Hauptstamm lenkt am sechsten Rippenknorpel nach aussen ab, und folgt den Rippenursprüngen des Zwerchfelles, welchen er, so wie den breiten Bauch- muskeln seine langen, dünnen und wenig verästelten Endzweige zuschickt.
Vertebralis. Sie nimmt den gewöhnlichen Verlauf durch die Querfortsätze der sieben Halswirbel, ist jedoch während dieses Verlaufes nicht geradlinig, sondern spiral aufgedreht, anastomosirt an den Zwischenwirbellöchern mit Zweigen der Cervicalis ascendens, und in dem Querfortsatze des Atlas mit einem Aste der Oceipitalis, vereinigt sich erst weit vorne in der Schädelhöhle mit der Vertebralis der anderen Seite zur Basilaris, Taf. V, Fig. 2, lit. f, welehe sich nach Abgabe zahlreicher und unsymmeftrischer Seitenäste (für denPons, das kleine Gehirn, und das innere Gehörorgan) in die bei- den Profundae theilt, lit. 9,9, deren jede mit der Carotis interna durch eine sehr schwache Commu- nicans posterior anastomosirt.
Der Verlauf der Wirbelarterie weicht somit von dem Vorbilde der höchsten Wirbelthiere nicht im
Geringsten ab.
3. Arteria costo-cervicalis. Sie versorgt die beiden ersten Spatia intercostalia mit schwachen Arterüis
intercostalibus, und lässt ihren Hauptstamm durch einen Canal im Querfortsatz des ersten Brustwirbels in
die Rückenmuskeln übertreten, wo er sieh in fünf, strahlig divergirende, lange, und nur einmal gabelig
getheilte Äste auflöst.
Ak. Arteria cerdicalis ascendens. Diese Schlagader zerfährt „leich nach ihrem Ursprungee in lanze 5 8 8 5%
dünne, geradlinige, wenig verästelte Zweige, welche folgende Bestimmungen haben:
a)
Der erste geht vor dem Plexus brachialis zur Wirbelsäule, und geht mit drei Zweigen, durch die drei hinteren Interverlebrallöcher der Halswirbelsäule zur Arteria vertebralis, mit welcher die drei Zweige
anastomosiren.
b) Der zweite eeht unter dem Sternal-Ende des Schlüsselbeins dureh nach aussen, und zerfällt in ein oO ’
Bündel von Zweigen, welche theils die Brustmuskeln (Pectoralis major et minor), theils den Ursprung des Kopfnickers versorgen, theils zwischen dem Subelavius und dem Schlüsselbeine sich nach aus- und aufwärts zur Schulter begeben, um sieh mit feinen und spärlichen, diehotomisch gespaltenen
Ästen in die Nähe des Schultergelenkes zu verlieren. Eine Partie dieser Äste dringt unter den
Deltoides als Circumflexa humeri anterior ein.
ec) Ein dritter geht an der inneren Seite des Sternal-Ursprunges des Kopfnickers und über der Artieu-
d)
latio sterno-clavicularis zu den Muskelursprüngen in der Jugulargegend.
Ein vierter — die Fortsetzung des Stammes der Arterie — lauft hinter dem Kopfnieker am Halse
herauf, gibt diesem Muskel und dem Longus colli Zweige, schiekt durch die Zwischenwirbellöcher (3.—2.) Äste, welehe mit der Vertebralis anastomosiren, und verliert sich zuletzt in der bis zum
Sehlüsselbeine herabreiehenden Unterkiefer-Speicheldrüse.
e) Überdies lösen sich vom Stamme der Cervicalis ascendens zahlreiche Zweige ab, welche theils über
das Schlüsselbein und Aeromion zu den Schultermuskeln gelangen, theils in der Regio supraspinata sich in den Muskeln dieses Namens, so wie in dem Levator scapulae und Oueullaris auflösen. Diese Äste zei- gen eine merkliche Tendenz zur Bildung von Wundernetzen, indem ihre zahlreichen Theilungsäste lange parallel neben einander. liegen, und erst an den Muskeln, für welche sie bestimmt sind, divergiren.
5. Jenseits des Schlüsselbeins folgen zwei Arteriae thoracicae externae, eine obere und untere.
Die erstere ist schwächer, und verästelt sich unter dem Serratus; letztere ist stärker, und vertheilt ihre
langen, schlanken Aste zwischen dem Serratus und den Pectorales.
nn
6 J. Hyrtl.
PS
6. Eine lange Arterie, welche mit dem Nervus cutaneus ulnaris bis zum Ellbogen und Vorderarm herabsteigt, und auf diesem Wege ihre langen, diehotomisch getheilten Zweige, zur Haut und den ober- flächlichen Muskeln schickt.
7. Nun folgt ein kurzer, in viele Strahlen zerfahrender Gefässstamm, Taf. VI, Fig. 1, Iit. b, weleher
“ l ebenso stark wie die Fortsetzung der Subelavia ist, und folgender Verästelungsnorm unterliegt. Er theilt | sich gleich nach seinem Abgange von der Subelavia in zwei Hauptstämme.
| Der obere, lit. e, geht, nachdem er mehrere Zweige zu dem Musculus subscapularis und zu dem Schultergelenke entsendete , zwischen dem langen Kopf des Triceps und dem Teres major dureh, und löst sich in ein strahliges Wundernetz auf, dessen parallel neben einander liegende Stämmehen nicht durch Quer- äste anastomosiren, später nach allen Richtungen aus einander fahren, um nach einfacher oder wiederhol- ) ter gabelförmiger Theilung in jene Muskeln einzugehen, welehe an der Spina scapulae haften.
| Der untere, lit. d, ist stärker, sendet zum Subscapularis, Infraspinatus, Latissimus dorsi und Teres I zahlreiche kleinere Gefässbündel, versorgt auch den Trieeps mit langen, geradegestreckten, wenig ver- ästelten Zweigen, welche bis zum Ellbogen herabgelangen, und löst sich zuletzt in einen breiten, dieken | Gefässplexus auf, dessen Stämmehen nicht in einer Ebene parallel neben einander liegen, sondern sich mannigfach deeken, und am unteren Winkel des Schulterblattes zu divergiren beginnen, um in die Haut des Rückens und in die Muskeln an der Seitenwand des Stammes einzudringen. — Es ergibt sich aus die- sem Verhalten, dass das fragliche Gefäss die Cireumflexa humeri posterior, die Subscapulares, Circumflexa scapulae , und die Thoracica longa repräsentirt.
Der nach Abgabe der bis jetzt beschriebenen Äste noch übrig bleibende Theil der Arteria sub- \ elavia lauft als Arteria brachialis an der inneren Seite des Oberarmes herab, folgt jedoeh nicht der Rich- tung des Oberarmknochens, sondern kreuzt sich mit ihr von hinten und oben nach vorne und unten, und erzeugt während seines Verlaufes eine Reihe von flachen, feinstämmigen Wundernetzen, deren Gefässe ent-. weder ungespalten und parallel verlaufen, und nieht mit einander anastomosiren, oder kleine Inseln bilden, und mehrfach durch Queranastomosen zusammenhängen.
1. Das erste dieser Netze , Taf. VI, Fig. 1, lit. e, entwickelt sich aus drei kurzen, dicht neben einander
entspringenden Zweigen der Arteria brachialis, geht mit dem Nervus radialis um die hintere Seite des
Oberarmbeins schief nach aus- und abwärts herum, gelangt in die Furche zwischen Biceps brachii und Supinator longus, schiekt eine Abtheilung längs des Supinator longus an der Aussenseite des Vorderarmes herab, und lässt seine Stämmehen an der äusseren Wand der Plica cubiti aus einander fahren, um den ) Bieeps und die Haut an der Beugeseite des Vorderarmes zu versorgen. — Das Netz entspricht der Pro funda brachii. Seine parallelen Stämmehen bilden Inseln, und anastomosiren unter einander.
2. Unmittelbar unter 1 entspringt ein schwächeres Wundernetz, lit, f, welches zwischen dem
mittleren und kleinen Kopfe des Trieeps nach aussen geht, hinter dem Condylus externus humeri herab-
steigt, und die am Oleeranon haftenden Muskeln versorgt. Es repräsentirt die Arteria collateralis radialis. Seine Stämmehen bilden keine Anastomosen.
3. In gleicher Höhe mit 2 entspringt eine kurze, alsbald in zwei Zweige zerfallende Arterie,, lit. 9, welche die Circumfleva humeri anterior und die Nutritia brachii darstellt. Erstere geht nieht um den Hals des Oberarmes herum, sondern verliert sich im Biceps brachü.
4. Ein der Collateralis ulnaris superior analoges, aus einem einfachen , nur 1'/; Linien langen Stämmehen sich entwiekelndes, in mehrere Zungen gespaltenes Wundernetz, lit. h. Es schickt seine klei- neren Bündel, mit einigen einfachen, langen und astlosen Zweigen, zum Condylus internus humeri herab,
% wo sie sich theils in die am Oleeranon befestigten Muskeln (Triceps und Latissimus dorsi) , theils in jene,
welche vom Condylus internus humeri entspringen , verlieren. Die Fortsetzung des Netzes geht mit dem
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. AT I { h b
Nervus ulnaris in der bekannten Furche an der Streekseite des Ellbogengelenkes weiter herab, und ver- liert sich im Trieeps, und in der tiefen Schichte der vom Condylus internus entspringenden Muskeln. 5. Das vorletze Wundernetz,, lit. @, der Arteria brachialis entspringt aus einem einfachen Seitenaste
derselben, 2 Linien unter A, geht, in zwei Zungen gespalten, vor dem Condylus internus herab, erhält von
dem gleich zu beschreibenden Rete mirabile radiale zwei Verstärkungsäste, und schlägt sich über das am Condylus internus entspringende Oonvolut der Beugemuskeln nach einwärts hinüber, wird bedeckt vom | N Latissimus dorsi, und verliert sich zuletzt in der hochliegenden Beugerschicht. Es wäre dieses Netz mit der | Collateralis ulnaris inferior zu vergleichen. 6. Das letzte Wundernetz der Arteria brachialis, repräsentirt die Arteria radialis, lit. k. Bevor nämlich | | die Armarterie in den Canalis supracondyloideus eingeht, schiekt sie 3 Seitenäste ab, welche sich durch schnell wiederholte Theilungen in ein feinstämmiges Rete mirabile auflösen, welches über das untere Ende des Biceps | wegzieht, sich in die Furche zwischen Supinator und Pronator teres einlagert, den genannten Muskeln ein- | fache Äste zusendet, und längs des Radius bis auf den Handrücken he ‘abgeht. Während dieses Laufes sendet |) \ es fortwährend lange und dünne Zweige zur Streckseite des Vorderarmes, lit. //, ab, welehe unmittelbar unter der Faseia antibrachii gleichfalls zum Handrücken herabsteigen, und dureh Spaltung und Verbindung unter einander ein weitmaschiges Netz bilden , welches sich über den Vorderarm und Handrücken ausbreitet, und dessen letzte Ausläufer als Arteriae digitales dorsales theils auf dem Rücken der Finger die weitmaschige
Netzbildung wiederholen, theils in die Hohlhand dringen , um mit den hier vorfindlichen Verästelungen der
Arteria ulnaris zu anastomosiren. i \ Die Fortsetzung der Arm-Arterie (welehe man nun schon Arteria ulnaris nennen sollte), passirt nun | den Canalis supracondyloideus bei lit. m, in Begleitung des Nervus medianus, und eharakterisirt sieh in 1 ihrem weiteren Verlaufe als Arteria wlnaris. Noch innerhalb des Canalis supracondyloideus schickt sie einen | starken Seitenast ab, welcher sich in ein weiches Wundernetz (Bete mirabile interosseum) umwandelt, lit. n. i Dieses Netz lagert sich in die Tiefe der Ellbogenbeuge ein, und löst sich daselbst in eine Reihe von klei- ö neren Flammen auf, welche auf folgende Weise verwendet werden. a) Ein schwacher, nur aus 3 Stämmcehen bestehender Zug legt sich an die Arteria ulnaris an, lit. 00,
begleitet sie eine Strecke weit, und verlässt sie wieder, um in die hochliegenden Beuger einzudringen.
b) Mehrere Abtheilungen laufen den Arterüs unaribus et radialibus recurrentibus analog, zu den ent- sprechenden Arterüs collateralibus entgegen , um mit ihnen zu anastomosiren. | c) Mächtige Bündel dringen in alle Beugmuskeln ein, während d) die Fortsetzung des Netzes auf dem Zwischenknochenbande weiter zieht, und eine Menge einfacher, perforirender Zweige zu den Streckern absendet. |
e) Die Nutritiae radii et ulnae sind einfache Zweige des Rete interosseum. \ Ist die Arteria ulnaris aus dem Canalis supracondyloideus herausgetreten, so verlauft sie nicht an der Ulna, sondern mehr an der Radialseite des Vorderarmes, zwischen dem Radialis internus und hoch- liegenden Fingerbeuger zur Hand herab, gibt während dieses Laufes keinen einzigen Sei- tenast ab, indem die scheinbar von ihr abgehenden feinen Zweige, Fortsetzungen jener Abtheilung des tete mirabile interosseum sind, welches sieh weiter oben als Begleiter an die Ulnarschlagader anschloss. In der Hohlhand löst sie sich in 3 Arteriae digitales communes volares, lit. p, auf, von welehen die mittlere
die stärkste ist. Alle Fingerzweige der Digitales communes treten am Nagelgliede durch besondere Canäle
in das Innere des Knochens ein. ” Er Die Arteria digitalis communis prima, Taf. VI, Fig. 2, lit. b, theilt sich in zwei Zweige, welche für den Ulnarrand des Daumens, und den Radialrand des zweiten Fingers bestimmt sind. Die für den Ulnarrand des |
Daumens bestimmte Arterie (Digitalis pollicis ulnaris) anastomosirt mit einem aus den Dorsalnetzen der
48 J: Hyril.
Arteria radialis entsprungenen, und in die Hohlhand durch den ersten Zwischenknochenraum eindringenden Zweigehen. (Am Radialrande des Daumens findet sich ein gleichfalls aus dem Dorsalnetze entsprungenes Gefüss — Digitalis pollieis radialis, lit. ce.) — Die für den Radialrand des zweiten Fingers abgehende Arterie (Digitalis radialis digiti secundi) anastomosirt am zweiten Gliede mit einem tiefliegenden Aste der Digitalis ulnaris desselben Fingers.
Die Arteria digitalis communis secunda, lit. d, versorgt mit zwei Zweigen den Ulnarrand des zwei- ten und den Radialrand des dritten Fingers. Noch bevor sie sich theilt, gibt sie einen, in zwei Äste zer- fallenden Ramus profundus , lit. e ab. Jeder dieser Äste löst sich wieder in zwei Zweige auf, deren einer an der Volarseite der ersten Phalanx mit einem entgegenkommenden Zweige des Dorsalhandnetzes einen tiefliegenden Bogen, lit. ff, bildet, während der andere auf den Rücken der Hand hinaufgeht, um mit Zweigen des Rückennetzes zu anastomosiren, und an der Bildung der Arteriae digitales dorsales zu parlieipiren. Ebenso machen es die zwei Endäste der Art. digitalis communis secunda am zweiten Gliede der von ihnen versorgten Finger. Sie bilden an der zweiten Phalanx der betreffenden Finger tiefliegende Bogen, senden einen Zweig zu den Digitales dorsales hinauf, und dringen an der letzten Phalanx in den Knochen, lit. 9.9, in welehem sie jedoch nicht bogenförmig anastomosiren, sondern in mehrere Ästehen gespalten, den Kno- chen von innen nach aussen durchdringen, und im Nagelbette sich verbreiten. (Bei einigen anderen klauen- tragenden Thieren — besonders schön bei Phoca und Bradypus — habe ich dasselbe Eindringen der Arteriae digitales in das Innere der letzten Phalanx beobachtet.)
Die Arteria digitalis communis tertia, lit. h, versorgt den Ulnarrand des dritten und den Radialrand des vierten Fingers, hilft die tiefliegenden Fingerbögen bilden, und verhält sich sonst wie die beiden ande- ren Digitales communes.
Die Digitalis ulnaris des vierten Fingers ist ein Zweig des Handrückennetzes. Es ergibt sich aus dieser Darstellung, dass weder ein hoher, noch ein tiefer Arcus volaris existirt, dagegen am ersten und zweiten Fingergliede tiefliegende Bögen vorkommen, welche am ersten Gliede des zweiten und dritten Fingers durch Anastomose der Äste des Ramus profundus der Digitalis communis secunda wit Hohlhand- zweigen des Handrückennetzes, am zweiten Gliede durch Anastomose tiefgehender Zweige je zweier Digi- tales propriae entstehen.
Aorta abdominalis.
Die Unterleibs-Aorta und ihre Äste bieten, mit Ausnahme des Fehlens der Spermatica interna, keine auffallende Abweichung vom Typus der höheren Säugethiere und des Menschen dar. Ihre Äste sind:
a) Die Coeliaca mit ihren bekannten drei Hauptzweigen. Ihr Stamm besitzt eine Länge von 4 Linien, und erzeugt reehts und links eine Art. diaphragmatica. Die linke ist dreimal so stark als die rechte. Unter ihren Ästen ist die Coronaria ventriculi die stärkste, und versorgt die vordere und hintere Magenfläche. Sie hält sich nicht an den kleinen Magenbogen , sondern lässt ihre starken Äste in der Richtung der Zirkelfasern verlaufen. Um die Cardia (welehe mit einer klappenartig zugeschärften Sehleimhautwulst versehen ist), bilden zwei ihrer ersten Äste einen Kranz. Die Gastro-epiploicae, deren Ursprung der Hepatica und Lienalis angehören , sind äusserst schwach.
b) und c) Mesenterica superior und inferior. Die Superior entspringt 2 Linien unter der Coeliaca, welche sie an Stärke übertrifft. Sie verläuft geradlinig durch das Mesenterium, welches nebst dem Dünndarm auch das dicke Gedärm suspendirt. Während dieses Laufes (9 Zoll) gibt sie 27 Äste ab, von wel-
chen die & letzten an Volumen die stärksten — für den Diekdarm bestimmt sind. Sie spalten sich gabelförmig, und bilden mit den entgegenkommenden Asten grosse Bögen, aus deren convexem
Rande 4-—6 schwächere Arterien zur Bildung einer zweiten Reihe von kleineren Bogen hervortreten,
auf welehen noch eine dritte Folee von Gefäss-Arkaden aufsitzt. Am Anfange des Diekdarmes sind die fe) =
2
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 49
Gefässbogen kleiner und unregelmässig — gross und klein durch einander gemischt — einem ungleichmaschigen Netze ähnlich. Der letzte Ast der Mesenterica sup. , weleher dem ersten gegen- über entspringt, anastomosirt im weiten Bogen mit dem aufsteigenden Aste der Mesenterica inferior, welche einen halben Zoll über der Theilungsstelle der Aorta entspringt, und deren einfache Gefäss- bogen, sieben an der Zahl, bis zum Mesenterialrande des Darmes sich erstrecken.
d) und e) Die Suprarenales und Renales bieten keine bemerkenswerthen Abweichungen dar, gleiehwie die
der Zahl der Lendenwirbel entsprechenden Arteriae lumbales. Die Rami spinales der letzteren sind ungewöhnlich stark. Am letzten Lendenwirbel theilt sich die Aorta dergestalt, dass die Cruralis und Hypogastriea,
Taf. VII, lit. AB, linkerseits getrennt aus dem Aorten-Ende hervorgehen, während sie rechterseits aus
einer sehr kurzen Miaca communis , ibid., lit. C, entstehen.
Verzweigung der Arteria cruralis, Taf. VI, lit. B.
Innerhalb des Beckens gibt die Arteria eruralis folgende zwei, in breite und flache Wundernetz-
zungen zerfallende Aste ab:
a) Arteria spermatica interna, lit. a. Sie löst sich nach einem halbzölligen Verlaufe in zwei Zweige auf:
@) Der stärkere Zweig geht an der hinteren Wand des offenen Processus vaginalis peritonei durch den Leistencanal, und löst sich in mehrere Wundernetzzüge auf, welche theils an die Bauchwand treten, theils zum Hoden und Nebenhoden herabsteigen.
P) Der schwächere Zweig geht als Arteria vesicalis zur Harnblase, an welcher seine strahlig auseinan- derlaufenden Äste weitmaschige Netze bilden.
5) Gerade am Austritte aus dem Becken folgt eine starke Schlagader, welche eine Richtung nach innen
a)
und unten einschlägt, bedeckt von den am Schambein entspringenden Muskeln sich zum Foramen obturatorium herabkrümmt, lit. b, und daselbst in zwei Wundernetzstrahlen divergirt, deren einer mit dem Wundernetze der Arteria obturatoria zusammenfliesst, lit. e, während der andere ‚it. d, sieh über dem kleinen Trochanter an die hintere Seite des Oberschenkels begibt, wo er sich in den Muskeln verliert. (Ein Stellvertreter der Arteria profunda femoris.)
Ausserhalb des Beckens entspringen:
Arteria epigastrica inferior , lit. ce, deren Zweige sich in schmale, drei- oder vierstämmige, lange
Wundernetzstreifen auflösen.
b) Ramus psotcus für den gleichnamigen Muskel. Er zerfällt in ein Büschel von Zweigen, welehe nicht
mehr anastomosiren.
%) Arteria eircumflexa ilei, lit. f. Sie ist dureh ihre Mächtigkeit und die Stärke ihrer bandförmigen Wun-
dernetzzüge ausgezeichnet. Es lassen sich an ihr vier divergirende Züge verfolgen:
2) Der erste bleibt an der inneren Oberfläche der unteren Bauchwand, verästelt sich baumförmig, und bildet keine Wundernetze , lit. g.
P Der zweite gelangt an die äussere Oberfläche der Bauchwand als Kpigastriea externa, und zerfällt in einen Gefässwedel von 12 starken Stämmen, lit. %, welche parallel neben einander liegen, sich gabelig theilen, und neuerdings zusammenfliessen, und endlich nach allen Richtungen ausein- anderstrahlen.
7) Der dritte, lit. ‘, welcher das Ansehen des zweiten darbietet, geht nach hinten und oben, und spaltet sich in zwei Zungen, deren eine zu den Muskeln und der Hautbedeekung des Rückens zieht, während die andere schwächere in die Gesässmuskeln eindringt.
Denkschriften der mathem.-naturw. Cl, VI. Bd.
I
50 J. Hyrtl.
d) Ein vierter schiebt sich zwischen den Reetus eruris und Curalis ein, und gelangt mit seinen letz-
ten Ausläufern bis zum Kniegelenk herab , lit. &.
d) Nun folgt eine an beiden Extremitäten nicht symmetrische, spärliche Folge von hoch- und tiefliegenden , unansehnlichen Muskelzweigen, eine starke Nutritia femoris, lit. l, und eine eben solche Superficialis genu, wo auf zuletzt noch ein schmales Bündel von Arterien, welches sich über das untere Ende des Oberschenkelbeines herumlegt, lit. m, aus dem Stamme der Cruralis abgeht.
Nun dringt die Cruralis als Poplitea in die Kniekehle ein, und löst sich hier in der That in eine grosse Menge langer und feiner Zweige auf, unter welchen ein grösserer existirt, welcher die Fortsetzung der Poplitea als Tibialis postica darstellt. Die einzelnen Zweige der Poplitea bleiben entweder isolirt, oder gruppiren sich zu flachen Büscheln, welehe nach folgenden Richtungen ausstrahlen:
1. Nach aufwärts zu den Aduetoren (spärlich) , lit. nn.
3, Nach ein- und auswärts als Cireumflexae genu superiores externae und internae, lit. o 0. Letztere sendet eine Articularis genu in die Kniegelenkshöhle.
3. Nach aus- und abwärts zu den beiden Köpfen des Gastroenemius. Der Ast zum äusseren Kopf des Gastroenemius sendet eine unbedeutende Circumfleva genu inferior externa ab.
%. Ein schmales Bündel schiebt sich zwischen dem äusseren Kopfe des Gastroenemius und den Wadenbeinsmuskeln ein, und verlauft an der äusseren Seite des Unterschenkels herab, seine Äste in den genannten Muskeln und in der Haut vertheilend.
Nun zerfällt die Poplitea in folgende vier Wundernetzzungen:
a) Rete peroneum, lit. p. Es ist dieses Netz unter allen das schmalste und unansehnlichste, entwickelt sich aus drei kurzen Stämmehen, und vereinfacht sich durch Abgabe von Muskelzweigen für den Gastroenemius, Soleus und die Peronei (hinter welchen es am Unterschenkel herabzieht) so sehr, dass am unteren Drittel des Unterschenkels nur mehr ein feines Stämmehen erübrigt, welches sich in den Weichtheilen zwischen Malleolus externus und Tuber calcanei verliert.
b) Rete musculare surale, lit. q. Dieses Netz ist eigentlich nur ein breites und langes Bündel isolirter Arterienzweige, welehe für die hoch- und tiefliegende Wadenmuskeln bestimmt sind. |
ce) Rete tibiale anticum, lit. r, das stärkste von allen. Es durchdringt die Membrana interossea, nachdem es früher die Cireumflexa genu inferior interna abgab, versorgt die dieken, fleischigen Ursprünge des Tibialis antieus und der Zehenstreeker mit mächtigen Büseheln, und sendet im wei- teren Verlaufe nach abwärts so viele einzelne Muskelzweige ab, dass auf dem Fussrücken angelangt nur ein einziges Stämmehen des Netzes übrig ist, welches einen schwachen, tiefliegenden Ast (Arteria tarsea) gegen den äusseren Fussrand schiekt (aus welchen eine Reeurrens zu den tiefen Muskeln des Untersehenkels zurücklauft), und gegen das Spatium interosseum des 3. und 4. Metatarsus vorschrei- tet, durch welches sie in den Plattfuss ablenkt. Die Äste, welche dieser letzte Rest des Rete tibiale anticum auf dem Fussrücken erzeugt, sind fast haarfein, nieht eben zahlreich, und bilden durch Anastomosen unter einander sehr weitmaschige Netze von nahe eapillaren Dimensionen, deren detail- lirte Beschreibung mir überflüssig erscheint.
d) Rete tibiale posticum, lit. s. Dieses nicht eben vielstämmige Netz umhüllt und begleitet die Fort- “setzung der Arteria poplitea als Tibialis postica, deckt sie jedoch nicht vollkommen , und zwar um so weniger zu, je weiter es gegen den inneren Knöchel herabgelangt, indem eine Partie von Zweigen des Netzes als Äquivalent einer Malleolaris sehon in der Mitte des Unterschenkels abtritt, und der Rest des Netzes weiter unten den Stamm der Tibialis postica verlässt, um als Plantaris externa in den
Plattfuss zu gehen, und als Digitalis externa der fünften Zehe zu endigen.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 51
Die Tibialis postica selbst tritt als Plantaris interna, lit. t, in den Platifuss, und zeigt in ihren fer- neren Ramifieationen keine Netzbildungen mehr. Beim Übergange in die Planta gibt sie eine schwache Plantaris profunda ab, während sie selbst auf den Beugesehnen einen hochliegenden Arcus plantaris bildet, lit. «, aus welchem die Digitalis interna der ersten Zehe, und vier Arteriae digitales communes entstehen, welche auf die bekannte Weise die einander zusehenden Seiten der fünf Zehen mit Zweigen ver- sorgen, und deren Rami digitales proprü, wie an der Hand, an den letzten Phalangen in Löcher derselben eindringen.
‚Arteria hypogastrica und Sacralis media, Taf. VI.
Die Arteria hypogastrica, lit. v, theilt sich nach einem 5 Linien langen Verlaufe an der seitlichen Beckenwand in zwei Zweige: Die Arteria glutaca superior , lit. ©, und Obturatoria, lit. y. Beide Gefässe erzeugen unmittelbar an ihrem Ursprunge aus ihrer unteren Peripherie eine Folge paralleler und dieker Zweige, welche sich an einander lagern, und durch mehrfache Spaltung und Wiederverbindung ein '/, Zoll breites Netz bilden, welches sich an die Nervi sacrales gesellt, und gegen das Hüftloch hin in drei Zungen, lit. 22, divergirt. Die erste derselben nimmt die Fortsetzung der Arteria glutaea superior, auf und geht mit ihr durch das Hüftloch zum Gesäss, wo sie unmittelbar auf dem Knochen aufliegt, und in viele, insel- förmig anastomosirende Strahlen zerfällt, welche die Beckenursprünge der langen Rückenmuskeln und die Gesammtheit der Gesässmuskeln ernähren. Die zweite ist stärker, verliert die platte Form der ersteren, indem sich ihre Stämme auf einen Bündel zusammendrängen, der gleichfalls durch das Hüftloch im Gefolge des Nervus ischiadieus herausgeht, und sich vorzugsweise in den Muskeln des Schwanzes, in der Haut, und in den hinteren Bündeln der Gesässmuskeln verliert. Die dritte Zunge ist die schwächste, besteht nur aus einem Bündel von drei, vergleichungsweise schwachen Arterienstämmehen, bleibt im Becken, und ver- liert sich in den Beckenursprüngen der unteren Caudalmuskeln.
Die mächtige Arteria obturatoria geht, nachdem sie an der Bildung der oben erwähnten Netze Antheil genommen, unverästelt bis zum Foramen obturatum, wo sie in zwei gleich starke Zweige zerfällt. Der erste Seht als Fortsetzung der Obturatoria durch den Verstopfungscanal, und bildet nach seinem Austritte ein breites, diekstämmiges Wundernetz, welches auf die früher erwähnte Weise mit der Arteria profunda femoris ana- stomosirt, und seine Zweige in den Adduetores und den Beugern des Unterschenkels versendet. Der Zweite schickt längs des Obturator ein nieht eben reiches Wundernetz herab, dessen geradelinige Aus- läufer bis zum Sitzknorren he pabsteigen, und die an ihm entspringenden Muskeln versorgen. Hierauf gibt er dem Levator ani einen schlichten aber sehr starken Zweig, und löst sich, ohne gerade strahlige Wundernetze zu bilden, in mehrere langgestreckte und diehotomisch gespaltene Zweige auf, welche die Harnblase, die Genitalien ‚ den Mastdarm und dessen stark entwickelte Folliculi anales versorgen. Die Tendenz, dureh kerfallen Wundernetzwedel zu bilden, ist an allen Endästen dieser Arterie nicht zu verkennen. So finden Sich auf dem Rücken des Penis sechs lange, parallele, nicht verästelte Dorsales, und an beiden Seiten der Weiten Pars membranacea urethrae acht eben solche Schlagadern.
Die Sacralis media zerfällt in ein diekes Bündel paralleler und durch sehr kurze Queräste anastomo- Sirender Arterien, welche von so ansehnlichem Kaliber sind, dass man Mühe hat, die Fortsetzung des Stammes der Saeralis unter ihnen herauszufinden. Das Rete mirabile sacro-caudale entsteht nieht durch Plötzliches, und auf Einem Punkte stattfindendes Zerfallen des Hauptstammes, sondern durch eine Sueces- sin seitlicher Büschel, welche sich zu einem einfachen Ganzen vereinigen. An jedem Saeral- und Caudal- Wirbel treten seitliche Sprossen des Netzes in Gestalt 5—8stämmiger Plexus aus dem Hauptnetze ab, und verlieren sich, nachdem sie entweder in die Kreuzbeinlöcher eingetreten sind, oder zwischen je zwei Quer-
fi tsäatzn . 4 % . ER . . * . r ortsätzen durehgingen, in den Muskeln und sämmtliehen übrigen Weichtheilen. An der sechsten Vertebra
7*
32 J. Hyrtl.
eandalis ist das Mutternetz durch die Abgabe seiner seitlichen Contingente schon so erschöpft, dass nur mehr 9 Stämmehen desselben übrig sind, welche am 7. Wirbel auf 7, am 8. auf 5, u. s. f. abnehmen, so dass vom 10. angefangen nur ein einfacher Stamm einer Sacralis media übrig bleibt, von welchem ich nicht sagen kann, ob er sich noch einmal zu einem Netze umwandelt, da die Injeetion nicht über den 13. Wirbel hinaus vordrang. Dieser einfache Stamm der Arteria sacralis media ist übrigens am 13. Wir- bel schon so fein, und der Canal der unteren Schwanzwirbeldornen so eng, dass ein ferneres Wiederholen
von Wundernetzbildungen kaum möglich sein dürfte.
IV. BRADYPUS TORQUATUS UND ORYCTEROPUS CAPENSIS. Geschichtliches über die Wundernetze der Faulthiere.
Carlisle, weleher der erste die Wundernetze an den vorderen und hinteren Extremitäten der Faul- thiere kannte '), hatte über ihr Verhältniss zu den Hauptstämmen in soferne eine irrige Ansicht, als er die Wundernetze durch gänzliches Zerfallen der Hauptstämme entstehen liess. Die durch die Axe des wal- zenförmigen Wundernetzes dringende Fortsetzung des Hauptstammes kannte er eben so wenig, wie die Verwendung des Netzes selbst. — Er bringt das Vorkommen dieser Netze mit den trägen Bewegungen der Gliedmassen in Verbindung, ohne die Frage näher zu erörtern: „whether the slow movement of the blood sent to the museles be a subordinate convenience to other primary eauses of their slow eontraetion, or whether it be of itself the immediate and prineipale eause.’ — Durch Carlisle und Cuvier wurde die irrige Ansicht veranlasst, dass die Hauptschlagadern der Extremitäten der Faulthiere nicht bloss in zahl- reiche Zweige zerfallen, sondern durch später erfolgende Wiedervereinigung dieser Zweige sich neuerdings hervorbilden ?). Cuvier verliess diese Ansicht, nachdem er selbst die Blutgefässe der Gliedmassen die- ser Thiere untersucht hatte, und erkannte, dass die Hauptschlagader im Wundernetz nieht untergeht, son- dern nur von ihm umhüllt wird, und am Ende des Netzes wieder aus ihm, wie aus einer Scheide heraus- tritt °). In der durch G. L. Duvernoy besorgien neuen Auflage der Legons wird *) in einem Zusatze zum älteren Texte gesagt, dass das die Armschlagader umgebende Netz sich im Ellbogenbuge verliert, und die frei zu Tag kommende Arterie sich in die gewöhnlichen Vorderarmarterien auflöst. — Vrolik ent- deckte das Wundernetz der Hypogastrica und Sacralis media , und gab eine freilich sehr unvollkommene Abbildung derselben °) bei Bradypus tridaciylus. — Rapp °) und Stannius’) erwähnen bloss die That- sache des Vorkommens der Wundernetze. C. Mayer #) fand überdies, dass die Venen sich ebenso wie die
Arterien in Netzgeflechte auflösen, welche Angabe durch Rapp bestätigt wurde.
Account of a peculiarity in {he distribution of the arteries sent to the limbs of slow moving animals, ete. Philos. Transaet. 1800, p- I,
pag. 98.
Rögne animal, divise d’apres son organisation, Tom. I, p. 216.
Tom. IV, pag. 252. Nichts destoweniger wurden wiederholt auf das gänzliche Zerfallen des Hauptstammes ‚pag p
_
3) Lecons d’anatomie comparee, sogar Theorien über den Nutzen der Wundernetze der Faulthiere gegründet, 2. B. Wardrop in der Cyelopaedia of Practical Surgery und Froriep’s Notizen, 1837, 5. Bd.
%) "Tom. VI, pag. 132.
5) Disquisitio anatomico-physiologiea de p
6) Anatomische Untersuchung der Edentaten, pag. 67.
”) Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der Wirbelthiere, p. #40 und 443.
oeuliari arteriarum extremitatum dispositione. Amstel. 1826, Tab. I, Fig. 1.
3) Analekten für vergleichende Anatomie, 2. Sammlung, Bonn. 1839, pag. 51. — ©. Mayer erwähnt auch an den Intercostalarterien ein
Zerfallen in 2—4 parallele Zweigehen, welches nach meinen Beobachtungen weder für B. torquatus noch für B. didactylus gilt.
Mayer bezeichnete übrigens die von ihm untersuchte Speeies nicht näher.
Een m N Et RETTET"
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Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 33
Nur Gaimard läugnete das Vorkommen von Wundernetzen bei Bradypus, was um so auffallender erscheinen muss, als er ein ganz frisches Exemplar zu untersuchen Gelegenheit hatte. Er sagt aus- drücklich: „nous ne vimes point dans le systöme sanguin les partieularit&s dont parle M. Carlisle: Seulement nous remarquames une foule de petits vaisseaux delies, qui accompagnaient le trone des artöres erurales et brachiales.’’ Er gesteht zugleich, dass die Injeetion der Gefässe sehr unvollständig gelungen war '). Oken, dem es nicht gelang, die Arterien eines Bradypus torquatus mit Quecksilber zu füllen, stimmte Gaimard nicht nur bei, sondern behauptete sogar, dass die Angaben über Bradypus auf einer Verwechslung mit Lemur tardigradus beruhen ?). Meekel und Baör sprachen sich für die Richtigkeit der Carlisle’schen Beobächtung aus. Letzterer führt an, dass aus dem Geflechte der Armschlagader Fort- setzungen in die Armmuskeln gelangen, dass das Geflecht den Hauptstamm wie eine Scheide umgibt, dass in der Armbeuge das Geflecht zu den Muskeln des Vorderarmes tritt, während der Stamm der Arteria brachialis frei wird, und von nun an den Nervus medianus begleitet. Er konnte keine Gefässe wahrneh- men, welche aus dem Geflechte wieder in den Hauptstamm zurückkehrten °). Meckel zählte im Arm- geflechte 62, im Schenkelgeflechte 34 kleinerer Gefässstämmchen ').
Da dem Angeführten zu Folge weder über das endliche Verhalten der Hauptarterien, noch über jenes des umgebenden Wundernetzes etwas bekannt ist, so übernehme ich es, in Folgendem diese Punkte bei Bradypus torguatus aufzuklären, und einiger anderer Wundernetze des Beckens und der hinteren Extre- mitäten ausführlicher zu erwähnen, welche bis jetzt nieht beachtet wurden. — Die umfangsreiche und interessante Abhandlung von W. Buckland in den Transactions of the Linnean Society, Vol. XV, 4. Thl.: On the adaptation of the Structure of the Sloths to their peeuliar Mode of Life, enthält keine Beiträge zur Anatomie dieser merkwürdigen Gefässgebilde.
Verästelung der Arteria axillaris.
Die Achsel-Arterie bildet gleich nach ihrem Austritte unter dem Schlüsselbein das bekannte Geflecht, Welches sich bis zum Ellbogenbuge berab erstreckt. Die Achsel-Arterie löst sieh nicht eigentlich in dieses Geflecht auf. Sie gibt nur die zu seiner Bildung coneurrirenden Äste ab, und setzt sich mit geringer Ver- Minderung ihres Durchmessers durch die ganze Länge des Geflechtes fort, gibt während ihres Verlaufes durch dasselbe keine Äste ab, und tritt aus dessen unterem Ende im Ellbogenbug frei hervor, ohne sich mit den das Geflecht bildenden Gefässen neuerdings zu verbinden. Carlisle zählt in ihm 42 Stämmehen an der Oberfläche, und gibt die Zahl der im Inneren befindlichen auf beiläufig 20 an (bei Dradypus tridaetylus) ; — beim zweizehigen Faulthiere soll diese Zahl geringer sein. Das Geflecht selbst wird vom Nervus ulnaris gekreuzt, welcher einige Stämmehen desselben aufhebt, um unter ihnen wegzugehen, und löst sich zuletzt im Ellbogen in kleinere Geflechte auf, welche theils die Fortsetzung der Brachial-Arterie begleiten, um sich erst in der Nähe des Carpus von ihr zu trennen, theils aber selbstständig verlaufen, und mit den Zweigen der Brachialarterie erst an der Hand anastomosiren. Man hätte demnach am Vorderarme des FaulthieresRami- fieationen der Brachialis und des Oberarmgeflechtes, welche von einander unabhängig sind, zu unterscheiden.
In der Achselhöhle erzeugt das Geflecht der Art. awillaris theils einfache Äste, theils kleinere Geflechte.
“infache Äste kommen 15 vor, welche die Peetorales, den Serratus anticus major, den Subelavius, Cucullaris,
1 r. Journal de Phys. et de Chemie, Tom. 94, pag. 389— 391. ) Beschreibu ng und Zergliederun eines Fötus von Bradypus torgquatus, in den Beiträgen zur Natur- g & Y q 8 . ee Brasiliens, von Maximilian, Prinz zu Wied. Weimar 1826, Bd. II, pag. 496. ) In einem Zusatze zu dem Aufsatze: Beitrag zur Kenntniss des Baues des dreizehigen Faulthieres in Meckel's Deutschem Archiv, 8. Bd. Pag. 354— 369.
) System der vergleichenden Anatomie. 5. Thl., pag. 342.
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54 J. Hyrtl.
Deltoides und Subscapularis versorgen. Geflechte finden sich drei, welche die stärkeren Muskeläste des Achselnervengeflechtes begleiten. Das schwächste von ihnen begibt sich nach aufwärts zum Schlüsselbein, um die an ihn festsitzenden Muskeln zu versorgen, das mittlere geht zum Pectoralis und Serratus nach innen und unten, das grösste und stärkste umgreift den Hals des Sehulterblattes, und löst sich in zwei kleine Geflechte auf, welche die Stelle der Circumflexa humeri posterior und der Cireumflexa scapulae einnehmen.
Während das die Armarterie umhüllende Netz, Taf. VII, Fig. lit. a, am Oberarm herabsteigt, gibt es, ausser wenigen und feinen einfachen Muskelzweigen, folgende Seitengeflechte ab:
a) Den Plexus brachialis profundus , lit. b. Er besteht aus 7 Stämmehen, welche parallel verlaufen, schr wenig anastomosiren, und unter dem von der Insertionsstelle des Latissimus dorsi zum Condylus humeri internus herabreiehenden Muskelbündel durchgehen , dem Kixtensor triceps Äste geben, und zuletzt auf 2 Stämmehen redueirt, den Nervus radialis (als doppelte Collateralis radialis superior) begleiten.
b) Den Plexus subbieipitalis , lit. e. Er besteht aus 6 Stämmehen welche unter dem Biceps weg nach aussen gehen, und sich theils in dem Ursprunge der Supinatoren (als vervielfältigte Collateralis radialis media) verästeln, theils mit den Ästen von a in mehrfachen Bogen anastomosiren.
c) Den Plexus collateralis ulnaris. Er besteht nur aus 3 Stämmehen, und vereinfacht sich bald zu einer Einzelarterie, welehe den Nervus ulnaris begleitet, und am Vorderarme in den Musculus ulnaris internus eindringt, in welchem sie bis zum Rete carpi herablauft. Über dem Oleeranon gibt sie einen Ast ab, weleher das untere Oberarm-Ende umgreift, und mit einem von der anderen Seite herkom- menden Aste der Art. brachialis, so wie mit den Zweigen der Plexus « und b grossmaschige Netze bildet, welche unmittelbar auf dem Knochen aufliegen.
d) Den Plexus collateralis radialis inferior. Er besteht nur aus 3 Stämmehen, zu welchen sich ein viertes aus dem Plexus subbieipitalis gesellt, geht auf der vorderen Fläche des unteren Oberarm-Endes nach aussen, und wird zur Bildung der in e erwähnten Netze verwendet.
Alle diese Geflechte entstehen durehaus nicht aus dem Stamme der Arteria brachialis, sondern nur aus dem sie umhüllenden Geflechte. Im Ellbogenbuge löst sich dieses Geflecht in divergirende Endplexus auf, wodurch der Stamm der Art. brachialis frei wird, und auf den Muskeln des Vorderarmes bis zur Mitte desselben herabsteigt. Hier gibt er:
a) einen Seitenast ab, lit. e, weleher sich bald in zwei Zweige theilt. Der erste, lit. f, begleitet den Nervus medianus in die Hohlhand, und anastomosirt daselbst mit dem Ursprunge der Art. digitalis communis prima. Der zweite, stärkere, lit. 9, zerfällt unter der Schne des Supinator longus in zwei Äste, deren einer, lit. h, in der Tiefe, auf der Kapsel des Handgelenkes in die Hohlhand gelangt, um daselbst einerseits mit einem tiefgehenden Aste des Arcus volaris sublimis zu anastomosiren , ande- verseits den ersten Metacarpus zu umgreifen, und sich auf dem Rücken der Hand, in den kurzen Muskeln der Finger aufzulösen. Der andere, lit. ö, schlingt sieh um den Radius auf den Rücken des
Vorderarmes, geht auf demselben zur Handwurzel herab, wo er mit einem Aste des Plexus interos- ae = ’
seus den Arcus dorsalis zusammensetzt. — Man kann diesen nun beschriebenen Ast a als ein Analoeon der Art. radialis betrachten. — Einen halben Zoll unter a folgt oO o
b) ein zweiter Seitenast, der Art. ulnaris vergleichbar, lit. %k, weleher über das Convolut der Beugeseh- “ nen zur Ulna geht, und in drei Zweige zerfällt. Der erste lauft am inneren Rande des Ulnaris internus in die Hohlhand herab, und anastomosirt mit dem Areus volaris sublimis. Der zweite umgreift die Ulna, lit. 2, um auf dem Rücken des Vorderarmes mit einem Aste des Plexus inter- osseus ext. zu anastomosiren. Der dritte, lit. m, lauft am Vorderarme zurück, und begegnet über dem Pronator quadratus einem Zweige des Plewus interosseus , mit welehem er zuammenmündet.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 55
Hierauf tritt die Brachialis in die Hohlhand, und theilt sich in zwei Endäste:
0) Der erste ist die Digitalis communis prima,lit. n, welche die einander zugekehrten Seiten der ersten und zweiten Zehe versorgt, und dicht an ihrem Ursprunge so wie später am zweiten Gliede der ersten Zehe einen Ast abgibt, welche beide am Radialrand der Hand im Bogen anastomosi- ren , lit. rn’. Aus diesem Bogen gehen kleine Rückenäste, und die Digitalis radialis der ersten Zehe
hervor. P) Der zweite ist die Digitalis communis secunda, lit. o. — Er sendet einen zurücklaufenden Ast ab,
welcher mit dem ersten Zweige von b den Arcus volaris sublimis bildet, und begibt sich zu den
einander zusehenden Seiten der zweiten und dritten Zehe. Bevor er diese erreicht, schiekt er die
Digitalis ulnaris, lit. p, der dritten Zehe ab, welche am Ulnarrande der zweiten Phalanx mit einem
aus dem Arcus sublimis entsprungenen langen Aste einen ähnlichen Bogen, wie an @ bemerkbar
wurde, bildet.
Ausserdem gibt « und £ in der Mittelgegend der zweiten Phalanx einen ansehnlichen Ramus per- orans zum Handrücken , welcher daselbst zahlreiche, bogenförmige Anastomosen mit den Zweigen des Arcus dorsalis eingeht. Am Nagelgliede dringen die Arteriae digitales, lit. £,t,t, durch weite Öffnungen in den Knochen ein, und anastomosiren daselbst im starken Bogen.
Ausser diesen baumförmigen Ramifieationen der Art. brachialis kommen noch die Endgeflechte des Plexus brachialis zu schildern. Im Ellbogenbuge löst sich der die Arterie umschliessende Plexus bra- chialis, nachdem er die Arterie frei werden liess, in zwei Geflechte auf — ein hoch- und tiefliegendes.
Das hochliegende, lit. q, versorgt die mächtige Fleischmasse der Beuger,, sendet Zweige zu den Supinatoren und äusseren Armspindelmuskeln, und begleitet mit zwei Ästen den Stamm der Brachial- arterie am Vorderarme bis zur Mitte desselben, wo sie gleichfalls in die Beugemuskeln eindringen. Ein Ast dieses Geflechtes läuft unterhalb des Supinator longus herab, um mit dem ersten Zweige der Art. bra- Chialis am Vorderame zu anastomosiren.
Das tiefliegende, lit. r, stellt die Art. interossea vor. Es lauft bis zum Pronator quadratus herab, Wo es den oben erwähnten Zweig zur Anastomose mit der Art. ulnaris abgibt, lit. s, dann aufdie Rücken- seite des Vorderarmes geht, sich in zwei Zweigen, welche die Strecksehnen zwischen sich fassen, auf den Carpus begeben, wo der vordere mit dem früher erwähnten Zweige der Art. radialis anastomosirt und den Arcus dorsalis bildet, aus welchem die langen und feinen Digitales dorsales entstehen, während der hintere zwischen dem zweiten und dritten Metacarpus in die Hohlhand zum Arcus profundus geht.
Es würde die Geduld zu sehr erschöpfen, alle jene Anastomosen , Netze und Bogen zu schildern, welche die Nebenäste der genannten Arterien aller Orten bilden. Ich konnte mich hier, um nicht durch allzu umständliche Details zu ermüden, bloss in die Angabe der gröberen Verhältnisse einlassen, welche, da 8 sich nicht um eine topographische Anatomie der Faulthier-Extremitäten handelt, für die Zwecke der vergleichenden Betrachtung genügen werden.
Verästelung der Aorta abdominalis.
1. Der erste Ast der Unterleibsaorta ist ein Repräsentant der Coeliaca und Mesenterica superior. Er
entspringt Ü " {springt noch während des Durchganges der Aorta zwischen den Zwerchfellschenkeln, und erzeugt folgende
Zweige:
'% Dicht an seiner Wurzel eine Art. gastrica inferior. Sie schickt ein schwaches Zweigcehen in den Ein- schnitt zwischen dem ersten und zweiten Magen, und begibt sich, nieht nach Art einer Coronaria Superior zur rechten, sondern zur linken Seite der Cardia, und theilt sich daselbst in zwei Zweige,
deren. einer im links eonvexen Bogen über die untere Fläche der linken Hälfte des ersten Magens
EEE si
—
56 J. Hyrtl.
hinzieht, während der andere über die Cardia von unten her wegstreicht, und mit zwei Ästen die
rechte Hälfte der unteren Magenfläche versorgt.
b) Eine Gastrica superior. Sie ist stärker als die vorausgehende, indem sie sämmtliche Mägen mit Blut versieht. Sie läuft über die obere Fläche des ersten Magens zu jenem tiefen Einschnitte hin, welcher die Basis des langen kegelförmigen Blindsackes vom eigentlichen Magen trennt, und sendet folgende Äste ab. 1. Die Panereatico-lienalis, welehe über dem vierten Magen und am hinteren Rande des Panereas zur Milz geht, und 2. zwei, sich gabelförmig theilende Aami gastriei, welche, nebst der frü- heren, die Wände der einzelnen Magenhöhlen mit Blut versorgen.
c) Die Hepatica, welehe mit zwei absteigenden Ästen das Duodenum versieht.
Die Fortsetzung des ersten Aorten-Astes dringt nun in die Mitte des langen aber schmalen Mesen- teriums des Darmeanales ein, wo sie von ihren Seitenrändern 20 Äste für den letzteren abgibt, welche am Rande des Darmes nur einmal bogenförmig anastomosiren.
2. Der zweite Ast vertritt die Diaphragmatica inferior , die zwei letzten Arteriae intercostales , die Suprarenales und Capsulares renis vollkommen, die Lumbales und die Spermatica interna nur theilweise.
3. Zwei Art. spermaticae internae, welche, so wie die aus 2 entstandene, nur 1'/, Linien lang sind, indem der so weit nach vorne (vor der Niere) gelegene Eierstock fast auf ihrer Ursprungsstelle aufsitzt.
4. Die Art. renalis. Sie schiekt einen langen Ast an dem Oviduet zum Uterus herab, und einen zweiten viel schwächeren am Ureter zur Harnblase. Der erstere sendet ein zartes zurücklaufendes Zweig- chen zum Eierstock, weleher somit vier Schlagadern (zwei selbstständige und zwei seeundäre) erhält.
B. Die Art. mesenterica inferior. Sie entspringt zwischen dem Ursprunge der beiden Renales — selbst noch '/, Linie vor ihnen. Ihre Äste sind wie gewöhnlich ein auf- und absteigender, Ersterer anasto- mosirt im Bogen mit dem zwanzigsten Aste der Mesenterica superior.
6. Die Mliaca communis.
7. Die Umbilicalis, welehe, während sie am Grunde der ungemein musculösen Harnblase vorbei- streicht, eine Art. vesicalis erzeugt, welche mit drei Zweigen die vordere und hintere Wand, und den Grund derselben versieht. Letzterer sendet einen Zweig zu der ausserhalb des Beckens zur Seite und vor dem After gelegenen, 3 Linien langen, und 1?/, Linien dieken @landula praeputialis herab.
8. Drei Arteriae lumbales, wovon die erste unter der Renalis, die zweite 1 Linie über der Ziaca
communis, die dritte über der Umbilicalis entspringt. Verästelung der Iiaca communis.
Die rechte geht etwas weiter nach vorne als die linke vom Aortenstamme ab. Jede derselben erzeugt dieht an ihrem Ursprunge eine Hiolumbalis , welehe zwischen dem grossen und kleinen Psoas nach aussen tritt, und sich im MMiacus und Quadratus lumborum verästelt. Hierauf sendet sie eine Art. renalis capsularis inferior ab, welche mit der Superior am äusseren Rande der Niere in der fettreichen Kapsel derselben anastomosirt. — 5 Linien über dem Poupart’schen Bande beginnt die Gefleehtbildung in zwei Richtungen
- als Cruralis und Hypogastrica.
A. Schenkelgeflecht, Taf. VII, Fig. 1, lit. «a.
„Das Schenkelgefleeht wird nicht bloss von der Arteria eruralis, sondern zugleich von einigen Hilfs- ästen der Geflechte der Hypogastrica gebildet. Der Stamm der Arteria eruralis lässt sieh in ihm bis unter das Poupart’sche Band verfolgen, indem er oberflächlich liegt, und erst an dem genannten Orte in der ihn rings umschliessenden Geflechtbildung aufgeht. Das Geflecht lässt ©. Mayer (lib. eit. pag. 51) aus 18— 20 feinen Canälehen bestehen. Ich zählte deren 37. Nie fliessen die Arterien des Cruralnetzes zur Bildung
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 57
eines Hauptstammes neuerdings zusammen ; — der Charakter des Netzes ist somit kein bipolarer, und die Netzbildung lässt sich als Vertreterin einer einfachen Tibialis antica und postica bis in den Plattfuss ver- folgen, dessen Rücken- und Sohlen-Arterien nicht durch Zusammenfluss einzelner Elemente der Netze entstehen , sondern die letzten, einfachen Überbleibsel der durch die Abgabe seitlicher Züge gänzlich verwendeten Wundernetze sind.
Das Cruralgeflecht verlauft, wie die Crural-Arterie eines Vierhänders, in die Kniekehle, liegt in einer tiefen und breiten Furche zwischen Sartorius und Pectineus, wird von ersterem Muskel, der sich nicht am Schienbein, sondern an der inneren Seite des unteren Oberschenkel-Endes befestigt, nicht gekreuzt, durehbohrt auch die Trieeps-Sehne nicht, sondern geht unter ihr hindurch in die Kniekehle, und löst sich dort in so viele untergeordnete Netze auf, als sonst einfache Unterschenkel-Arterien vorzukommen pflegen.
Die Äste des Cruralgeflechtes haben das Eigenthümliche, dass sie gewöhnlich hoch über ihrem eigent- lichen Verwendungsorte entspringen, während ihres langen, ganz geradelinigen Verlaufes niemals Seiten- äste abgeben, und von sehr feinem Kaliber sind, wesshalb, wenn eine stärkere Arterie nöthig wird, lieber 2—3 schwächere nahe an einander aus dem Geflechte hervortreten, und, ohne zu anastomosiren, parallel neben einander fortlaufen. Es ist überhaupt auffallend, wie klein die Arterienzweige dieses Thieres im Vergleiche zu der so kräftig entwickelten Museculatur sind.
Die wichtigeren Äste und Nebengeflechte des Cruralgeflechtes innerhalb des Beckens sind folgende:
a) Drei Zweige für den Hiacus internus, deren erster mit der Heo-lumbalis anastomosirt.
b) Zwei bis drei Zweigchen für den Ursprung des Pectineus und Adductor.
c) Der Plexus der Epigastrica inferior, lit. b.
Ausserhalb des Beckens:
d) Ein Bündel von 6 Ästen, welehe nach aussen und vorne zur Bauchwand, nach innen zur Schamfuge, und nach unten zu dem Fett und den zahlreichen Drüsen der Leistengegend divergiren, und sonach die Circumflexa dei, die Pudenda externa, und die Epigastrica superficialis repräsentiren, lit. cec.
e) Eine Suite von 8 feinen und langen Rami musculares für die mächtigen Bewegungsorgane des Ober- schenkels, entsprechend der Profunda femoris, lit. d.
f) Zwei eben solehe Artieulares genu, welehe über der Insertionsstelle des Sartorius zum Knie herabsteigen.
In der Kniekehle folgen:
9 Zwei Circumflevae genu internae und eine externa.
h) Fünf feine Begleitungsäste des Nervus tibialis postieus.
i) Eben so viel dünne Muskeläste für die Strecker des Fusses. Einer davon — der stärkste — geht zwischen dem @astroenemius und dem dieken Fleischbauch des Flexor dig. longus zum Sprunggelenke herab, und anastomosirt daselbst mit dem Rete tibiale posticum. Ein zweiter geht über den Soleus gegen den hinteren Rand des Wadenbeins, versorgt den weit am Unterschenkel herabsteigenden kur- zen Kopf des Biceps, den Soleus und äusseren Gastrocnemius, und senkt sich hinter dem äusseren Knöchel in eine hier vorbeiziehende Abtheilung des Rete tibiale posticum ein. Offenbar ist dieser Ast ein Analogon der Art. peronea, da er während seines Verlaufes an den hinter dem Wadenbein zum Sprunggelenk herabsteigenden Nervus peroneus gebunden ist.
Nun löst sich das Kniekehlengeflecht in ein hinteres und vorderes Tibialgeflecht auf.
Das hintere Tibialgeflecht, Taf. VIII, Fig. 3, lit. a, liegt nicht unter, sondern auf der tiefgelegenen Muskelschichte der Wade. Es besteht aus 5 grösseren und 4 kleineren geradelinigen, durch kurze Quer- äste selten mit einander eommunieirenden Gefässstämmehen, und umstriekt nieht den Nervus tibialis ‚posti-
us, sondern einen kleineren Ast desselben. Über dem Fersenhöcker breitet es sich zu einem flachen,
Denkschriften der mathem,-naturw. Cl. VI. Bd. 8
r
58 J. Hyrtl.
grossmaschigen Netze aus, welches am inneren Knöchel den oben erwähnten langen Zweig des Kniekeh- lengeflechtes, und am äusseren Knöchel die Wadenbein-Arterie aufnimmt. Aus diesem Netze gehen 3 einfache Arterien hervor, welche unter folgenden Modalitäten die Weich- theile der Planta pedis versorgen. a) Art. plantaris superficialis , lit. b.
Sie geht mit dem Nervus plantaris internus am inneren Rande des kurzen Zehenbeugers nach vorne, und theilt sich unter dem inneren Höcker des Tarsus in zwei Zweige. Der äussere kleinere ist die Digitales communis für die äussere und mittlere Zehe, indem sie sich an der zweiten Phalanx in eine Digitalis externa der mittleren, und eine Digitalis interna der äusseren Zehe spaltet. An der Spaltungsstelle gehen 2 Äste von ihr in die Tiefe, deren einer unter der Beugesehne der äusse-
ren Zehe, zu deren äusserem Rand als Digitalis externa hingeht, während der andere zwischen den
zweiten Phalangen der äusseren und mittleren Zehe als Perforans zum Fussrücken gelangt. Der innere stärkere Zweig der Plantaris superfieialis gibt gleich nach seiner Entstehung die über der Beugesehne der inneren Zehe zu deren innerem Rand verlaufende Digitalis interna ab. Ihre Fort- setzung ist die Digitalis communis der inneren und mittleren Zehe, indem sie sich in die Digitalis externa der inneren und die Digitalis interna der mittleren Zehe spaltet. An der Spaltungsstelle geht gleichfalls von ihr eine Perforans zum Fussrücken.
Alle Digitales propriae dringen an der Basis jeder Phalanx tertia in weite Ernährungslöcher ein, und bilden im Inneren der Phalanx einen schönen anastomotischen Bogen. Die Digitalis propria interna der inneren Zehe und die Digitalis communis der äusseren und mittleren senden jede noch | einen Ramus profundus ab, welche mit dem tiefen Arcus plantaris anastomosiren, so dass ein voll- ständiger Gefässkreis abgeschlossen wird, dureh welchen das Convolut der ungemein starken Beugeseh- nen durchgefädelt ist. Überdies schiekt die Digitalis propria interna der inneren Zehe an der zwei- ten und dritten Phalanx noch einen ansehnlichen Rückenast ab, welche beide am inneren Fussrande
bogenförmig anastomosiren und Ästehen für die Fussrückenmuskeln abgeben.
b) Art. plantaris profunda interna, lit. ce.
Sie gibt einen starken Ast zum kurzen Zehenbeuger, einen zweiten in das Sprunggelenk, und liegt unmittelbar auf den verwachsenen Tarsus- und Metatarsusknochen auf. An der Phalanz prima anastomosirt sie im weiten Bogen (Arcus profundus) mit der
ec) Plantaris profunda externa,, lit. d, welehe vom hinteren Tibialgeflecht quer über dem Tuber calcanei nach aussen, und dann an der äusseren Fläche des Fersenbeins herab in den Plattfuss gelangt.
Das vordere Tibialgeflecht besteht aus ungefähr 10 parallelen und von Stelle zu Stelle mit einander anastomosirenden Stämmehen, wird vom vorderen Sehienbeinmuskel bedeekt, und theilt sich am Sprung- gelenk in zwei Zweige. Der innere derselben gibt den kurzen Zehenstreckern einen Ast, und dringt durch den Zwischenraum des inneren und mittleren Metatarsus in die Plattfusssohle, wo er mit dem Arcus plantaris profundus anastomosirt. Der äussere theilt sich gleich in zwei Äste, welche über den kurzen Zehenstreekern nach vorne laufen, und in den Interstitüis interphalangeis mit den früher geschilderten Perforantes anastomosiren.
B. Beckengeflecht, Taf. VIIL, Fig. 2, lit. e.
Das Beckengeflecht, welches aus ungefähr 20 Stämmcehen besteht, löst sich in folgende unter- geordnete Geflechte auf: a) Plexus pubicus, welcher dem Schambein entlang verlauft, und in Zweige für die Bauchwand, die
äusseren Genitalien und die Museulatur in der kleinen Beekenhöhle zerfällt.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 59
b) Plexus haemorhoidales für Mastdarm und Scheide , lit. f. c) Plexus muscularis für den Levator ani und Depressor caudae. d) Plexus glutaeus und ischiadicus, welche durch mehrere Verbindungsäste unter einander zusammen-
hängen, lit. g.
Dicht unter der Abgangsstelle der beiden Umbilieales zerfällt die Aorta in ungefähr 40, zum Plexus sacralis verstrickte Gefässe, deren paralleler und wellenförmiger Verlauf an die Cauda equwina des Rücken- markes erinnert. Der Plevus sacralis besteht aus zwei ganz deutlichen, von einander unabhängigen Hälf- ten, welche erst am Beginne des Schwanzes mit einander anastomosiren, und endlich zu einem Geflechte verschmelzen. Während seines Laufes nach hinten gibt dieses Geflecht paarige Seitengeflechte und zuletzt nur einfache Seitenäste ab, welche durch Verlaufund Verästelung mit den Art. sacrales anteriores überein- stimmen. Die vordersten Seitengeflechte anastomosiren mit entgegenkommenden Geflechten des Becken- geflechtes.
Von Oryeteropus capensis hatte ich nur einen kleinen und schleeht eonservirten Embryo zur Verfü- gung, an welchem eine Gefäss-Injeetion vorzunehmen nicht möglich war. Ich konnte mich jedoch durch sorgfältige Präparirung der nicht eingespritzten Arterien mit Bestimmtheit überzeugen, dass die Achsel-Arterie und die Schenkel-Arterie sich nicht in Geflechte auflösen, wohl aber Büschel von Ästen absenden, wie es bei den Gürtelthieren erwähnt wurde. Mehr konnte ich nieht eruiren, und muss die weitere Ausführung die- ses Gegenstandes Jenen überlassen, welche so glücklich sind, grössere Exemplare dieser Thiere als drei- zöllige Embryonen mittelst Injeetionen untersuchen zu können.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel IE. Fig. 1. Kopf von Manis maerura mit den Arterien der rechten Seite.
a, Aortenbogen. b, Arteria innominata. ce, Subelavia sinistra. d e, Carotis communis dextra F, Subelavia dextra.
9, Theilungsstelle der Carotis communis.
h, Carotis externa. ii, Arteria lingualis.
k, Scheide der Zunge, deren hinterer Theil der Länge nach aufgeschnitten ist.
l, Zweige für die Glandula submasillaris.
m, Arteria oceipito-temporalis.
n, Arteria marillaris externa.
0, Oberer Ast der Maxillaris externa.
Carotis communis sinistra.
P, Unterer Ast derselben, der mit o nach vornezu sehlingenförmig anastomosirt.
9, Das aus dem vorderen Ende der Anastomose zwischen o und p entspringende Wundernetz für die Schnauze. r, Carotis interna.
s, Mammaria interna
t, Arteria vertebralis mit den für die Nackenmuskeln bestimmten Strahlenbüschel.
Fig. 2. Die Wundernetze der Arteria brachialis und ihre Äste von Manis.
Arteria awillaris, an welcher die Wundernetzbildung ihren Anfang nimmt.
b, Das Wundernetz für den Deltamuskel und Biceps.
8*
60 J. Hyrtl.
e, Wundernetze für den Biceps allein.
d u. e, Die den Bieeps umgreifenden, zur Radialseite des Vorderarmes herabstreifenden Wundernetze, welche von ihrer Vereinigungs-
stelle an der Arteria radialis entsprechen.
ff, Die für die Vorderarmstreeker bestimmten zahlreichen Wundernetze.
9, Der Condylus internus humeri mit dem Canalis suprucondyloideus, durch welchen die Fortsetzung der in Wundernetze zer- fallenen Arteria brachialis sammt dem Nervus medianus geht. Die Vertheilung der Netze am Vorderarm wird, mit Ausnahme jener der Arteria radialis analogen, von dem Muskelbauche der Flewores digitorum so bedeekt, dass nur die oberen, dem Ellbogengelenk näher liegenden Abtheilungen gesehen werden können.
Tafel EHI. Fig. 1. Die Wundernetze der Arterien und Venen der hinteren Extremität von Manis.
a, Netz der Arteria epigastriea superficialis. b, Das der Profunda femoris analoge Wundernetz. c, Das die Vena saphena interna begleitende Netz. d, Wundernetz für die Streeker und die Haut des Schenkels. eee, Die vom Cruralwundernetz abgehenden kleineren Strahlungen für Muskeln und Haut. f , Rete mirabile der Arteria tibialis postica. g, Rete mirabile der Arteria peronea, welches bis in den Plattfuss herab gelangt, und daselbst an der Bildung der Arteriae digitales partieipirt.
Fig. 2. Das arterielle und venöse Wundernetz der Arteria und Vena caudalis von Manis.
aa, Aorta abdominalis. bb, Die beiden Venae iliacae communes, welche sich sehr weit vorne, jenseits des Ursprunges der Arteria mesenterica inferior (posterior), lit. e, zur Vena cava ascendens vereinigen. dd, Arteriae hypogastricae. e, Arteria sacralis media, welehe ringsum von dem arteriös-venösen Wundernetze umhüllt wird. Ein dureh das Wundernetz geführter Längenschnitt macht die tief gelegene Arterie sichtbar. ff, Eintritt des Wundernetzes in den Canal der unteren Dornen der Schwanzwirbel.
Fig. 3. Verästelung der Arterien an der unteren Fläche des Gehirns.
aa, Die sehr feinen Äste der Carotis interna, welche in die starken Spaltungsäste bb, der Arteria basilaris e einmünden.
Tafel III. Fig. 1. Verästelung der oberflächliehen Kopf-Arterien bei Myrmecophaga Tamandua.
AA, Aortenbogen.
B, Kehlkopf.
C, Grosses Zungenbeinhorn.
D, Querdurchschnittene Museulatur der Zunge.
E, Paukenknochen.
F, Kinnbackengelenk.
G, Abgesehnittener Muskel des Rüssels.
H, Gefässloch in der Temporo-Parietalnath,
I, Gefässloch im Seitenwandbein.
K, Gefässloch im Stirnbein.
a, Arteria innominata, an welcher die früher als die beiden Carotiden abgehende Subelavia dextra, lit. b, und die carotis
dextra, lit. e, abgeschnitten sind.
d, Carotis sinistra.
e; Arteria thyreoidea superior.
f, Ast zu den vom Brustkorb heraufkommenden Zungenbeinmuskeln. 99, Carotis interna.
h, Arteria oceipitalis.
i, Ramus cerviealis arteriae oceipitalis. k, Zum Scheitel aufsteigender Ast derselben. tl, Äste der bei I wieder aus der Diplo aufgetauchten Arteria diploötica zum Scheitel hinauf.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 61
m, Anastomose der Diploötica mit der Arteria mazxillaris externa.
n, Arteria mazxillaris externa.
o, Äste der Mawillaris externa zur Zungenmuseulatur.
p, Arteria submentalis.
q, Der mit dem Ende der Arteria diploötiea anastomosirende Endast der Maxillaris externa. r, Der das Rete supramazillare bildende Endast der Ma«illaris externa.
s, Arteria temporo-mawillaris. N t, Der vor dem Ohre aufsteigende Ramus temporalis derselben.
u, Der in die Transversa faciei und Maxillaris interna zerfallende Ramus mawillaris.
w, Netz der Arteria transversa faciei.
x, Eintritt der Carotis interna in die Paukenhöhle.
Fig. 2. Verästelung der Subelavia bei Myrmecophaga.
«, Stamm der linken Arteria subelavia. E: b, Arteria mammaria interna. i ec, Arteria vertebralis. d, Die die Arteria cervicalis, Thoracica externa und Acromialis vertretende Schlagader. ee, Ramus cervicalis ascendens derselben, welcher mit der Wirbelarterie durch Queräste anastomosirt. f, Der mit der Vena eephalica zum Ellbogen gelangende Zweig derselben. 99, Arteriae thoracicae externae. h, Der kurze Ursprungsstamm für die Schulterblatt-Arterien. ii, Das Rete mirabile, welches die Arteria radialis repräsentirt. k, Zug desselben , der über den Biceps weglauft. 1, Verbindungsbündel zum Stamm der Arteria ulnaris. m, Gespaltener Volarzug des Rete mirabile radiale. n, Wundernetz, welches den Nervus ulnaris zum Ellbogengelenk begleitet. 0, Durchgang der Arteria ulnaris durch den Canalis supracondyloideus. P?, Wundernetz der Arteria recurrens ulnaris. g, Rete mirabile interosseum. 0 r, Ramus dorsalis arteriae ulnaris. s, Ramus volaris arteriae ulnaris. “ tt, Die zwei Volaräste dieses Astes.
Tafel IV.
Fig. 1. Ende der Bauchaorta von Myrmecophaga Tamandua.
a, Stamm der Bauchaorta. be, Cruralis und Hypogastrica dextra.
d, Kurzer Stamm der nur links existirenden Iliaca communis, welche in die Cruralis sinistra, lit. e, Hypogastrica sinistra, “ lit. f, und Saeralis media, lit. 9, zerfällt. I
h, Arteria iliolumbalis. f i, Arteria epigastriea. k, Arteria eireumflexa ilei. T, Die zurücklaufende Arterie für den lliopsoas. mm, Wundernetz, welches die Profunda femoris und die Cireumflexae repräsentirt.
nn, Das die Vena saphena interna begleitende schmale Wundernetz.
00, Netz der Saeralis lateralis , Glutaea und Ischiadiea. l pP, Pudenda communis und Haemorhoidalis. 4, Obiuratoria.
rr, Das mächtige Wundernetz der Sacralis media. a
Fig. 2. Wundernetze der Oruralis und Tibialis postica von Myrmecophaga Tamandua.
a, Rete mirabile popliteum, welches die Arteria poplitea umschliesst. bbb, Seitliche Ausstrahlungen dieses Netzes
ce, Arteria tibialis postica. dd, Die beiden Plantaräste der Arteria tibialis postica, welche mit ihren Ramis digitalibus sich gleichmässig an der Versorgung |
der fünf Zehen betheiligen.
62 J. Hyril.
Fig. 3. Gefässverhältnisse an der unteren Fläche des Gehirns und Rückenmarks von Myrmecophaga Tamandua.
a, Arteria spinalis media s. impar, welehe durch die suceessive Aufnahme der Rami spinales der Wirbel-Arterien allmählich nach vornezu so an Umfang zunimmt, dass sie, nachdem sie bei bb die sehr gesehwächten Stämmehen der Wirbel-Arterien zwischen 2%. und 3. Wirbel in sich aufnahm, zur Arteria basilaris wird. ce, Die Einmündungen der durch das Hinterhauptloch in die Schädelhöhle getretenen, äusserst schwach gewordenen Fortsetzungen der Wirbel-Arterien in die Basilaris. dd, Die Äste der Basilaris für die Varolsbrücke und das kleine Gehirn. ee, Die beiden Profundae cerebri, welche bei ff, die Carotides internae aufnehmen. 99, Die Arterien für die Bulbi olfactorü. h, Die unpaare Arteria corporis callosi.
| | | } Ni F
Tafel V. Fig. 1. Linke Kopfseite von Dasypus novemeinetus mit den Verästelungen der Carotis communis.
aa, Carotis communis. b, Arteria thyreoidea superior. ce, Carotis interna. d, Carotis externa. e, Arteria oceipitalis, mit ihrem nach hinten aufsteigenden Gefässbüschel, und dem Eintritte derselben in die Diplo& der Schläfen- schuppe bei lit. f. 9, Der Truneus communis für die Arteria lingualis und mazillaris externa. h, Arteria lingualıs. i, Arteria manillaris ewterna. k, Gefässbüschel der Maxillaris externa für die Unterkieferdrüse. Ill, Die Wundernetze der Maxwillaris externa. m, Arteria auricularis posterior. n, Fortsetzung der Carotis externa als Maxillaris interna.
Fig.2. Basis des Gehirns mit den daselbst befindlichen Gefässverästelungen.
aa, Abgeschnittene Carotides internae. bb, Einmündung der Communieantes in die inneren Carotiden. ce, Arteria fossae Sylvi. dd, Arteria bulbi olfactorü. e, Arteria corporis callosi. f, Verbindung der Arteriae vertebrales zur Basilaris. 99, Die beiden Arteriae profundae cerebri.
Tafel VL Fig. 1. Verästelungen der Arteria awillaris von Dasypus novemeinctus.
a, Hauptstamm der Achsel-Arterie.
b, Stamm der Seapular-Arterien.
c, Obere, d, untere Verästelung desselben,
e, Das der Profunda brachii entsprechende Wundernetz.
| f, Wundernetz für die Arteria collateralis radialis.
1 9, Cireumfleva humeri anterior.
| h, Wundernetz der Arteria collateralis ulnaris superior.
| i, Wundernetz der Collateralis ulnaris inferior.
| kk, Wundernetz der Arteria radialis.
| Il, Äste dieses Netzes zur Aussenseite des Vorderarms.
m, Durchgang der Arteria brachialis (eigentlich schon ulnaris) durch den Canalis supracondyloideus. n, Wundernetz der Arteria interossea.
00, Ein vom Rete interosseum zur Arteria ulnaris gehender , weiter unten sie wieder verlassender Muskelast für die Beuger.
p, Zerfallen der einfachen, unverästelten Arteria ulnaris in drei Digitales.
Beiträge zur vergleichenden Angiologie. 63
Fig. 2. Verästelung der Finger-Arterien.
a, Arteria ulnaris.
b, Digitalis volaris prima.
c, Digitalis pollieis radialis.
d, Digitalis volaris seeunda.
e, Ramus profundus derselben. a ff, Tiefliegende Arcus digitales. 99, Eindringen der Arteriae digitales in die letzten Phalanges.
h, Arteria Digitalis volaris tertia,
Tafel VII.
Die Figur dieser Tafel gibt eine Übersicht sämmtlicher Wundernetze der Cruralis, Hypogastriea, und Saeralis, bei Dasypus novemeinctus.
A, Aortenstamm. B, Arteria eruralis sinistra. C, Hypogastriea sinistr«, beide selbstständig. | D, Kurze, rechte Arteria iliaca communis. E, Cruralis dextra. «, Ursprung der Spermatica interna. b, Arteria profunda femoris. ce, Wundernetz derselben, welches sich mit jenem der Arteria obturatoria verbindet. d, Wundernetz für die Adduetoren. y e, Wundernetz der Arteria epigastrica. f, Hauptstamm der Cireumflexa ilei, welche der stärkste Ast der Cruralis ist. 9, Einfache, nicht genetzte Muskelzweige. h, Wundernetz der Arteria epigastrica superfieialis. i, Wundernetz zu den Gesäss- und Rückenmuskeln und zur ganzen Ausdehnung der Rückenhaut. k, Wundernetz für die Unterschenkelstrecker. T, Nutritia femoris. m, Letztes schmales Wundernetz der Arteria eruralis.
nn, Zurücklaufende Zweige der Arteria poplitea zu den Adduetoren. 00, Äussere und innere umschlungene Knie-Arterien ohne Wundernetze. | P» Wundernetz der Arteria peronea. g, Rete surale. r, Rete tibiale anticum. s, Rete tibiale posticum.
t, Fortsetzung der Tibialis postica als Plantaris interna. | u, Arcus plantaris sublimis. v, Arteria hypogastrica dextra. x, Arteria glutaea superior.
y, Arteria obturatoria. %%, Die durch das grosse Hüftloch austretenden Wundernetze. N z2%&, Wundernetz der Arteria sacralis media. ä
Tafel VIII. Fig. 1. Verästelung der Vorderarm-Arterien bei Bradypus torquatus.
«, Das die Arteria brachialis umhüllende Gefässnetz.
b, Anfangsstämmehen des Wundernetzes der Arteria profunda brachü. e, Rete subbieipitale
d, Anfangsstämmehen der Plexus collaterales (radialis und ulnaris.) e, Erster Seitenast (Arteria radialis) der noch immer ungespaltenen Arteria brachtalis. | f, Zweig derselben, der in die Hohlhand hinab geht.
9, Anderer Zweig derselben, der in zwei Äste zerfällt, von welchen lit. A zur Hohlhand, lit. ti auf den Rücken der Hand geht.
k, Arteria ulnaris, und deren Forsetzung in die Vola. !, Der die Ulna umgreifende Ast derselben. ‚ Der zurücklaufende Ast der Arteria ulnaris.
64
J. Hyrtl. Beiträge zur vergleichenden Angiologie.
n, Artera digitalis communis prima.
n’, Bogenförmige Verbindung der beiden radialen Seitenäste dieser Arterie. o, Arteria digitalis communis secunda.
p, Arteria digitalis ulnaris der dritten Zehe.
9;
Hochliegende Abtheilung des die Brachial-Arterie umschliessenden Geflechtes.
r, Tiefe Portion desselben, — Plexus interosseus. 8, Verbindungszweig der tiefen Portion zur Arteria ulnaris.
tt
cc
t, Arteriae digitales, welche an den Nagelgliedern durch eigene Löcher in die Markhöhlen derselben eindringen.
Fig. 2. Die Geflechte der Arteria hypogastrica und eruralis.
a, Cruralgeflecht.
b, Geflecht der Arteria epigastrica.
ce, Geflechte, welehe die Pudenda externa die Cireumflexa ilei, und die Epigastriea superficialis repräsentiren. d, Geflecht der Profunda femoris.
e, Geflecht der Hypogastrica.
f, Plexus haemorhoidalis.
g, Plexus glutaeus und ischiadieus.
Fig. 3. Verästelung der Arterien im Plattfuss.
a, Plexus tibialis posticus.
b, Arteria plantaris superficialis.
e, Arteria plantaris profunda interna. d, Arteria plantaris profunda externa.
Iyrtl. Beiträge zur vergleichenden Angiologie ete. Taf l,
Lithu.im Farben gedr. in d.k.kHofu.Staatsdruckerei
Denkschriften der k Akad.d Wissensch.mathem.naturw. Cl NI.Bd. 1854.
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Denkschriften der k. Akad. d.Wissensch. mathem. naturw. CL\T.Bd. 41854.
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DIE PANZERWELSE DES K. K. HOF-NATURALIEN-CABINETES ZU WIEN. I. ABTHEILUNG: LORICARINAE.
VON PROF, Dr. RUD. KNER,
CORRESPONDIRENDEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. (MIT VII TAFELN.)
(VORGELEGT IN DER SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM XXI. JÄNNER MDCCCLIMN.)
Vorliegende Arbeit umfasst die im k. k. Hof-Naturalien-Cabinete aufbewahrten, grösstentheils von Jos. Natterer in Süd-Ameriea gesammelten sogenannten Panzerwelse. Der Fleiss dieses als tüchtig bekannten Sammlers erzielte bei dessen langjährigem Aufenthalte in jenen unersehöpflich scheinenden Län-
dern, und insbesondere in Gegenden, welche von andern Naturforschern nur selten oder flüchtig besucht Wurden, eine reichere Ausbeute an derartigen Fischen, als mindestens nach den wissenschaftlichen Vor- lagen zu urtheilen, irgend ein anderes Museum besitzen dürfte. Mein hochgeehrter Freund, Herr Akad. Heckel gestattete mir mit grösster Zuvorkommenheit die Untersuehung der vorhandenen Arten, und die “gebnisse derselben dürften der Veröffentlichung nicht unwerth sein, und wenigstens den Zweck erfüllen. i; ö ö
( A R . ne . . ' ge
'© Aufmerksamkeit der Zoologen auf diese interessante, noch zu wenig beachtete Gruppe von Fischen zu leit nn i " f ü
eiten, und als Beiträge zur weiteren Kenntniss derselben zu dienen.
Denn meine Untersuchungen konnten sich vorzüglich nur auf die äusseren Formverhältnisse erstrecken.
(dk ia M. u . te ' . . . n . . r la die Mehrzahl der Individuen zwar im hiesigen Museum in Weingeist aufbewahrt ist, jedoch fast allen die
I
Di M . u . 7 . . . .. . . “ngeweide fehlen. Der innere Bau musste daher (einzelne Notizen abgerechnet) völlig unberücksichtigt leiben. Späteren Forschungen steht hierin noch ein weites Feld offen, indem die Angaben auch aller übri-
Oor . . .[. . . . . .. 1 nr m gen Bearbeiter dieser Familie in dieser Hinsicht noch äusserst lückenhaft oder ungenau sind.
Y
Die grosse Histoire des poissons von Quvier-Valeneiennes ist allerdings auch bezüglich dieser
Familie d: h ü a amilie das Hauptwerk, doch wird Jeder, der dasselbe zur Hand nimmt, die Richtigkeit der so eben ausgespro-
Chene > . f Br 7: . . . . 1 henen Behauptung nicht bestreiten können. Die allgemeine Beschreibung des inneren Baues ist sehr dürftig,
der Gese en ; i e s . " Geschlechtsverhältnisse und Unterschiede, der Entwickelungs- und Jugendzustände geschieht gar keine
Erwi ’ ER Mn i ; na ; “"Wähnung, und selbst bei dem noch am ausführlichsten geschilderten Skelete bleiben einige wesentliche
Eigenthüml; . = i f . a genthümlichkeiten dunkel oder unerwähnt. Auch in Betreff der systematischen Anordnung lässt das
Denkschriften der mathem.-naturw, Cl, VI. Bd. {1}
66 R. Kner.
genannte Werk Manches zu wünschen übrig, indem nicht selten Eigenschaften als Unterscheidungs-Merk- male benützt werden, die sich bei sorgfältiger Vergleichung mehrerer Individuen keineswegs als verläss- lich herausstellen.
Ich halte es demnach für meine erste Aufgabe, einige allgemeine Bemerkungen über diese Fische vorauszuschieken, hiebei mich aber vorzüglich nur auf solehe Punkte zu beschränken, welche bisher theils zu geringe, theils keine Beachtung fanden, und dann zunächst sowohl jene naturhistorischen Eigen- schaften hervorzuheben, die sich nach meinen Untersuchungen als brauchbar für die Charakteristik erge-
|
ben, wie auch jene, die als unverlässliceh und schwankend sich zu diesem Behufe nicht tauglich bewähren. ı Vor Allem ist jedoch nöthig sich über den Inbegriff der als Loricarinen bezeichneten Fische zu ver- ständigen. Als solche werden hier alle mit nur einer Rückenflosse versehenen Panzerwelse bezeichnet, deren nähere Charakteristik jedoch erst später angegeben werden kann. Valeneiennes nimmt | zwar unter die Merkmale dieser Gruppe auch den abgeplatteten Kopf und das mit Barteln besetzte Mund-
segel auf, Spix-Agassiz noch ausserdem die Beschilderung und Zahnbildung; alle diese Merkmale
i scheinen mir aber zur Unterscheidung der in Frage stehenden Gruppe nicht wesentlich zu sein. Denn aller- ine dines besitzt die grosse Mehrzahl den platten Kopf und stark niedergedrückten Schwanz, die neue Gattung fo) .
Acestra hingegen, die gleiehwohl von dieser Gruppe nicht zu trennen ist, macht durch ihre an die Gattung | Syngnathus mahnende Körperform hievon eine Ausnahme. Die übrigen als Merkmale hervorgehobenen | Eigenschaften, wie Mundsegel, Barteln, Beschilderung und Zahnbildung sind dieser Gruppe nicht aus- schliesslich eigen, kommen vielmehr auch anderen zu, und sind daher nicht für selbe allein als bezeiehnende anzusehen.
Indem ich mich nun den allgemeinen Betrachtungen zuwende, mag zuerst der äussern Bedeekung Erwähnung geschehen. Diese besteht namentlich an der Oberseite des Kopfes, dem Rücken, Schwanz und den Seiten des Rumpfes theils aus Schildern verschiedener Form und Grösse, theils aus schienenähnlichen Stücken. Die Unterseite des Kopfes ist bald nackt, bald seitlich und vor dem Munde zum Theil ebenfalls mit Schildehen besetzt. Dessgleichen werden Brust und Bauch meist dieht von kleineren, polygonalen Schildern bis nahe vor die Analgrube bedeckt, die Unterfläche des Schwanzes nehmen aber wieder brei- tere Querschienen ein. — Die Aussenfläche aller Schilder und Schienen ist mehr oder minder rauh, häufig treten am Oberkopf und Rücken fein gezähnelte, mitunter eharakteristische Leisten vor. Fast immer IE erheben sich aber beiderseits am Rumpfe zwei nach rückwärts eonvergirende solche Leisten oder Kiele, durch welche der Umfang des Leibes und dessen Querschnitt winkelig erscheint, und die am Schwanze hart an einander stossend, die scheinbar einfache, scharf gezähnelte Seitenkante desselben bilden. Die Substanz der Schilder ist knochenähnlich, hart und brüchig, unterscheidet sich aber durch ihre chemische Zusammensetzung von echter Knochensubstanz dureh auffallend grossen Gehalt an phosphorsaurem
Kalk. Das an ein Hautskelet, an wahre Hauptknochen mahnende Ansehen dieser Schilder veran-
I lasste mich nämlich, selbe einer chemischen Analyse zu unterwerfen. Eine solehe wurde im Laboratorium meines geehrten Freundes, Prof. Jos. Redtenbacher, vorgenommen, und ergab 50"/, phosphorsauren Kalk ohne allen kohlensauren Kalk und andere fixe Bestandtheile "). Dies überraschende Resultat bewog mich, eine gleiche Analyse von noch einigen anderen Fischsehuppen und Schildern mir zu erbitten. Ich
wählte hiezu: Schuppen von Polypterus bichir, Schilder von Ostracion cubieus, “Acipenser ruthenus,
4) Eine etwas grössere Quantität (2 Grammen) derselben Schuppen (von Lor, laeviuseula) wurde auch durch Herrn Dr. v,. Ferstl unter-
sucht. Derselbe fand zwar gleichfalls den phosphorsauren Kalk überwiegend, dagegen aber auch kohlensauren Kalk und Magnesia in
nicht unbedeutender Menge. Diese abweichenden Angaben machen eine nochmahlige Analyse nöthig, deren Resultat in der II, Abthei-
lung (die Hypostomiden) nachgetragen werden wird.
Die Panzerwelse des k. k. Hof-Naturalien-Cabinetes zu Wien. 67
Schuppen von Daetylopterus communis und von Cyprinus carpio. Die Analyse derselben wurde gleichfalls im Laboratorium Redtenbaeher’s vorgenommen, und seiner gütigen Mittheilung verdanke ich folgende Ergeb-
nisse; bei Jufttrockener Substanz zeigten die
Schuppen von Cyprinus (die jedoch nieht völlig trocken waren) in 100 Theiten fixen davon PO, CaO und MgO , CO, CaO , CO, MgO
Rückstand
ini: = 11:55 + #03 — Spuren > „ Dactylopterus 3654 = 27:99 + 701 — » Schilder ,„ Acipenser 38:32 an 32:98 + #32 — A u. „ Ostracin 43'25 a 38:79 + 3:93 — 5 is „ FPolypterus 5170 4148 + 914 — Ar ER -. En 50:0 (nach Redtend.) — ,
.. „ Loricaria : |
4830 = 32:0 +12A45b — „ (nach v. Ferstl).
Obwohl die beiden Analysen der Loricarienschilder bedeutend differiren, so erhellt doch aus der vorstehenden Reihe, dass sie den Emailschuppen der Ganoiden zunächst stehen, und ausser diesen mit den Hautschildern der Selerodermi am meisten übereinstimmen. Diese durch die chemische Zusammensetzung ausgedrückte Verwandtschaft in den Hautgebilden gibt sich auch durch mehrere andere Eigenschaften kund, indem die Loricarien namentlich in Totalgestalt, Stellung des Mundes, Form der Kopfschilder u. s. w. insbesondere an Störe mahnen (denen sie Gronovius auch beizählte). Vogt vergleicht sogar (s. dessen zoolog. Briefe) die allen Loricarien eigenthümlichen Stützschilder an der Basis der Schwanzflosse den rhomboidalen Schuppen am Schwanze von Aeipenserinen, und wenn dies auch vielleieht mit Unrecht geschieht, so bietet doch die fast bei allen Loriearien vorkommende Verlängerung des oberen Caudallappens eine Ähnlichkeit mehr mit jenen dar. Übrigens bin ich weit entfernt, die Panzerfische etwa für Ganoiden zu halten, sondern hebe alle diese Punkte nur hervor, um nachzuweisen, dass selbe mindestens mit